Wenn es ums Geld geht, sind die Österreicher konservativ und wollen Sicherheit. Das Sparbuch steht dementsprechend in vielen Umfragen nach wie vor an allererster Stelle der beliebtesten Anlageformen. Dass dabei seit Jahren nur magere bis gar keine Zinsen für das Ersparte abfällt, spielt offenbar eine untergeordnete Rolle. Rund um den Weltspartag, der heuer zu Weltsparwochen ausgedehnt wurde, wird aber nicht mehr nur das Sparen beworben, sondern auch viele Alternativ-Produkte.

EZB vergattert Banken zu Strafzinsen

Durch die Coronakrise sind die Österreicher noch sparsamer und risikoscheuer geworden, wie die nationale Sparquote zeigt. Laut Zahlen der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) stieg die Sparquote heuer auf rund 13 Prozent. Im Vorjahr lag sie mit 7,4 Prozent noch deutlich darunter. Für Banken bedeuten hohe Spareinlagen jedoch vor allem Strafzinsen an die EZB, weshalb eine Umschichtung der Ersparnisse in andere Anlageformen für sie wünschenswert ist.

Am häufigsten werden Aktien als renditebringende Alternative zu klassischen Sparprodukten ins Rennen geführt. In einer Aussendung vom Freitag ruft beispielsweise das Aktienforum die Österreicher auf, "weniger Dagobert" zu sein und ihr Geld nicht nur auf Sparbüchern zu horten, sondern anzulegen. "Dagobert Duck hortet sein Vermögen in einem Geldspeicher und fügt damit vor dem Hintergrund der aktuellen Geldpolitik sich selbst und auch der Wirtschaft Schaden zu", so Robert Ottel, Präsident des Aktienforums.

Um den Leuten Aktien aber auch schmackhaft zu machen, brauche es steuerliche Anreize. Das Aktienforum spricht sich daher für eine Behaltefrist bei Wertpapierkäufen, die dem Aufbau von Vermögen und der Altersvorsorge dienen, aus.

Für den langfristigen Aufbau von Vermögen über Wertpapiere greifen viele auf das "Fondsparen" zurück. Dieses wirft als Anlageform zwar tendenziell mehr Rendite ab als das Geld am Sparbuch, ist jedoch immer auch mit einem Risiko verbunden, wie die AK im Rahmen des vor einigen Tagen veröffentlichten Sparzinsentests betonte. Der Begriff sei daher tückisch, da er die Sicherheit eines Sparprodukts suggeriere.

Langfristiges Ansparen mit Gold

Neben Wertpapieren und Fonds wurde heuer erstmals auch das langfristige Ansparen mit Gold beworben. So hat die Firma Goldinvest einen "Gold-Spartag" ins Leben gerufen, bei dem bereits am 50 Euro im Monat Teile eines physischen Goldbarrens erworben werden können. Auch der Goldhändler philoro hat mit Anfang Oktober einen Goldsparplan auf den Markt gebracht, mit dem potenzielle Goldkäufer erreicht werden sollen. Der Mindestinvestitionswert liegt ebenfalls bei 50 Euro im Monat.

Im Zusammenhang mit dem Sparverhalten der Österreicher kommt auch die Forderung nach mehr Finanzbildung immer wieder auf - vor allem vonseiten der Banken sowie der Wiener Börse wird das Thema seit Jahren forciert. Auch Aktienforum-Präsident Ottel sagte am Freitag, dass "die Implementierung von Finanz- und Wirtschaftsbildung in den Schullehrplänen im Fokus einer zukünftigen Kapitalmarktpolitik stehen sollte". Laut einer Gallup-Umfrage schätze jeder zweite Österreicher sein Finanzwissen als "unzureichend" ein, hatte die Wiener Börse jüngst mitgeteilt. (apa)