Die Corona-Pandemie und damit verbundene Verluste in ungekannter Höhe zwingen die AUA zu einem drastischen Sparkurs. Trotzdem verbrennt die AUA aktuell "ein bis zwei Millionen Euro pro Tag", bestätigte AUA-Chef Alexis von Hoensbroech im Magazin "News" - also zumindest 40 Millionen Euro pro Monat. Bei der Lufthansa sind es sogar 350 Millionen Euro monatlich. Die Krise bringt auch immer mehr AUA-Leute dazu, sich Zweitjobs zu suchen, um finanziell über die Runden zu kommen.

Niemand weiß, wie lange die Krise dauert und wann das Vorkrisenniveau wieder erreicht sein wird. "Über den Winter werden wir mit unseren liquiden Mitteln auf jeden Fall kommen", bekräftigte von Hoensbroech, der weiter davon ausgeht, dass "im Sommer das Geschäft zu 50, 60 oder 70 Prozent wieder zurückkommt." Das Austrian-Airlines-Management sei bei seinem Businessplan auch von einem solchen Szenario ausgegangen.

In den drei Quartalen bis Ende September flog die AUA ein Minus von 341 Millionen Euro ein. "Das ist natürlich ein Verlust, den es in dieser Höhe noch nie gegeben hat. Der ist aber nicht durch Missmanagement entstanden, sondern weil unverschuldet eine Art Naturkatastrophe von ungekannter Härte und Dauer über uns hereingebrochen ist". Der AUA-Chef spricht von einer "ganz harten Probe". Einen gewissen Bodensatz an Buchungen gebe es nach wie vor, auch die Drehkreuzfunktion halte man weiter aufrecht.

Sowohl bei der Lufthansa, die 9 Milliarden Euro Staatshilfe erhalten hat, als auch bei ihrer gleichfalls mit Krisenhilfe vom österreichischen Staat unterstützten Österreich-Tochter AUA tickt die Uhr immer lauter. Das spüren auch die aktuell 6.600 AUA-Mitarbeiter, die bis 2024 rund 300 Millionen Euro Krisenbeitrag leisten müssen. Bis 2022 sollen 1.100 Beschäftigte abgebaut werden. Einstweilen sind aber alle zumindest bis März 2021 in Kurzarbeit. Solange gilt die momentane gesetzliche Basis dafür, bei der AUA will man sie aber zumindest bis zum ersten Quartal 2022 nutzen. "In der Praxis sollte die Kurzarbeit so lange genutzt werden können, bis das Geschäft wieder zurückkommt", so der AUA-Chef.

Viele Mitarbeiter gezwungen, sich Zweitjob zu suchen

Auch wenn in der Kurzarbeit nicht gekündigt werden darf, die Situation für die Betroffenen - die zwischen 10 und 80 Prozent ihrer ursprünglichen Arbeitsleistung erbringen - ist misslich. Viele AUA-Mitarbeiter, speziell jüngere und schlecht verdienende, müssen sich in der Kurzarbeit einen Zweitjob suchen, schreibt "News". Sonst genügt ihr Einkommen nicht mehr. Bei den rund 2.500 Flugbegleiterinnen und Flugbegleitern fallen auch die variablen Gehaltsbestandteile wie Provisionen aus dem Bordverkauf weg, die sonst 20 Prozent des Einkommens ausmachen können.

"Eine Kürzung von 10 oder 20 Prozent plus der Wegfall der variablen Gehaltsbestandteile, die in der Kurzarbeitsregelung nicht erfasst sind - das reicht dann für viele Mitarbeiter nicht", sagte Bordbetriebsratsvorsitzender Rainer Stratberger dem Magazin. Viele hätten daneben in der Gastro-bzw. Cateringbranche angeheuert - die jetzt aber auch zugesperrt ist -, manche bei den ÖBB Nightjets und andere wieder sogar bei Hilfs-oder Pflegediensten. Andere würden überhaupt aussteigen, weil ihnen die Perspektiven fehlten, heißt es in dem Bericht mit Bezug auf einen ungenannten langjährigen AUA-Mitarbeiter. Wie viele AUA-Leute sich Nebenjobs gesucht haben, nennt das Unternehmen nicht, laut Betriebsrat geht es dabei nicht um Einzelfälle. Das ziehe sich durch alle Unternehmensbereiche. (apa)