Der stationäre Handel war heuer stark durch die Corona-Krise beeinträchtigt, während der Online-Handel gewaltig boomt. Hauptprofiteur war dabei jedoch nicht der heimische E-Commerce, sondern internationale Plattformen wie Amazon. Um unfaire Wettbewerbsbedingungen zu unterbinden, fordern Vertreter des Handelsverbandes, der Gewerkschaft GPA und von Greenpeace erneut die Politik auf, die Regeln für Amazon deutlich zu verschärfen.

Es könne nicht sein, dass Amazon zum großen Krisengewinner wird, sind sich der Geschäftsführer des Handelsverbandes Rainer Will, die GPA-Vorsitzende Barbara Teiber und Alexander Egit, Geschäftsführer von Greenpeace in Zentral- und Osteuropa, einig. "Die Marktmacht von Amazon nimmt mittlerweile ein ungesundes Ausmaß an, da kann die Politik nicht tatenlos zuschauen", sagte Teiber bei einer Online-Pressekonferenz am Dienstag.

Konkret fordern die Vertreter eine stärkere Besteuerung von Online-Konzernen wie Amazon, die keine Betriebsstätte in Österreich haben. Da aufgrund des fehlenden Firmensitzes in Österreich derzeit keine Gewinnbesteuerung möglich ist, könnte man jedoch auf eine fiktive Gewinnbesteuerung auf Basis des Umsatzes ausweichen. Teiber schlägt fünf Prozent des Umsatzes vor.

Mittelfristig betrachtet wäre es jedoch wichtig, die digitale Betriebsstätte einzuführen, mit der auch eine Gewinnbesteuerung von Unternehmen möglich wäre, die nur online in Österreich präsent sind, so Will. Die Ausgestaltung dessen werde aber noch einige Zeit dauern. Laut Berechnungen der Uni Wien brächte die Einführung einer digitalen Betriebsstätte rund 300 Millionen Euro an Steuereinnahmen für Österreich.

Hohes Aufkommen an Fake-Produkten über Online-Handel

Weiters kritisierte der Handelsverband-Geschäftsführer das hohe Aufkommen an Fake-Produkten oder falsch deklarierten Produkten, die über den Online-Handel versendet werden. Die Schadensumme für Österreich belaufe sich auf rund 5 Milliarden Euro. Oft kämen solche Pakete aus Asien. Dieses Problem könne nur mit stärkeren Zollkontrollen und der (EU-weiten) Abschaffung der Mehrwertsteuerfreigrenze von 22 Euro behoben werden. Zudem müsse es eine Form der Plattformhaftung im Falle von Fake-Produkten geben, so Will.

Eine Plattformhaftung müsse es außerdem für die Einhaltung der Verpackungsverordnung durch die Händler geben, um Amazon in Bezug auf den vom Konzern produzierten Verpackungsmüll stärker in die Verantwortung zu ziehen. "Wir fordern, dass die Entsorgungskosten bei Amazon über Plattformhaftung zu entrichten ist", sagte der Greenpeace-Geschäftsführer. Weiters spricht sich Egit gegen die Vernichtung zurückgeschickter Pakete bei Amazon aus. Rund 1,3 Millionen retournierte Pakete würden in Österreich jedes Jahr vernichtet.

Egit, Teiber und Will fordern außerdem bessere Arbeitsbedingungen für die Angestellten bei Amazon. Der Großteil der Angestellten bei dem US-Konzern seien Leiharbeiter, die auch rasch wieder entlassen werden könnten. Zudem werde betriebsrätliche Arbeit unterbunden. Teiber sprach von einem Missbrauch des Leiharbeitersystems durch den US-Konzern, den die Regierung mit stärkeren Kontrollen der arbeitsrechtlichen Standards unterbinden müsse. Zudem sollte der zulässige Anteil an Leiharbeitern in einem Unternehmen begrenzt werden sowie eine fixe Anstellung nach etwa einem Jahr Arbeit als Leiharbeiter ermöglicht werden.

Man sei wegen der geforderten Maßnahmen in ständigem Kontakt mit der Politik. Die Vertreter fordern eine rasche Umsetzung der Forderungen, die auch nicht neu wären. Die Politik dürfe sich zudem nicht darauf ausreden, dass die Maßnahmen auf EU-Ebene stattfinden müssten. Es müsse auch auf nationaler Ebene gehandelt werden, so Teiber weiter.

500-Euro-Einkaufsgutscheine

Um dem heimischen Handel weiter auf die Beine zu helfen, fordert Will einen Shopping-Gutschein in Höhe von 500 Euro für Personen, die freiwillig an den Corona-Massentests in Österreich teilnehmen. Die "Österreich-Schecks" würden einen Anreiz bieten, zu den Tests zu gehen und gleichzeitig den heimischen Handel wieder stärker ankurbeln.

Mit dem bisherigen Weihnachtsgeschäft ist der Handelsverband-Geschäftsführer nicht zufrieden. Die erhofften Nachholeffekte seien bisher ausgeblieben.

Vida alarmiert wegen Arbeitsbedingungen bei Paketzustellern

Indes sieht die Gewerkschaft akuten Handlungsbedarf auch bei den Arbeitsbedingungen in der Paketbranche. Selbständige Paketzusteller würden bis zu 16 Stunden, sechs Tage die Woche, arbeiten, so Vida-Gewerkschafter Karl Delfs. Deswegen fordert die Verkehrs- und Dienstleistungsgewerkschaft Vida von der Regierung eine Lenkerzeit-Aufzeichnung für Zusteller, eine Versenderhaftung und schärfere Kontrollen der Finanzpolizei.

Der Gewerkschaft kritisiert seit langem "den hohen Grad an Scheinselbstständigkeit" bei privaten Paketzustellern. Viele Paketboten arbeiten für Subfirmen als Selbstständige und werden pro Paket bezahlt. Seit der Corona-Krise hat sich der Boom im Online-Handel weiter verstärkt. Das Paketaufkommen ist bei manchen Zustellern in der Vorweihnachtszeit im Vergleich zum Vorjahr um die Hälfte gestiegen. Die Paketzusteller sind damit einmal mehr unter Dauerstress. Im Vorjahr musste ein Bote vor Weihnachten bis zu 200 Pakete pro Tag ausliefern, dieses Jahr sind es laut Schätzungen von Gewerkschafter Delfs 250 bis 300 Pakete. (apa)