Am Mittwoch will die Bundesregierung die ersten Schritte raus aus dem harten Lockdown vorstellen. Eine vollständige Öffnung aller derzeit eingeschränkten Bereiche wird es wohl nicht werden. Neben Schulen sollen aber auf jeden Fall auch wieder die Geschäfte öffnen. Diese sind ja, mit Ausnahme des Lebensmittelhandels, der Drogerien und Apotheken, bis 7. Dezember geschlossen. In der Vorweihnachtszeit trifft das viele Händler besonders hart, die nun um ihr Weihnachtsgeschäft zittern. Wohl auch deshalb soll dieser Bereich wieder, unter Auflagen, geöffnet werden.

Handelsvertreter haben der Bundesregierung bereits ein umfassendes Sicherheitskonzept vorgelegt. Das sieht unter anderem eine maximale Kundenzahl, mehr Platz im Kassenbereich, ein Parkplatzmanagement für Einkaufscenter, regelmäßiges Desinfizieren, Lüften sowie eine Steuerung der Kundenströme vor. Zudem planen laut Handelsverband mehr als 100 heimische Shoppingcenter Corona-Schnelltests für Kunden an den Eingängen. Die Frage der Sonntagsöffnung vor Weihnachten wird zudem auf Sozialpartnerebene diskutiert. Sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer wollten diese aber nicht kommentieren.

Unklar ist noch, ob tatsächlich alle Händler wieder aufsperren dürfen. "Wenn Geschäfte aufsperren, dann sollten alle wieder aufsperren dürfen. Dann verteilen sich die Kundenströme auch viel besser", sagt Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands. Vor allem in kleinen Geschäften und Shoppingcentern wird das Infektionsrisiko höher eingestuft als in größeren Geschäften.

Viele vor Existenz-Aus

Laut Rainer Trefelik, Obmann der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer (WKO), seien Shoppingcenter in puncto Kundenzugang über die Hausordnung leichter zu orchestrieren als Einkaufsstraßen. Dort gelte oft die Straßenverkehrsordnung und Händler können nur im Geschäft selbst, aber nicht davor Verhaltensregeln aufstellen und kontrollieren. "Wir können das Kundenverhalten nur zu einem gewissen Grad selbst steuern. Am Ende hat jeder Konsument es selbst in der Hand", sagt Trefelik im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Die Sicherheitskonzepte seien jedenfalls deutlich strenger und detaillierter, als nach dem ersten Lockdown im Frühjahr. Wie dringend eine Geschäftsöffnung aus der Sicht der Händler ist, zeigt eine aktuelle Umfrage des Handelsverbands. Dort gaben 25 Prozent der befragten Einzelhändler an, dass sie heuer nicht das doppelte Gehalt, also das Weihnachtsgeld, aus eigener Tasche bezahlen können. "6.500 Händler, von 42.000, geben an, dass sie vor dem Existenz-Aus stehen", sagt Will im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".

Von den aktuellen Schließungen sind der WKO zufolge 96.000 Unternehmer betroffen. Sie beschäftigen über 400.000 Menschen, die meisten von ihnen sind derzeit in Kurzarbeit oder gleich als Jobsuchend beim AMS gemeldet. Betriebe, die während des Lockdowns schließen müssen, können über Finanz-Online einen Umsatzersatz von 20 bis 80 Prozent beantragen.

Staatliches Amazon

Viele Kunden weichen derzeit wegen der Schließungen auf das Internet aus und kaufen dort ihre Weihnachtsgeschenke. Davon profitiert in erster Linie der US-Handelsriese Amazon. Schätzungen der Handelsvertreter zufolge fließt derzeit jeder zweite Einkaufseuro ins Ausland und da vor allem zu Amazon. Um einen Teil der Wertschöpfung im Land zu behalten, versucht jetzt auch der Bund, mit einer eigenen Handelsplattform Kunden zu ködern.

Die WKO und das Wirtschaftsministerium haben am Montag die Handelsplattform kaufhaus-oesterreich.at vorgestellt. "Es ist keine Kopie von Amazon, es ist auch nicht unser Ziel", sagte Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP). Die Seite startet mit circa 1.000 Händlern, mit dabei sind auch andere heimische Handelsportale wie zum Beispiel shöpping.at. Betrieben wird die Seite von der WKO, programmiert wurde sie vom Bundesrechenzentrum, und das Wirtschaftsministerium ist Domain-Inhaber. Auf den sozialen Medien wurde die Seite allerdings ambivalent angenommen. Einige User bekrittelten die Nutzerfreundlichkeit und das Angebot der Plattform. Mit yip.at soll demnächst eine zweite Online-Plattform an den Start gehen, die Kunden mit Geschäften, Lokalen und Dienstleistern in der Nähe vernetzt. Führende Kraft hinter dem Projekt ist die SES, die Shoppingcenter-Tochter der Spar-Gruppe. Ziel all dieser regionalen Online-Initiativen ist es, den heimischen Händlern im Lockdown unter die Arme zu greifen. Ähnliche Projekte in der Vergangenheit konnten allerdings auch nicht an der Dominanz von Amazon und Co. rütteln.