Auch im zweiten Lockdown sind die Österreicher beunruhigt und verunsichert - von Gewöhnungseffekt keine Spur. Das drückt auf die Konsumlaune, wie eine Umfrage der Linzer Johannes Kepler Universität (JKU) zeigt. "Die allgemeine Stimmung hat sich sichtlich verschlechtert", stellen die Studienautoren fest. 27 Prozent geben an, "viel beunruhigter" als im ersten Lockdown zu sein, nur 14 Prozent sind "weniger beunruhigt". Die Hälfte (53 Prozent) empfindet die gleiche Beunruhigung.

Diese Gefühlslage bremst auch die Ausgabenneigung im für den Handel so wichtigen vierten Quartal mit dem Weihnachtsgeschäft. 36 Prozent der Befragten geben bei der in der ersten November-Woche durchgeführten Umfrage an, weniger ausgeben zu wollen. Nur bei 5 Prozent sitzt das Geld lockerer. Immerhin 59 Prozent wollen ihre Ausgaben trotz neuerlichen Lockdowns unverändert lassen.

Frauen halten Geld mehr zurück als Männer

Diese Stimmung zieht sich quer durch alle Altersgruppen. Frauen sind bei den Ausgaben noch sparsamer als Männer. Die Ausgabenneigung sinke mit dem Grad der Betroffenheit durch die Covid-19-Krise sowie den damit verbundenen Einkommensverlusten auf individueller bzw. auf Haushaltsebene, so das Institut für Handel, Absatz und Marketing an der JKU. Covid-19 habe auf die Brieftaschen der Konsumenten übergegriffen, "und das in der für den Einzelhandel wohl ungünstigsten Jahreszeit".

Einen zusätzlichen Dämpfer verabreicht dem Handel die behördliche Gastroschließung - ein wesentlicher Bestandteil des Einkaufserlebnisses fällt dadurch weg. Nur Take-away-Konsumation ist derzeit erlaubt. Insgesamt empfinden 45 Prozent der Befragten dadurch weniger Spaß beim Einkaufen, 41 Prozent fehlt "etwas", wenn dabei Cafes und Restaurants geschlossen sind.

Mehr als die Hälfte (53 Prozent) will mit weniger Personen shoppen gehen, ebenso viele wollen weniger oft und 51 Prozent weniger lang in Einkaufsstraßen und -zentren gehen. Gut ein Drittel (35 Prozent) will dort auch weniger ausgeben. "Was natürlich unter den aktuellen Covid-19-Ansteckungszahlen löblich klingt, reduziert die soziale Dimension des Einkaufs, die für viele ein attraktiver Bestandteil jedes Shopping-Trips ist", heißt es seitens der JKU.

Der Online-Handel profitiert

Von der gedrückten Shopping-Lust in den stationären Geschäften profitiert wie schon im März der Online-Handel: Mehr als jeder Vierte will im November-Lockdown öfter (27 Prozent) und länger (26 Prozent) via Internet shoppen und dabei auch mehr ausgeben (26 Prozent).

Parallel dazu kämpfe der stationäre Handel - mit Ausnahme weniger Branchen wie dem Lebensmitteleinzelhandel - derzeit gegen negatives Konsumklima und das "amputierte" Einkaufserlebnis durch die Gastro-Schließung an. Es wird seltener und kürzer eingekauft - und dabei wird auch weniger eingekauft. Der Lockdown wird laut JKU "schon wieder zum unbeabsichtigten 'Förderprogramm' des (internationalen) Online-Handels", fassen der Leiter des CRCR Centre of Retail and Consumer Research, Ernst Gittenberger, und der Vorstand des IHaM Institut für Handel, Absatz und Marketing, Christoph Teller, zusammen.

Die vorliegenden Ergebnisse basieren den Angaben zufolge auf einer Online-Umfrage unter 1.012 Österreichern und darauf aufbauenden Berechnungen am JKU-Institut für Handel, Absatz und Marketing. (apa)