Das Elektroauto ist auf dem Vormarsch. Ende September waren rund 38.000 E-Autos auf Österreichs Straßen unterwegs. Zählt man die Plug-In-Hybride noch dazu, kommt man auf rund 50.000 Fahrzeuge. Seit 2012 steigt die Zahl der E-Autos stark an. Im September machten Elektrofahrzeuge (inkl. Plug-In-Hybrid) bereits knapp elf Prozent an den Neuzulassungen aus. Im Oktober hat sich die Zahl der neu zugelassenen E-Autos im Vergleich zu 2019 sogar verdreifacht. Auch in der EU macht das E-Auto Boden gut. Knapp 274.000 Pkw und damit jedes zehnte im dritten Quartal verkaufte Auto war elektrisch betrieben.

Bis auf Österreichs Straßen nur noch leise E-Autos unterwegs sind, ist der Weg allerdings noch ein weit. Mehr als fünf Millionen Pkw fahren mit Diesel oder Benzin. Das E-Auto fristet derzeit ein Nischendasein. Rechnet man die Plug-In-Hybride hinzu, machen E-Autos gerade mal ein Prozent am Gesamtbestand aus. Wenn die Verkehrswende gelingen soll, muss sich das ändern. Denn der Verbrennungsmotor ist ein Klimakiller. Der Verkehr ist für rund 30 Prozent aller klimaschädlichen Gase in Österreich verantwortlich. Er ist das Sorgenkind der heimischen Klimapolitik.

Den Umstieg auf elektrisch betriebene Fahrzeuge versucht die Regierung mit Förderungen schmackhaft zu machen. In den Jahren 2019 und 2020 stehen insgesamt 93 Millionen Euro – von Bund und Fahrzeugimporteuren – zur Verfügung. Diese Mittel sind - entgegen den Aussagen des Klimaschutzministeriums gegenüber der "Wiener Zeitung" vom Mittwoch - doch nicht vollkommen ausgeschöpft. Der Topf sei jedoch bereits wieder aufgefüllt worden, heißt es am Donnerstag. Es stünden noch sechs Millionen Euro Förderung für Private zur Verfügung. Entsprechende Anträge können gestellt werden.

Man werte das als positives Zeichen, dass die Nachfrage entsprechend groß sei, teilt ein Sprecher mit. Das Ministerium von Leonore Gewessler (Grüne) plant, die Fördertöpfe noch heuer weiter zu befüllen. Derzeit laufen intensive Gespräche zwischen dem Ministerium und den Automobilimporteuren. Zur Höhe der Förderung konnte der Sprecher keine Angaben machen.

E-Auto mit Steuervorteilen

Bis dato wurden 19.300 Anträge für E-Autos gestellt. Im Sommer erhöhte die Regierung die Förderung von 3000 auf 5000 Euro pro Elektroauto. Seither gab es einen starken Anstieg bei den Anträgen, teilt die Förderstelle Kommunalkredit mit. 52 Prozent der Anträge sind von Unternehmen, 48 Prozent stellen Private. 74 Prozent der Anträge betreffen E-Autos, acht Prozent Plug-In und 18 Prozent Leichtfahrzeuge inklusive E-Zweiräder. Privatpersonen können in manchen Bundesländern zusätzliche Förderungen bekommen. Niederösterreich etwa schießt noch mal 1000 Euro pro E-Auto zu, wenn eine Bundesförderung gewährt wurde.

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Besitzer von Elektroautos sparen sich auch Steuern. Reine Elektroautos sind gänzlich von der motorbezogenen Versicherungssteuer befreit. Bei Pkw mit Verbrennungsmotor richtet sich die Steuer seit 1. Oktober nicht nur nach der Leistung des Verbrennungsmotors, sondern auch nach den verursachten CO2-Emissionen.

Unternehmen, die auf elektrische Autos umrüsten wollen, können Förderungen bis zu zehn Fahrzeugen einreichen. Die Anzahl der Anträge ist deshalb nicht gleichbedeutend mit der Anzahl der Fahrzeuge. Zu den Förderungen des Bundes gibt es obendrein noch eine Investitionsprämie des austria wirtschaft service (aws) in Höhe von 14 Prozent des Autowerts.

Im kommenden Jahr, das hat die Regierung bereits bekanntgegeben, sollen E-Autos mit 40 Millionen Euro gefördert werden. Förderungen werden auch weiterhin nötig sein. Doch reicht das E-Auto um den CO2-Ausstoß im Verkehr zu reduzieren? "Einfach nur auf das Elektroauto umzustellen, kann nicht die Lösung sein", sagt Ulla Rasmussen vom Verkehrsclub Österreich (VCÖ). "Die Menschen glauben, sie haben ein E-Auto, das emissionsfrei ist und deswegen können sie mehr fahren. Das ist der falsche Ansatz", sagt die Verkehrsexpertin. Vielmehr muss die Mobilität in Zukunft multimodal werden: Weg vom Individualverkehr hin zu mehr öffentlichen Verkehrsmitteln, Rädern und Carsharing. Denn bis 2040 will Österreich klimaneutral sein. Unterm Strich dürfen dann keine Emissionen mehr anfallen – auch nicht beim Verkehr.

Dieser Artikel wurde 12.11.2020 aktualisiert.