Der Briefträger wird immer mehr zum Packerl-Träger: Die österreichische Post verzeichnete in den ersten neun Monaten des Jahres im Brief- und Werbegeschäft einen Umsatzrückgang um 9 Prozent auf 883 Millionen Euro, bei Paketen stieg der Umsatz um 31,9 Prozent auf 576,6 Millionen Euro. Im Spitzenmonat April in der ersten Lockdown-Phase gab es sogar ein Plus um etwa 70 Prozent zur Vorjahresperiode. An Spitzentagen gab es im Lockdown wie zu Weihnachten 2019 etwa 750.000 Pakete. Nun rechnet Post-Chef Georg Pölzl damit, dass heuer zu Weihnachten Tagesspitzen von einer Million Paketen erreicht werden. Die Post AG sei "auf den Paketsegen vorbereitet", verspricht Pölzl.

Im Schnitt werden heuer zu Weihnachten wohl so viel Pakete zuzustellen sein, wie im Vorjahr noch an einzelnen Spitzentagen. In Summe dürften es über das Jahr mehr als 150 Millionen Pakete werden, 2021 dann schon mehr als 160 Millionen. Vor fünf Jahren war es noch die Hälfte.

Verlust im Bereich Filiale und Bank

Der Gewinnanstieg um 11 Millionen Euro bei Paketen konnte aber den Gewinnrückgang bei Briefen und Werbung von 22,2 Millionen Euro nicht kompensieren, sodass der Gewinn (Ebit) im Bereich Logistik um 10 Prozent auf 118,7 Millionen Euro fiel. Dazu kommt ein Verlust von 37,3 Millionen Euro im Bereich Filiale und Bank, der durch Aufbaukosten bei der bank99 ausgelöst wurde. Insgesamt sank das Ebit um 37,4 Prozent auf 81,4 Millionen geführt.

Der gesamte Umsatz lag in den ersten drei Quartalen mit 1,497 Milliarden Euro um 2,4 Prozent höher als in der Vorjahresperiode. Erstmals ist auch von der türkischen Tochter Aras Kargo ein Umsatzbeitrag von 23,9 Millionen Euro enthalten.

Zwischen 2025 und 2030, aber vielleicht inklusive Auslandsgeschäft sogar schon früher, erwartet Pölzl, dass Briefpost weniger als die Hälfte des Konzernumsatzes von zuletzt gut 2 Milliarden Euro jährlich ausmachen wird. Dafür sollen, abgesehen vom Paketvolumen, andere Bereiche einspringen. Etwa die bank99. Diese bringt allerdings vorerst wegen Anfangsinvestitionen noch Verluste. Knapp 60.000 Kunden hat die Post bisher gewonnen, womit Pölzl sehr zufrieden ist. Mit den wohl über einer Million Bawag P.S.K.-Kunden, die vor der Trennung bei der Post betreut wurden, und dem Service einer Vollbank könne man das nicht vergleichen. "Aber wir werden uns schon ein paar hunderttausend Kunden vom Markt holen", so Pölzl. Investiert werden in der Aufbauphase jedenfalls 30 bis 40 Millionen Euro jährlich.

Positive Entwicklung bei shöpping.at

Sehr positiv habe sich auch die Online-Plattform shöpping.at entwickelt. In einer Umfrage hätten sieben Prozent der Österreicher gesagt, sie wollten auf der Plattform Weihnachtseinkäufe tätigen. Das sei zwar nur ein Zehntel des Zuspruchs, den der dominante US-Konzern Amazon erfährt (60 Prozent wollen dort kaufen), aber das mache shöpping in Österreich zur klaren Nummer zwei, vor Thalia und Zalando. Pro Tag werden inzwischen über die Plattform gut 900 Pakete versandt, das sind über vier Mal so viele wie im Vorjahr.

shöpping.at soll "die Trägerrakete für einige hundert Millionen Euro" Umsatz werden, wovon die Post eine Provision erhalte, so Pölzl. Das Durchbrechen der Gewinnschwelle sei "in greifbarer Nähe", ob es schon kommendes Jahr so weit sein wird könne er nicht sagen. Aber Amazon habe die ersten 20 Jahre Verlust gemacht, vergleicht Pölzl.

Krypoto-Briefmarke im Guinss-Buch der Rekorde

Freude bereiten dem Post-Chef aber auch kleinere Geschäftsfelder wie die Philatelie, auf die rund 20 Millionen Euro Umsatz entfallen. Dank Briefmarke aus Klopapier und Briefmarke mit Kryptowährungszwilling habe man es zu internationaler Aufmerksamkeit geschafft, der sonst als verstaubt verschrieene Bereich habe heuer Umsatzzuwächse gebracht und sei ein profitables Segment. Die Krypto-Briefmarke um 500 Euro habe es sogar in das Guiness-Buch der Weltrekorde als teuerste jemals ausgegebene Briefmarke geschafft und sei in wenigen Stunden ausverkauft gewesen. (apa)