In den Wochen vor Weihnachten klingelt es in den Kassen des Einzelhandels üblicherweise besonders laut. Manche Branchen machen im Dezember doppelt so viel Umsatz wie in einem normalen Monat oder mehr, etwa der Spielwarenhandel, Uhren- und Schmuckgeschäfte, der Buchhandel oder Elektrogeschäfte. Heuer kommt coronabedingt nicht so richtig Stimmung auf. Am Freitag mehrten sich Berichte, wonach in den kommenden Tagen der von der Regierung bisher verordnete "Lockdown light" in eine härtere Variante verwandelt wird. Das würde erneut auch wieder Handelsbranchen hart treffen, die ohnehin schon schwer unter der Corona-Krise leiden.

Laut "Standard" und "Kurier" wird der Handel für einige Zeit wieder bis auf die Grundversorgung heruntergefahren. Sofern die Infektionslage es zulasse, sollen die Geschäfte nach ein paar Wochen für das Weihnachtsgeschäft wieder öffnen. Verkündet werden sollten die verschärften Maßnahmen in einer Pressekonferenz am Samstagnachmittag.

Abholung von Waren aus den Geschäften soll möglich sein

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

"Sollte es zu einem vollen Lockdown kommen, wäre das für den Handel existenzbedrohend", so WKÖ-Handelsobmann Rainer Trefelik, der erst vor kurzem mit der Gewerkschaft ein Gehaltsplus von 1,5 Prozent - entsprechend der durchschnittlichen Inflationsrate der vergangenen zwölf Monate - für die Handelsangestellten ausverhandelt hat. Die unterschiedlichen Teile des Handels würden dann "umfangreiche Unterstützung benötigen", auch weil das wichtige Weihnachtsgeschäft auf dem Spiel stehe. Sollte es wieder zur Schließung aller Geschäfte mit Ausnahme von Lebensmittelmärkten, Apotheken, Drogerien und Trafiken kommen, solle die Lieferung sowie Abholung von Waren bei den Geschäften erlaubt bleiben, fordert Trefelik. An die Konsumenten appellierte er, online primär bei heimischen Händlern einzukaufen oder die Einkäufe nach dem Lockdown in den Geschäften nachzuholen.

2019 steigerten die inländischen Online-Shops ihren Umsatz um 6 Prozent auf 3,5 Milliarden Euro. Bei ausländischen Online-Händlern gaben die Österreicher rund 4,2 Milliarden Euro (plus 5 Prozent) aus. Das Weihnachtsgeschäft - es definiert sich als Mehrumsatz im Dezember, der über den durchschnittlichen Umsätzen der Monate Jänner bis November liegt - brachte dem Handel im Vorjahr 1,22 Milliarden Euro netto. Im Gesamtjahr setzte der Einzelhandel rund 73,2 Milliarden Euro um.

Der Handelsverband fordert angesichts der Verschärfungen "gute und rasche" Hilfen. "Wir befürchten ein Händlersterben von 6.000 Geschäften", sagte Geschäftsführer Rainer Will. Der aktuelle Lockdown habe bereits bei vielen Händlern zu massiven Umsatzeinbrüchen geführt. Diesen Betrieben müsse bereits jetzt besser geholfen werden. "Der Handel hat Verständnis, dass immer die Gesundheit an erster Stelle steht. Wenn es weitere Restriktionen gibt, dann muss es aber auch dasselbe Verständnis für rasche Hilfen geben", so der Branchenvertreter. Die kommenden Wochen seien der wichtigste Zeitraum für die Handelsbranche. Viele Betriebe hatten gehofft, die Verluste aus den ersten Corona-Monaten vielleicht nun wieder aufzuholen.

Sollten erneut wie im März und April alle Händler außer dem Lebensmitteleinzelhandel, Drogeriemärkten, Trafiken und Apotheken schließen müssen, dann sollte es laut Handelsverband einen 80-prozentigen Umsatzersatz für die betroffenen Unternehmen geben. Diese Art von Hilfe gibt es bereits für Betriebe im Bereich Beherbergung, Veranstaltungen, Gastronomie und Freizeitangebote für den Monat November.

Zweiter Lockdown
dämpfte BIP um 7 Prozent

Der Teil-Lockdown ab 3. November hat bisher einen weniger großen Schaden in der Wirtschaft angerichtet als der komplette Shutdown im März/April. In der ersten Woche (2. bis 8. November) verringerte sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 7 Prozent. Im Frühjahr war die Wirtschaftsleistung während des allgemeinen Stillstands um bis zu rund 25 Prozent eingebrochen. Das zeigt der wöchentliche Bruttoinlandsprodukt-Indikator der Nationalbank (OeNB). Die wirtschaftlichen Verluste im Lockdown sind laut OeNB mehrheitlich auf tourismus- und freizeitnahe Dienstleistungen zurückzuführen. Im Handel habe es eine Verschiebung vom Nicht-Lebensmittel- zum Lebensmittelhandel gegeben.(apa/ede)