Der zweite Lockdown hat bereits deutliche Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt: Die Arbeitslosigkeit ist im Vergleich zur Vorwoche um 12.521 Personen gestiegen, derzeit sind 437.421 Personen ohne Job. In Kurzarbeit sind 132.984 Menschen. Bis Jahresende wird die Arbeitslosigkeit wohl auf 500.000 steigen, meinte Arbeitsministerin Christine Aschbacher (ÖVP) bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Wien. 

Von den Personen ohne Job sind 370.981 arbeitslos beim AMS vorgemerkt und 66.440 in Schulung. Die Corona-Arbeitslosigkeit, also der krisenbedingte Abstand zum Vorjahr, beträgt 79.000 Personen. Bis Jahresende sei zu erwarten, dass die krisenbedingte Arbeitslosigkeit um 20.000 Arbeitssuchende ansteige, so das Arbeitsministerium.

Die Arbeitslosen sollten sich auf offene Stellen bewerben, etwa im Contact Tracing, oder in der Administration von Pflegeheimen. "Bewerben Sie sich", appellierte Aschbacher. Es würden gerade in versorgungskritischen Bereichen neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gesucht. Die "Corona-Joboffensive" des AMS sei die größte Arbeitsmarktoffensive der Zweiten Republik.

Aschbacher appellierte an alle Unternehmen, die von Schließungen oder von Umsatzrückgängen betroffen sind, ihre Mitarbeiter nicht zu kündigen, sondern in Kurzarbeit zu schicken. Betriebe mit Kurzarbeit sollten ihre Belegschaft weiterbilden, etwa mit Online-Kursen zur Digitalisierung oder mit Sprachkursen in der geschlossenen Hotellerie.

Bis 20. November können vom Lockdown betroffene Betriebe noch rückwirkend Anträge auf Null Prozent Kurzarbeit stellen. Vorerst halten sich die Unternehmen noch zurück, im Oktober und Anfang November seien nur 15.844 Kurzarbeits-Anträge eingelangt. Das Ministerium geht aber davon aus, dass bei der Kurzarbeit noch eine höhere Nachfrage folgt.

Impfstoff schürt Hoffnungen

Auf die positive Entwicklung an den Börsen nach den Fortschritten bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs verwies Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP). "Es geht steil bergauf, sobald der Impfstoff da ist". Erfreulich sei auch, dass ein österreichisches Unternehmen, die Firma Polymun in Klosterneuburg, einen starken Beitrag bei der Bekämpfung des Coronavirus leiste. Das Unternehmen sei durch die österreichische Forschungsförderung unterstützt worden und zeige, wie Grundlagenforschung direkt in Impfstoffe umgesetzt werden könne.

"Derzeit stecken wir leider noch mitten in der Pandemie", sagte Schramböck. Die Impfungen seien mit einem rollenden Schneeball zu vergleichen, der zur Lawine werde. "Wir brauchen Lawinenschutz", zog die Tirolerin einen bildhaften Vergleich. Bis ein Impfstoff da sei, gelte es die Beschränkungen im Lockdown zu beachten und genau einzuhalten. Am Wochenende würden die bisher verhängten Maßnahmen evaluiert, davor wollten die beiden Ministerinnen nicht über allfällig notwendige neue Maßnahmen spekulieren. Erneut lobte Schramböck die Effizienz der österreichischen Hilfszahlungen, Österreich sei hier weit schneller als Deutschland.

Das Weihnachtsgeld, das in vielen Unternehmen Ende November fällig wird, müsse ausbezahlt und dann auch konsumiert werden, appellierten beide Ministerinnen. Mit dem Geld für die Kurzarbeit seien immer auch anteilig die Sondergeldzahlungen geleistet worden, daher müssten auch diese Unternehmen das Weihnachtsgeld zusammenbekommen. Dass die Geschäfte jetzt spätestens um 19 Uhr die Türen schließen sei eine Sozialpartnervereinbarung im Handel, damit alle rechtzeitig vor dem Beginn des Lockdown um 20 Uhr nach Hause kommen, erläuterte Schramböck. (apa)