In ein paar Wochen sollen erste sichere und wirksame Impfstoffe gegen Covid-19 in Österreich zur Verfügung stehen. Jeder, der sich impfen lassen will, kann dies dann kostenlos tun. Voraussetzung ist zuvor die zentrale Zulassung für die Europäische Union durch die Europäische Arzneimittelbehörde EMA (European Medicines Agency). Nur dann entsprechen die Impfstoffe den gesetzlichen Qualitätsvorgaben.

Doch wie geht es weiter? Sind die Impfstoffe einmal im Land, müssen sie speziell gelagert und transportiert werden. Ein hoher Aufwand, schließlich ist eine Kühlung der Impfstoffe bis zu minus 70 Grad notwendig. Ein Überblick über die logistische Herausforderung in sechs Fragen und Antworten:

Wieviele Impfstoffe bekommt Österreich?

Im Rahmen des gemeinsamen Beschaffungsprozesses haben sich die 27 Mitgliedsländer der EU mit der Europäischen Kommission verpflichtet, nicht jeweils getrennt, sondern gemeinsam als 27 Länder mit den Herstellern von vielversprechenden Covid-19-Impfstoffen Vorkaufverträge abzuschließen. Damit werden Liefermengen reserviert. Innerhalb der EU werden diese jeweils nach Bevölkerungsanteil aufgeteilt, wobei Österreich einen Bevölkerungsanteil von zirka 2 Prozent hat.

Eine konkrete Zahl gibt es noch nicht, da sich der Anteil danach richtet, wie viele Impfstoffe jeweils verfügbar sind. Es ist davon auszugehen, dass die erste Lieferung nur eine beschränkte Anzahl an Impfdosen umfassen wird. Es sollen im Laufe des Jahres aber genügend Impfstoffe verfügbar sein, damit alle Menschen, die sich freiwillig impfen lassen wollen, auch geimpft werden können.

Wer ist für die Logistik der Impfstoffe zuständig?

Die fünf pharmazeutischen Vollgroßhändler Herba Chemosan, Jacoby GM, Kwizda, Phoenix und Richter Pharma wickeln in Österreich die Logistik der Corona-Impfstoffe ab. Gemeinsam bilden sie den Verband der österreichischen Arzneimittelvollgroßhändler (Phago). Nadeln, Spritzen, Natriumchlorid, Impfstoffe: Phago liefert alles, was für den Impfvorgang notwendig ist, sagt Phago-Präsident Andreas Windischbauer.

Wie verläuft die Lieferkette bis zum Konsumenten?

Die Hersteller liefern ihre Impfstoffe an die in Österreich verteilten Standorte von Phago. Phago verteilt sie sofort weiter an die Impfstellen. Die Impfstoffe halten bei konventionellen Kühlschranktemperaturen bis zu fünf Tage. Durch die schnelle Weiterlieferung bleibe daher genügend Zeit, damit kein Impfstoff abläuft. Die Logistik-Herausforderung sei gering, sagt Windischbauer. Schließlich würden jedes Jahr mehrere Millionen Impfstoffe von Phago durch Österreich transportiert werden. "Das ist unser tägliches Brot. Wir sind somit für die Verteilung der Covid-Impfstoffe gut gerüstet", sagt er.

Wo befinden sich die Standorte für die Lagerung?

In allen Bundesländern gibt es zumindest zwei Standorte. Eine Ausnahme bilden Niederösterreich und das Burgenland. Sie werden von den drei Standorten in Wien mitbeliefert. "Wir können innerhalb von zwei Stunden jeden Ort in Österreich beliefern", sagt Windischbauer.

Wie viele Kühlschränke sind zur Lagerung notwendig?

Zur Verfügung stehen österreichweit 23 Kühlschränke mit einem Fassungsvermögen von 80.000 bis 160.000 Impfdosen. Der erste Corona-Impfstoff, der auf den Markt kommen soll, muss bei minus 70 Grad gelagert werden. Das sei kein Problem, sagt Windischbauer. "Es gibt ausreichend Lagerkapazitäten."

Wie viel zahlt Österreich für die Impfstoffe?

Die Europäische Union hat für den Kauf der Impfstoffe einen Rahmen von 2,7 Milliarden Euro budgetiert. Die Verträge mit derzeit fünf verschiedenen Herstellern und damit auch die Kosten sind jedoch geheim. "Keiner weiß, was die EU dafür bezahlt hat", sagt Windischbauer.

Der Grund für das Geheimnis liegt im starken Wettbewerb auf dem globalen Markt. Damit sollen sowohl sensible Verhandlungen als auch geschäftsbezogene Informationen, wie etwa Finanzinformationen und Entwicklungs- und Produktionspläne, geschützt werden. Alle Unternehmen verlangen, dass solche sensiblen Geschäftsinformationen zwischen den Unterzeichnern des Vertrages vertraulich bleiben. Die Europäische Kommission muss daher die Verträge, die sie mit den Unternehmen abschließt, respektieren.

Wie viel Österreich für die Impfstoffe an die EU zahlt, bleibt ebenso offen wie die Höhe der Impfkosten, die von der Republik getragen werden. Das Gesundheitsministerium wollte auf Nachfrage keine Stellungnahme dazu abgeben.