Wien. Das Umweltministerium hat den Startschuss für neue Förderungen von Klimaschutzinnovationen gegeben. 28 Millionen Euro soll es "für die Wirtschaft von heute und das Klima von morgen" geben, teilte Ministerin Leonore Gewessler (Grüne) mit. Das Geld komme aus dem Klima- und Energiefonds. Gefördert werden 22 Projekte, die in Forschungseinrichtungen und Unternehmen umgesetzt werden. Es geht konkret um Innovations- und Energieforschungsprojekte. Gemeinsame Ziele der Projekte sind die Reduktion von Emissionen und das Zurverfügungstellen von leistbarer, klimafreundlicher Energie. Gleichzeitig soll der Standort Österreich gestärkt werden.

"Der Standort Österreich wird klimafreundlicher und damit wettbewerbsfähiger, kurbelt unsere Wirtschaft an und sorgt für Green Jobs", so Gewessler. Die Klimakrise als große Frage der Gegenwart brauche die Bündelung aller Kräfte. Als "Best-Practice-Beispiel" nennt die Politikerin das steirische Entsorgungsunternehmen Saubermacher, das mit Projektpartnern gebrauchte Batterien aus der E-Mobilitiät wiederverwende und weiter nutze. Das sei weltweit einmalig. Von der Idee über die Förderung bis zur Umsetzung habe es nur drei Jahre gebraucht.

Jährlich 16 Milliarden für Klimaschutz notwendig

Um die Klimaziele bis 2050 zu erreichen, müsste Österreich jedes Jahr knapp 16 Milliarden Euro in den Klimaschutz investieren. Das hat eine Modellrechnung für den "Österreichischen Infrastrukturreport 2021" ergeben, der am Montag präsentiert wurde. Gleichzeitig wäre durch einen gezielten Ausbau der Infrastruktur eine Produktivitätssteigerung um rund 56,6 Milliarden Euro pro Jahr möglich, wird in dem Report der Initiative Future Business Austria (FBA) vorgerechnet.

Für den Report wurden auch 240 Vorstände und Geschäftsführer von österreichischen Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern vom Meinungsforscher Peter Hajek befragt. Als Grundvoraussetzungen für die Wettbewerbsfähigkeit Österreichs nannten sie vor allem Bildung (84 Prozent), Digitalisierung (57 Prozent) und eine gute, krisensichere Infrastruktur (56 Prozent). Nach Innovation, Forschung und Entwicklung (45 Prozent) wurde auch eine gute Gesundheitsinfrastruktur (40 Prozent) als ein wichtiger Wettbewerbsfaktor für Österreich genannt. "Damit zeigt sich, dass Gesundheitsinfrastruktur nicht nur ein notwendiger Kostenfaktor, sondern auch ein wettbewerbsrelevanter Investitionsfaktor ist", so Ärztekammer-Präsident Thomas Szekeres zu den Ergebnissen des Reports. "Wir tun gut daran, unsere Gesundheitsinfrastruktur in Österreich zielgerichtet weiterzuentwickeln und nicht am falschen Platz zu sparen."

Manager: Bahnstrecken und 5G-Mobilfunknetze wichtig

Priorität beim Infrastruktur-Ausbau sollten nach Ansicht der befragten Manager vor allem neue Technologien für höhere Energieeffizienz und Klimaschutz sowie die Sicherung gegen Cyber-oder Terrorangriffe haben. Wichtig ist ihnen auch der Ausbau der Hochleistungsstrecken der Bahn sowie des 5G-Mobilfunknetzes. Der Tunnelausbau, die Entwicklung der Donau-Wasserstraße oder der Bau der dritten Piste am Flughafen Wien wurden vergleichsweise selten als Prioritäten angeführt. Mit der österreichischen Straßeninfrastruktur zeigten sich die Befragten in europäischen Vergleich sehr zufrieden, der positive Saldo betrug hier 49 Prozent.

"Unsere Erhebungen zeigen heuer sehr klar, dass die Verbindung von Wettbewerbsfähigkeit, Krisenfestigkeit und Klimaschutz ein wichtiges Anliegen der Entscheidungsträger aus der Wirtschaft sind", sagte FBA-Studienherausgeber David Ungar-Klein. "Hier wird auch dem Staat durchaus mehr Spielraum zugemessen als bisher." Dass der Staat für Investitionen in die digitale Infrastruktur Schulden machen soll, befürworten 41 Prozent der Befragten. Im vergangenen Jahr waren es nur 11 Prozent.

Die Klimaschutzkosten sollte nach Ansicht der Manager vor allem der Staat tragen: Demnach müsste die öffentliche Hand in Österreich jährlich 6,5 Milliarden Euro in Klimaschutzmaßnahmen investieren, 6,1 Milliarden Euro sollten durch PPP-Lösungen (Public-private-Partnership) aufgebracht werden. (apa/ast)