Während Beherbergungsbetriebe und Lokale geschlossen bleiben und mit Finanzhilfen gut versorgt bis in den Jänner kommen, steht es um ihre Zulieferer schlecht: Vom Lebensmittelgroßhändler über Weinhändler bis hin zu Obst- und Gemüsehändler sowie Textilreiniger schlagen die betroffenen Betriebe und Branchen jetzt Alarm. Sie fordern von der Bundesregierung dringend ein Modell des Umsatzersatzes, das für sie anwendbar ist.

Es gehe darum, "den betroffenen Betrieben Rechtssicherheit und eine wirtschaftliche Überlebenschance zu geben", erläutert WKÖ-Lebensmittelhandel-Obmann Christian Prauchner.

Politik hat die Zulieferer "vergessen"

Die Gastronomie- und Tourismusbetriebe hätten geschlossen, bekommen Unterstützungszahlungen, zumindest bis in den Jänner. "Auf die Zulieferbetriebe wurde von der Politik aber bislang vergessen. Viele Lebensmittel-Händler im B2B-Bereich stehen deshalb vor dem Ruin", warnt Margarete Gumprecht, Handelsobfrau in der Wirtschaftskammer Wien.

"Der Wegfall des gesamten Weihnachtsgeschäftes sei "eine wirtschaftliche Katastrophe", beklagt der Wein- und Agrarhandelschef in der Wirtschaftskammer (WKÖ), Gerhard Wohlmuth. Ganz konkret verzeichnen etwa die Betriebe am Wiener Großgrünmarkt einen Umsatzrückgang von 80 bis 90 Prozent.

Ewald Schwarz, Obmann des Agrarhandels in der Wirtschaftskammer Wien, erklärt, dass das Geschäft im Corona-Jahr schon länger schlecht laufe, nun falle aber auch noch das traditionell starke Weihnachtsgeschäft zwischen Gastronomie, Hotels und Lebensmittelgroßhändlern aus.

"Viele Betriebe aus der Lebensmittelindustrie sind wirtschaftlich stark von ihren Lieferungen in die Gastronomie, Hotellerie und Eventbetrieben abhängig. Das Geschäft ist nun bereits das zweite Mal in diesem Jahr massiv eingebrochen. Jetzt ist bei den Zulieferern Feuer am Dach", bestätigt auch Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbands der Lebensmittelindustrie.

Österreichs 1.448 Bäcker, 1.215 Fleischer und 1.332 Konditoren machen schwierige Zeiten durch: "Gerade die kleinen Traditionsbetriebe, die sich über die Gastronomie ein wichtiges Standbein aufgebaut haben, stehen vor massiven finanziellen Problemen", so Josef Schrott, WKÖ-Bundesinnungsmeister der Bäcker.

Brauereien fordern
Aussetzen der Biersteuer

"Uns schmerzt jeder Tag, an dem wir unsere äußerst wichtigen Absatzmärkte nicht bedienen können", betont auch Sigi Menz, Obmann des Verbandes der Brauereien Österreichs. "So begrüßenswert die Entlastung der Gastronomie auch ist, so wichtig wäre es, seitens der Bundesregierung endlich die Dauerbelastung der Lieferanten und hier vor allem der Bierbrauer zu beenden." Menz fordert ein Aussetzen der Biersteuer für das erste Halbjahr 2021. Ansonsten würden viele Brauereien zusperren müssen.

Nicht nur die Lebensmittel-Lieferanten ächzen unter der Krise, auch in anderen Zuliefer-Bereichen herrscht Panik. So halbierte sich heuer etwa der Bedarf für Mietwäsche im Gastgewerbe, zeigt eine Studie des Marktforschers Branchenradar. Tourismusbetriebe kaufen ihre Flachwäsche, Frottee und Berufsbekleidung sowie deren Reinigung nämlich extern zu. Fällt dies aus, hat das Folgen für die Anbieter. "Wir fordern, dass für uns Zulieferer der geschlossenen Bereiche umgehend eine Umsatzersatzregelung auf Schiene gebracht wird", so Kuno Graßner, Branchensprecher der Textilreiniger. "Sonst müssen wir zusperren und hunderte Arbeitsplätze gehen verloren."

Finanzministerium: "Arbeiten auf Hochtouren an Lösung"

Auf Anfrage der "Wiener Zeitung" hieß es aus dem Finanzministerium, an einer Lösung für die Zulieferer werde derzeit "auf Hochtouren" gearbeitet. Noch vor Jahresende soll diese fertig sein. Ihre technische Umsetzung und damit die Möglichkeit, entsprechende Anträge zu stellen, will man anschließend - also voraussichtlich wohl Anfang 2021 - auf Schiene bringen.

Seit 23. November 2020 können alle österreichischen Unternehmen, die heuer mindestens 30 Prozent Umsatzentfall verzeichnen, immerhin einmal den Fixkostenzuschuss II beantragen.(apa/mojo)