Der erste Einkaufstag nach dem harten Lockdown sorgt für weniger Kundenansturm als im Vorfeld befürchtet. Aus mehreren Bundesländern meldeten Einkaufszentrumsbetreiber und Händler zwar regen Betrieb, von einem übermäßigen Andrang kann aber keine Rede sein. "Es dürfte damit zusammenhängen, dass die Gastronomie als wichtiger Frequenzbringer des Handels noch bis mindestens 7. Jänner geschlossen bleibt", sagte Handelsverband-Geschäftsführer Rainer Will am Montag.

Am morgigen verkaufsoffenen Feiertag (Maria Empfängnis) dürfte der Andrang allerdings deutlich zunehmen, auch Schlangenbildungen vor den Friseursalons, Möbel-, Textil- und Elektrogeschäften seien zu erwarten, so der Handelsverband.

Einige Händler sorgten erneut mit Rabattaktionen für Unverständnis in der Branche. Trotz Appells der Wirtschaftskammer, auf Rabattschlachten nach dem Lockdown-Ende im Handel zu verzichten, bewarben heimische Möbelhändler am Wochenende großflächig ihre Aktionen von bis zu minus 50 Prozent. Auch Gewerkschafterin Barbara Teiber von der GPA kritisierte am Montag entsprechende Rabatte, die zu einem Gedränge führen könnten.

In der SCS war am Montag viel los. Dennoch waren die Parkplätze nach Angaben der Polizei nur zu 75 Prozent ausgelastet. - © APAweb / Robert Jäger
In der SCS war am Montag viel los. Dennoch waren die Parkplätze nach Angaben der Polizei nur zu 75 Prozent ausgelastet. - © APAweb / Robert Jäger

Laut XXXLutz sind die Aktionen in einem üblichen Ausmaß und würden nicht die Frequenzwarengruppen - etwa Weihnachtsware - betreffen. Auch seien die Verkaufsflächen im Möbelhandel so groß, dass es hier nie zu einem Engpass kommen könne, sagte ein Sprecher des Möbelunternehmens zur APA. Pro Kunde müssen mindestens 10 Quadratmeter zur Verfügung stehen, für Kunden und Mitarbeiter besteht weiterhin Maskenpflicht. In Shoppingcentern wird als Fläche nur jene von Geschäften gewertet.

Noch 15 Einkaufstage bis Weihnachten

Bis Weihnachten gibt es noch 15 Einkaufstage. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hat angesichts des befürchteten Massenandrangs in den Einkaufszentren an die Bevölkerung appelliert, das "Einkaufsbedürfnis zu verteilen". "Es sind noch viele Tage bis Weihnachten", sagte Kurz bei einer Pressekonferenz: "Es geht immer wieder die Sonne auf. Es öffnen immer wieder die Geschäfte am nächsten Tag."

Der Einzelhandel befindet sich gerade in der heißesten Phase des Jahres. Die Betriebe haben im Vorweihnachtsgeschäft Milliarden durch die coronabedingten Schließungen verloren. 17 geschlossene Einkaufstage würden bei den mehr als 22.000 Geschäften für einen Umsatzverlust von bis zu 2,7 Milliarden Euro sorgen, ermittelte der Handelsverband. Durch den "Lockdown Light" würden dem Handel im Dezember weiterhin rund 150 Millionen Euro pro Woche entgehen. Der Verband forderte angesichts der Konsumflaute erneut Österreich-Schecks, also Gutscheine in Höhe von mehreren hundert Euro, die im heimischen Handel eingelöst werden können.

Wiener Spartenobfrau ortet hohe Disziplin bei Kunden

In der Bundeshauptstadt Wien dürfte der erste Einkaufstag nach dem harten Lockdown bisher recht gesittet abgelaufen sein. "Die Leute sind sehr diszipliniert", versicherte Margarete Gumprecht, Handelsobfrau in der Wiener Wirtschaftskammer, am frühen Montagnachmittag. Sämtliche Corona-Regeln würden sowohl von Unternehmern als auch von Kunden eingehalten.

"Die Menschen tragen Maske und halten Abstand", lobte Gumprecht. Auch die Geschäftsbetreiber würden alles dazu beitragen, um einen möglichst sicheren Einkauf zu gewährleisten - von Desinfektionsspendern über Abstandsmarkierungen am Boden bis zur ständigen Überprüfung der Zehn-Quadratmeter-Vorgabe durch Securitys oder elektronische Zählsysteme bei den Eingängen.

Mariahilfer Straße "voll"

Die Spartenchefin sprach von einem "erhöhten" Andrang vor allem in Einkaufszentren und den klassischen Shoppingmeilen: "Die Mariahilfer Straße ist zum Beispiel voll." In kleineren Geschäftsstraßen oder in etwas abseits gelegenen Grätzeln gebe es aber noch "Luft nach oben". Die Kundenfrequenz in den Geschäften selbst liege etwa auf Vorjahresniveau, sagte Gumprecht. Allerdings: Die Mehrzahl der Menschen halte sich kürzer als üblich im Inneren der Läden auf. "Die Leute haben jetzt drei Wochen Zeit gehabt zu überlegen. Sie wissen, was sie kaufen wollen." Spontankäufe gebe es weniger. (apa)