Der Online-Handel in Österreich wächst und damit auch die Online-Kriminalität. Beinahe jeder zweite heimische Händler hat im Internet bereits Erfahrung mit Betrug machen müssen, zeigt eine am Mittwoch vom Handelsverband und dem Bundeskriminalamt (BK) präsentierte Studie. Vor allem kleine Webshops haben mit Betrugsformen wie falschen Namens- oder Adressangaben zu kämpfen.

"In den letzten Jahren hat sich die Kriminalität stark ins Internet verlagert. Die Zahlen steigen exorbitant", sagte BK-Direktor Gerhard Lang bei einer Pressekonferenz. Durch den Lockdown sahen sich viele Händler gezwungen, in den Online-Handel einzusteigen. "Gerade deshalb war es für uns wichtig, Informationen darüber zu erhalten, wo der Schuh drückt", meinte Lang mit Verweis auf die in Kooperation mit dem Handelsverband durchgeführte "Sicherheitsstudie 2020", an der 153 heimische Unternehmen aller Branchen und Größenordnungen teilnahmen.

46 Prozent der befragten Unternehmen wurden im Internet bereits betrogen. Jede zehnte Firma hatte bereits wiederholt mit Betrug zu kämpfen. Am häufigsten werden den Händlern falsche Namens- oder Adressangaben (42 Prozent) zum Verhängnis. In vier von zehn Fällen wird von Kunden mit dem Wissen bestellt, dass die Rechnung nicht beglichen werden kann. Aber auch falsche Identitätsangaben oder das Abstreiten des Erhalts der Ware kommen häufig vor. "Rund 30 Prozent der Online-Betrugsfälle werden aufgeklärt", sagte der BK-Direktor. Für die Ermittler sei es entscheidend, von den Betrogenen so viel Information so rasch wie möglich zu erhalten, um die Aufklärungsquote zu steigern.

Schäden von bis zu 10.000 Euro verursacht

Bei kleineren Unternehmen beträgt die durch Online-Betrug verursachte Schadenssumme in drei von vier Fällen nicht mehr als 500 Euro. Online-Händler mit mehr als zehn Mitarbeitern sehen sich im Durchschnitt mit Schäden zwischen 5.000 und 10.000 Euro konfrontiert. Bei einem Viertel der betroffenen Händler beläuft sich der finanzielle Schaden aber auf bis zu eine Million Euro.

"In etwa ein Viertel der befragten Onlinehändler hat noch Aufholbedarf im Sicherheitsbereich", sagte Lang. Besonders sorglos agieren demnach kleinere Unternehmen: Fast die Hälfte nutzt derzeit keine spezielle Lösung zur Betrugsvermeidung. Der BK-Direktor empfahl, in die Sicherheit im Webshop zu investieren. Der Mehraufwand mache sich bezahlt. So könne etwa lediglich auf sichere Zahlungsmethoden gesetzt oder die Lieferoptionen auf das Inland beschränkt werden, sofern man es nicht mit Stammkunden zu tun habe, meinte Lang. Eine neue Plattform namens "Gemeinsam.Sicher im Online-Handel" soll heimischen Händlern ermöglichen, Sicherheitsaspekte bei der Etablierung ihres Webshops mitzudenken. Auch für den laufenden Betrieb fände sich Nützliches, so der BK-Direktor.

Mit Anfang nächsten Jahres müssen Online-Händler zusätzlich berücksichtigen, dass ihr Webshop eine 2-Faktor-Authentifizierung (2FA) aufweisen muss. Das sieht die EU-weit gültige Zahlungsdienste-Richtlinie vor. Kunden müssen sich demnach bei einem Bezahlvorgang im Internet auf zwei Arten identifizieren - etwa mit Passwort und einer zusätzlich auf das Handy geschickten TAN. Jedoch hätten 30 Prozent der befragten Händler noch nicht von der Richtlinie gehört, zeigte sich Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands, alarmiert. Weitere 14 Prozent schaffen deren Umsetzung bis Jahresende nicht. Lediglich 28 Prozent der Online-Händler gaben an, bereits auf 2FA zu setzen. "Umso wichtiger sind jetzt entsprechende Aufklärungsmaßnahmen", so Will.(apa)