Der Weihnachtsurlaub in der Karibik fällt heuer wegen der Coronapandemie flach, Skifahren ebenso. Die ganz großen Familienzusammenkünfte wird es auch nicht geben, und so werden mehr Menschen als sonst den Heiligen Abend dieses Jahr in den eigenen vier Wänden verbringen. Das ist schlecht für den Tourismus, aber gut für die heimischen Christbaumbauern.

Man merke die steigende Nachfrage nach Christbäumen bereits an den vermehrten Vorreservierungen, heißt es aus der Branche. Angst, für Weihnachten keinen Baum mehr zu ergattern, braucht niemand zu haben. "Jeder bekommt seinen Baum, wir haben genug. Und wir haben Reserven," versichert Franz Raith, Obmann der Arbeitsgemeinschaft der Niederösterreichischen Christbaum- und Schmuckreisigproduzenten. Sollte sich zeigen, dass mehr Bäume gebraucht werden, als ursprünglich für den Verkauf vorgesehen waren, könnten rasch noch welche geschnitten und nachgeliefert werden. Raith beziffert die solcherart vorhandene "Baumreserve" mit 10 Prozent.

Die Schleife am Baum offenbart dessen Herkunft.
Die Schleife am Baum offenbart dessen Herkunft.

Die Nordmanntanne ist am beliebtesten

Der beliebteste Christbaum ist hierzulande die Nordmanntanne, im Fachjargon Abies nordmanniana. Ihr Vorteil gegenüber der Fichte: Die Nadeln wachsen sehr dicht und stechen nicht beim Baum-Aufputzen. Rund 90 Prozent der verkauften Christbäume sind Nordmanntannen.

Vom Corona-Lockdown war der Christbaumhandel nicht betroffen. Ab dem ersten Adventwochenende durften Bäume ab Hof und an bäuerlichen Verkaufsständen angeboten werden, behördlich wurde nur festgesetzt, dass um 19 Uhr Schluss sein muss. Ab dem 12. Dezember verkaufen die niederösterreichischen Produzenten ihre Bäume wieder an etwa 120 Verkaufsständen in ganz Wien.

Rund 2,8 Millionen Naturchristbäume werden in Österreich alljährlich aufgestellt. Davon sind 2,5 Millionen (knapp 90 Prozent) österreichische Bäume, von denen wiederum 1,1 Millionen aus Niederösterreich stammen. Hauptproduktionsgebiet in Niederösterreich ist der Berg Jauerling im Bezirk Krems-Land. Der Anteil der Christbaumkulturen an der landwirtschaftlich genutzten Fläche am Jauerling beträgt 6 Prozent.

"Wer einen Christbaum aus Österreich kauft, sichert damit hunderten Bauern das Überleben", sagt Franz Raith. Auf seinem Hof im Waldviertel wurden 1976 die ersten Christbäume auf 25 Ar (2500 Quadratmeter) Ackerland gepflanzt. Mittlerweile umfassen die Kulturen eine Fläche von rund acht Hektar und sind das Kerngeschäft des Landwirtschaftsbetriebes. Raith war im Jahr 1995 Gründungsmitglied der Arge Niederösterreichischer Christbaumbauern, die es sich zum Ziel setzte, Importbäume durch heimische zu ersetzen. Auch in anderen Bundesländern entstanden Arbeitsgemeinschaften.

1995 stammten noch etwa 20 Prozent der in Österreichs Haushalten aufgestellten Weihnachtsbäume aus dem Ausland, vor allem aus dem 1.000 Kilometer entfernten Dänemark. Jetzt sind bereits fast 90 Prozent der Christbäume "Österreicher". Die durchschnittliche Wegstrecke, den ein heimischer Christbaum vom Feld zum Verkaufsstand zurücklegt, beträgt 40 Kilometer. Ein Hektar Christbäume verbraucht während zehn Jahren 95 bis 143 Tonnen Kohlendioxid und produziert 70 bis 105 Tonnen Sauerstoff.

Die Schleife offenbart die Herkunft

Einen österreichischen Christbaum erkennt man an der Schleife. Jedes Bundesland hat seine eigene Christbaumschleife oder Banderole. Anhand einer aufgedruckten Nummer kann nachvollzogen werden, von welchem Landwirt der Baum kommt.

Die österreichischen Christbaumbauern bewirtschaften im Schnitt 4 Hektar Acker oder Grünland mit Christbäumen. Für die Aufzucht braucht man viel Geduld: Die zukünftigen Christbäume werden als Setzlinge mit vier bis fünf Jahren am Feld gepflanzt. Um zwei Meter hoch zu werden benötigen sie mindestens zehn Jahre. In diesen Jahren werden die Bäume in den Christbaumkulturen von den Bauern gepflegt. Die Felder sind durchschnittlich 0,7 Hektar groß. "Aufgrund dieser kleinen Flächenstruktur fällt es leicht, die Bäume nach ökologischen Gesichtspunkten zu produzieren", heißt es von der Arbeitsgemeinschaft. Auch Schafe kommen mittlerweile als ökologische Unkrautvernichter zum Einsatz.

Bereits ausverkauft sind die lebenden Christbäume des kleinen Wiener Unternehmens Greentree, die als Stecklinge in Töpfen großgezogen werden. Vorbestellungen für Weihnachten 2021 sind bereits möglich. Die Bäume werden auf Wunsch der Kunden nach Weihnachten wieder abgeholt und in einem Mischwald im nördlichen Waldviertel eingepflanzt.