"Bereits vor Beginn des zweiten Lockdowns hat die heimische Wirtschaft den Rückwärtsgang eingelegt", sagt der Chefökonom der Unicredit Bank Austria, Stefan Bruckbauer. Die Konjunkturstimmung hat sich im Oktober zum ersten Mal seit vier Monaten verschlechtert, und mit der Verhängung des neuerlichen harten Lockdowns ab Mitte November sei mit einer neuerlichen Rezession in Österreich zu rechnen, heißt es im aktuellen "Unicredit Bank Austria Konjunkturindikator".

Der Konjunkturindikator ist im Oktober auf minus 1,5 Punkte gesunken. "Die wirtschaftliche Erholung macht in Österreich derzeit eine Pause", sagte Bruckbauer laut Mitteilung vom Montag. Die Verbesserung der Konjunkturstimmung in Österreich seit dem Frühsommer habe im Oktober ein vorläufiges Ende gefunden.

"Die erhöhte Unsicherheit der heimischen Konsumenten im Oktober hat die Nachfrage im Dienstleistungssektor verringert. Bei stabil guter Lage am Bau hat der anhaltende leichte Aufwind in der Industrie diesen Dämpfer im Oktober nicht vollständig ausgleichen können", so Bruckbauer.

Mit der Verschärfung der Pandemie in ganz Europa und der Verhängung des neuerlichen harten Lockdowns in Österreich haben sich die Aussichten für den Winter noch stärker eingetrübt. "Die Rahmenbedingungen, die in Kürze für die österreichische Wirtschaft gelten werden, lassen keine Fortsetzung der Erholung zu, sondern werden voraussichtlich zu einer neuerlichen Rezession der österreichischen Wirtschaft führen", erklärte Unicredit-Bank-Austria-Ökonom Walter Pudschedl.

Investitionstätigkeit der Firmen wird leiden

Der private Konsum werde angesichts der bestehenden Unsicherheit, einer Verschärfung der Lage am Arbeitsmarkt und mangelnder Einkaufsmöglichkeiten vorerst nicht mehr zulegen können. Auch die Investitionstätigkeit der Unternehmen werde unter diesem Umfeld leiden. Die Aussichten für die exportorientierte Industrie sind ebenfalls trüb.

Die Wachstumsaussichten für das kommende Jahr sehen die Ökonomen weniger optimistisch als zuletzt. "Diesen Winter wird die Beschäftigungssituation im Dienstleistungsbereich, insbesondere in der Gastronomie und in der Beherbergung, besonders schwierig sein", meint Pudschedl. "Ende des Jahres dürfte sich daher die Anzahl der Arbeitssuchenden trotz Kurzarbeit auf knapp über 500.000 erhöhen." Erst mit Beginn der warmen Jahreszeit, vor allem ab Jahresmitte, werde sich die Situation am Arbeitsmarkt spürbar zu verbessern beginnen.

Angesichts des verschlechterten Konjunkturausblicks für 2021 und der tendenziell noch niedrigeren Inflationserwartungen sei eine weitere Ausdehnung der expansiven Geldpolitik der EZB nicht unwahrscheinlich, glauben die Ökonomen der Bank Austria. Daneben müssten aber in Österreich und auf europäischer Ebene fiskalpolitische Maßnahmen verstärkt werden. "Dazu zählt auch eine rasche und wirkungsvolle Umsetzung des Aufbauprogramms Next Generation der EU zur Überwindung der Covid-19-Krise, von dem auch Österreich profitieren wird", so Bruckbauer. (apa)