Zulieferbetriebe vom Lebensmittelgroßhändler über Weinhändler bis hin zu Obst- und Gemüsehändler aber auch Veranstaltungstechniker, Security, Musik- und Filmproduzenten sowie Textilreiniger schlagen Alarm. Sie fordern von der Bundesregierung dringend ein Modell des Umsatzersatzes, das für sie anwendbar ist. Es gehe darum, " den betroffenen Betrieben Rechtssicherheit und eine wirtschaftliche Überlebenschance zu geben", so WKÖ-Lebensmittehandel-Obmann Christian Prauchner.

Für die betroffenen Unternehmen sei der Wegfall des gesamten Weihnachtsgeschäftes "eine wirtschaftliche Katastrophe", beklagt der Wein- und Agrarhandelschef in der Wirtschaftskammer (WKÖ), Gerhard Wohlmuth. "Viele Betriebe aus der Lebensmittelindustrie sind wirtschaftlich stark von ihren Lebensmittellieferungen in die Gastronomie, Hotellerie und Eventbetriebe abhängig. Das Geschäft ist nun bereits das zweite Mal in diesem Jahr massiv eingebrochen. Jetzt ist bei den Zulieferern Feuer am Dach", so Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbands der Lebensmittelindustrie.

Die 1.448 Bäcker, 1.215 Fleischer und 1.332 Konditoren im heimischen Lebensmittelgewerbe machen schwierige Zeiten durch: "Gerade die kleinen Traditionsbetriebe, die sich über die Gastronomie ein wichtiges Standbein aufgebaut haben, stehen vor massiven finanziellen Problemen", sag Josef Schrott, Bundesinnungsmeister der Bäcker in der WKÖ. Während die von der Sperre direkt betroffenen Sparten Gastronomie, Hotellerie und Handel rasche und unbürokratische Hilfe erfahren würden, schauten die Zulieferbetriebe bisher durch die Finger.

Nur Veranstalter selbst werden derzeit entschädigt

Allein in der Gruppe der Beschallungs- und Beleuchtungstechniker sind 1.900 Unternehmen betroffen. "Durch das Veranstaltungsverbot sind die Unternehmen der Veranstaltungstechnikbranche faktisch geschlossen. Ohne Konzert-, Theater- und Kabarettaufführungen etc. sind Licht-, Ton- und Bühnentechniker arbeitslos und ohne Einkommen. Für diesen Wirtschaftsbereich herrscht seit März 2020, also über neun Monate, bis auf wenige Ausnahmen ein de-facto Shutdown mit wenig Aussicht auf Besserung. Umso notwendiger ist hier eine rasche, unbürokratische Hilfestellung für diese Betriebe", sagt Alexander Kränkl, Vorsitzender der Berufsgruppe der Beleuchtungs- und Beschallungstechniker.

"Wir fordern, dass für uns Zulieferer der geschlossenen Bereiche umgehend eine Umsatzersatzregelung auf Schiene gebracht wird", so der Branchensprecher der Textilreiniger Kuno Graßner zur "Ungleichbehandlung". "Sonst müssen wir zusperren und hunderte Arbeitsplätze werden verloren gehen."

Alarmstimmung herrscht auch bei den Brauereien. "Uns als zentrale Lieferanten schmerzt jeder Tag, an dem wir unsere äußerst wichtigen Absatzmärkte nicht bedienen können", betont Sigi Menz, Obmann des Verbandes der Brauereien Österreichs. "So begrüßenswert die Entlastung der Gastronomie auch ist, so wichtig wäre es, seitens der Bundesregierung endlich die Dauerbelastung der Lieferanten und hier vor allem der Bierbrauer zu beenden." Menz fordert ein Aussetzen der Biersteuer fürs erste Halbjahr 2021. Ansonsten würden viele Brauereien zusperren müssen.

Auto-Zulieferer unter Druck

Die ARGE Automotive Zulieferindustrie sieht durch die aktuellen Entwicklungen rund um die Corona-Pandemie und einer "einseitigen Fokussierung der Politik auf Elektromobilität die gesamte Branche in Gefahr". "Die Betriebe der Zulieferindustrie verfügen über höchste technologische Kompetenz und arbeiten an vielfältigen Lösungen für die nachhaltige Mobilität. Dazu braucht es aber auch entsprechende politische Unterstützung. Wir regen daher einen Zuliefergipfel an, um die Zukunftschancen dieser für Österreich so wichtigen Branche zu sichern", so ARGE-Chef Dietmar Schäfer.

Der für die Corona-Wirtschaftshilfen ressortzuständige Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) betonte zuletzt, dass an einer Lösung für die Zulieferer gearbeitet werde.(apa)