Bis zum Jahr 2040 hat sich Österreich vorgenommen, klimaneutral zu werden. Gleichzeitig macht die Corona-Krise der Wirtschaft zu schaffen. Wachstumseinbrüche, Arbeitslosigkeit oder Insolvenzen werden die Politik und Gesellschaft auch hierzulande wohl noch Jahre beschäftigen.

Die Klimakrise habe während Corona keine Pause gemacht, sagte Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) zu Beginn der Pressekonferenz gemeinsam mit Klima- und Energiefonds Geschäftsführer Theresa Vogel und Ingmar Höbarth. 2020 sei das wärmste Jahr der Geschichte gewesen und die Auswirkungen des Klimawandels seien global, aber auch in Europa und Österreich zu spüren, so Gewessler. Die Konsequenz: vermehrte Investitionen in Klimaschutz und damit auch in nachhaltige Wirtschaft und Arbeitsplätze. Ein "Upgrade für Österreich" nannte die Ministerin das Budget des Klima- und Energiefonds in Höhe von insgesamt 236 Millionen Euro, das am Freitag vorgestellt wurde. Daraus sollen laut Berechnungen des Ministeriums 1,4 Milliarden an heimischer Wertschöpfung folgen.

Der Klima- und Energiefonds setzt seit seiner Gründung einen Schwerpunkt auf Programme, die Energieforschung und Klimaschutzinnovationen "made in Austria" in den Mittelpunkt stellen. Mit den Geldern aus dem Covid-Konjunkturpaket fließen nun zusätzliche 67 Millionen Euro in 27 Projekte, die bald starten, und mit denen Arbeitsplätze und Wertschöpfung in der Region geschaffen werden sollen.

Die Förderschwerpunkte: Je die Hälfte der 67 Millionen Euro sind für Forschung sowie Photovoltaik (PV) und Solarthermie vorgesehen. 35 Millionen Euro sind für den Ausbau erneuerbarer Energien geplant, 32 Millionen für Innovationsprojekte österreichischer Unternehmen, damit sich diese besser am internationalen Markt positionieren können, erläuterte Theresa Vogel. Insbesondere auf PV werde gesetzt, mit diesen Förderungen wolle man das Programm "1 Million Dächer" schaffen. Des Weiteren stehen laut Klimafonds vier Großprojekte in den Startlöchern, dotiert mit 6,5 Millionen Euro, die den Industriastandort klimaverträglicher machen sollen. Auch gehe es darum, den Energiebedarf signifikant zu senken, Stichwort Sektorkopplung, hierzu seien acht technische Projekte vorgesehen. Drei sehr große Projekte seien in Planung, die das Thema Wasserstoff verträglich umsetzen sollen - 15 Millionen Euro soll es hier geben. So werde mit "H2Pioneer" bei Infineon in Villach etwa erstmals vor Ort produzierter grüner Wasserstoff für die Halbleiterindustrie produziert.

Mit den zusätzlichen Mitteln soll es nun vermehrt um Strom und Wärme aus Solarenergie gehen, führt Ingmar Höbarth vom Klimafonds aus. Ziel der PV-Förderprogramme sei es, den Ausbau in Österreich rasch voranzutreiben und gleichzeitig österreichischen Unternehmen, die innovative PV-Anwendungen anbieten, Chancen am globalen Markt zu eröffnen. Mit dem heurigen Budget werden so 4.300 neue grüne Jobs geschaffen, sagte Höbarth.

Wärme kommt zu 60 Prozent noch aus fossiler Energie

Die Obergrenze für die Förderung von PV-Kleinanlagen bis fünf Kilowatt (KW) werde im Dezember außerdem erhöht auf 50 KW - das sei nun auch für Besitzer von mittelgroßen Dächern, wie auf Scheunen oder Lagerhallen interessant, so Höbarth. Außerdem werden ab 2021 mit dem Innovationspaket Spezialanlagen gefördert, wie etwa schwimmende PV-Anlagen, Überdachungen, Doppelnutzung im landwirtschaftlichen Bereich oder in Kombination mit Schallschutzlösungen. Zum einen werden so bereits versiegelte Flächen genutzt und der Bodenverbrauch minimiert, zum anderen sind bei diesen technologischen Lösungen österreichische Unternehmen bereits Weltspitze.

Das Thema Wärme sei weiterhin Steifkind in der Energiewende, so Höbarth - 60 Prozent der Heizleistung wird nach wie vor durch fossile Energieträger, wie Öl und Gas gestemmt. Große Solarthermieanlagen sollen hier Abhilfe schaffen. Eine Aufstockung von 15 Millionen Euro soll das Programm in neue Dimensionen führen. Große Anlagen im Ausmaß von zehntausenden Quadratmetern sollen künftig ganze Städte mit Wärme versorgen.

Bei aller Notwendigkeit, für eine erfolgreiche Energiewende in Neues zu investieren, stellt sich hierzulande aber auch die Aufgabe, manch’ altes loszulassen. Auf die Frage der "Wiener Zeitung", ob nun auch Themen, wie das Dieselprivileg angegangen würden, äußerte die Ministerin sich verhalten. Nächste Schritte in Sachen Steuerreform würden folgen. Dies müsse jedenfalls zum Hebel werden, so Gewessler.