Rund um den Black Friday, der heuer am 27. November stattfindet, toben im Online-Handel die alljährlichen Preisschlachten. Heuer kommt dem Tag der Rabatte noch größere Bedeutung bei, zumal der stationäre Einzelhandel Corona-bedingt großteils geschlossen hat.

Seinen Ursprung hat der Black Friday in den USA. Der Freitag nach Thanksgiving läutete dort in der Zeit, als es noch kein Internet und keinen Online-Handel gab, den Beginn des Weihnachtsgeschäfts im stationären Handel ein. Der Begriff könnte daher stammen, dass sich an diesem Tag große Menschenmassen auf den Straßen und in Einkaufszentren tummelten, was aus der Entfernung wie eine einzige schwarze Masse aussah. Die Händler bekamen an diesem umsatzstarken Tag vom Geldzählen schwarze Hände, lautet eine weitere Theorie.

In den vergangenen Jahren verlagerte sich der Black Friday immer mehr ins Internet, wo allen voran der US-Versandriese Amazon mit preisreduzierten Elektronikartikeln, Bekleidung, Schmuck und Uhren lockt. Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) hat sich angesehen, ob Produkte bei dem US-Versandriesen an diesem Tag wirklich billiger sind als das restliche Jahr über und rät zu Besonnenheit.

Fragwürdige Preisentwicklung

Beginnend mit September 2019 hat der VKI ein Jahr lang einmal pro Woche den aktuellen Preis von 35 Produkten (darunter zwei Amazon-Eigenprodukte) aus den Kategorien Elektronik, Spiele, Sport, Haushalt, Mode und Kosmetik notiert. Weiters wurden die Daten von Premium-Kunden (Prime) sowie Nicht-Amazon-Kunden (anonym) aufgezeichnet.

Fazit: "Die Preisentwicklungen im Vergleichszeitraum waren sehr unterschiedlich und teilweise fragwürdig", ist in der Dezember-Ausgabe der vom VKI herausgegebenen Zeitschrift "Konsument" nachzulesen.

Rund um den Black Friday 2019 habe Amazon eine ganze "Black Week" mit dem Black-Friday-Wochenende als Höhepunkt veranstaltet. Nur wenige der vom VKI ausgewählten Produkte seien rund um den Black Friday "on Sale" gewesen. "Manche Produkte waren von Schwankungen nicht betroffen, einige wurden im Laufe des Produktlebenszyklus billiger, andere teurer, und wieder andere wiesen enorme Zickzackverläufe auf", heißt es. Das habe neben dem Verkaufspreis auch die unverbindliche Preisempfehlung (UVP) der Hersteller betroffen.

Konkret seien nur neun Produkte (darunter beide von Amazon) rund um den Black Friday am günstigsten im ganzen Vergleichszeitraum gewesen. Der Rest (26 Produkte) sei an mindestens einem anderen notierten Zeitpunkt günstiger gewesen, teils sogar wesentlich.

Auf den Black Friday erfolgt am Montag der Cyber Monday. Greenpeace appelliert an die Konsumenten, bewusst einzukaufen und warnt vor umweltschädlichen Impulskäufen, die anschließend zu Retouren führen. Diese würden wiederum beispielsweise von Amazon teilweise vernichtet statt weiterverkauft. Laut Lisa Panhuber, Konsumexpertin bei Greenpeace Österreich, landen rund vier Prozent der im europäischen Onlinehandel zurückgeschickten Artikel im Müll. Für Österreich entspreche das für 2019 rund 1,3 Millionen Pakete, deren Inhalt vernichtet wurde.

Mehr als eine Milliarden für den Handel

Unterdessen haben sich Forschungsinstitute damit auseinandergesetzt, wieviel Umsatzersatz der vom Lockdown stark betroffene heimische Einzelhandel erhält. Das industrienahe Wirtschaftsforschungsinstitut EcoAustria hat laut "Kleine Zeitung" einen Ersatzanspruch des Handels von rund 350 Millionen Euro pro Woche errechnet. Das sozialliberale Momentum Institut geht in Summe von 1,5 Milliarden Euro für die knapp drei Schließwochen aus.

Kriterien für den Umsatzersatz von 20, 40 oder 60 Prozent sind der branchentypische Rohertrag (Differenz zwischen Umsatzerlösen und Waren- bzw. Materialeinsatz), mögliche Aufholeffekte und die Verkaufbarkeit der Ware, also deren Saisonalität und Verderblichkeit. Die Anträge können bis zum 15. Dezember über das Portal Finanzonline gestellt werden.

60 Prozent und damit am meisten Umsatzersatz bekommen Bekleidungsgeschäfte und der Handel mit Schuhen und Lederwaren sowie Geschäfte, die Blumen, Pflanzen und lebende Tiere verkaufen.(ede)