Elisabeth Pucher, Ehefrau von Ex-Bankchef Martin Pucher, hat am Mittwoch im U-Ausschuss zur Commerzialbank Mattersburg betont, von den Vorgängen in der Bank nichts gewusst und mit Fassungslosigkeit auf die Selbstanzeige ihres Mannes reagiert zu haben. Pucher habe nie mit ihr über die Bank gesprochen. "Das Thema gab es nicht. Es war tabu", sagte sie. Erst am Vorabend der Selbstanzeige habe er ihr gesagt, dass sich die Bank in einer "gravierenden Schieflage" befinde.

Gleich zu Beginn ihrer Befragung im U-Ausschuss entschuldigte sich Pucher unter Tränen: "Es ist mir ein großes Anliegen, diese Gelegenheit zu nutzen, um allen Menschen, die durch die Malversationen meines Mannes Schaden erlitten haben, mein Bedauern und Mitgefühl auszusprechen." Auch sie selbst und ihre Töchter seien "völlig ahnungslos" gewesen. "Unsere Enttäuschung ist unfassbar groß", sagte sie.

Geschäftliche und berufliche Belange habe ihr Ehemann nie mit ihr besprochen. Bei Nachfragen sei die Familie teilweise "harsch abgeblockt" worden, "dass uns das alles überhaupt nichts angeht", so Pucher. Bei geschäftlichen Gesprächen sei sie immer weggeschickt worden. Sie habe nichts geahnt, heute sei ihr aber klar, warum sie etwa nie auf Urlaub fahren konnten und ihr Mann selbst nach seinen Schlaganfällen schnell in die Arbeit zurückkehren wollte.

Auch als Pucher sie am 13. Juli darüber informierte, dass er aufgrund der "gravierenden Schieflage" der Bank "keine andere Wahl mehr hatte als Selbstanzeige zu erstatten" und als Vorstand zurückzutreten, sei ihr die Tragweite des Schrittes nicht klar gewesen. Am 15. Juli sei sie mit ihrem Ehemann zu ihren Anwälten gefahren. "Das war der schlimmste Tag meines bisherigen Lebens."

"Auch engsten Freunden großer Schaden zugefügt

Ihr soziales Leben habe sich ebenso wie das ihrer Töchter nachhaltig verändert. "Auch engsten Freunden und Familienmitgliedern wurde großer Schaden zugefügt", sagte Pucher. "Es gibt nur ein einziges Ziel für mich und meine Familie und meinen Mann: Das ist die Wiedergutmachung." Sie hoffe dafür auf Erlöse aus Umweltpatenten.

Nach der Selbstanzeige habe sie in ihrer Verzweiflung ihre Freundin Franziska Auer, Bezirkshauptfrau des Bezirks Eisenstadt-Umgebung, angerufen und ihr davon erzählt. Diese habe noch am Nachmittag den Landesamtsdirektor informiert. Martin Pucher habe seine Frau dann beauftragt, Mitglieder des Aufsichtsrats zu informieren, was sie mit ihrer ältesten Tochter getan habe. Auch das Bauvorhaben für das Impulszentrum Mattersburg, für das am folgenden Tag Arbeiten geplant waren, habe sie stoppen lassen.

Von Selbstanzeige geschockt

Sie sei von der Ankündigung der Selbstanzeige ihres Mannes geschockt gewesen. "Man ist paralysiert. Was soll ich mir da vorstellen, geschweige denn diesen Wahnsinn, den ich im Laufe der nächsten Monate erfahren habe", sagte Pucher. "Hätte ich davon erfahren vor den Schlaganfällen, hätte es die Selbstanzeige sofort gegeben oder er hätte seine Frau verloren."

Der Ex-Bankchef sei oft arbeiten gewesen, am Wochenende habe er sich daheim Sportübertragungen angeschaut. Ihr sei nur aufgefallen, dass er "nie glücklich war. Ich habe die Fehler immer bei mir gesucht. Ich weiß jetzt, warum er nie frei war, aber das hilft mir jetzt auch nichts."

Auch sie selbst habe Konten bei der Bank gehabt. Eine Funktion habe sie weder bei der Commerzialbank noch beim SV Mattersburg gehabt. Kontakte zu Vertretern des Landes habe es bis auf kurze Gespräche bei Matches nicht gegeben. Das sei nur Small Talk gewesen. Zuletzt seien auch kaum mehr Politiker ins Stadion gekommen. "Es tut mir der Menschen wegen sehr leid, dass der SVM geschlachtet wurde", sagte Pucher. (apa)