Der Jahreswechsel nähert sich mit großen Schritten, und so mancher fragt sich bang, was das neue Jahr in Zeiten von Corona wohl bringen wird. Auch das niederösterreichische Unternehmen Pinto, das seit vier Generationen im großen Stil Feuerwerkskörper in Handarbeit herstellt und vertreibt, sieht einer unsicheren Zukunft entgegen.

Das Hauptgeschäft ist Silvester. Viel hängt daher davon ab, ob die Bevölkerung in Feierlaune ist und das Jahr 2021 in alter Tradition mit lauten Krachern und bunten Farben begrüßt. Passiert das nicht und kommt viel Kommissionsware von den Vertriebspartnern wieder zurück, schaut es nicht gut aus, sagt Pinto-Geschäftsführer Thomas Köchl.

Wie berichtet, wird es - laut derzeitigem Stand - zu Silvester keine nächtliche Ausgangsbeschränkung geben, es dürfen sich aber maximal zwei Haushalte zum Feiern treffen. Die Bundesländer erhalten die Möglichkeit, eine Maskenpflicht an stark frequentierten Plätzen im Freien einzuführen. Etliche Großfeuerwerke wurden bereits abgesagt.

2020 "mehr oder weniger abgeschrieben"

Das heurige Jahr habe er "mehr oder weniger abgeschrieben", so Köchl. Das habe sich schon im Juni an den zaghaften Aufträgen abgezeichnet. Neben dem Verkauf von rund 300 verschiedenen Feuerwerksartikeln bietet Pinto auch die Planung und Durchführung von Feuerwerken an, etwa für Messen, Stadtfeste, Sonnwendfeiern oder Hochzeiten. Üblicherweise veranstaltet das Unternehmen an die 100 Feuerwerke im Jahr. Heuer war alles anders. "80 Feuerwerke waren gebucht, davon wurden 76 storniert", so Köchl. Er beschäftigt normalerweise 15 Mitarbeiter, coronabedingt sind es nun vier. Pinto lässt auch bei einem Partner im Süden von China produzieren, wo nun ebenfalls Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen.

Thomas Köchl leitet den Betrieb in vierter Generation. Seine Vorfahren betrieben im süditalienischen Neapel einen kleinen Feuerwerksbetrieb. Urgroßvater Vincenzo zerstritt sich mit seinem Bruder, verließ seine Heimat und blieb schließlich in der Wachau hängen, wo er seine zukünftige Frau kennenlernte und 1933 die "Vinzenz Pinto Kunstfeuerwerkerei" in Aggsbach-Markt aufsperrte. Die Verwandtschaft in Neapel ist ebenfalls noch im Feuerwerks-Business tätig, jedoch sei der Kontakt eingeschlafen, bedauert Köchl. Den Familienamen des Urgroßvaters habe man als Markenzeichen behalten.

Köchl warnt einmal mehr vor illegalen Pyrotechnikwaren aus dem Ausland, die nicht den österreichischen Sicherheitsstandards entsprechen und bei falscher Handhabe zu schweren Verletzungen führen können. An die 200 Menschen landen alljährlich in der Silvesternacht im Krankenhaus, der allergrößte Teil von ihnen zwar nur mit leichteren Verletzungen, doch es gibt immer wieder besonders schwere Fälle mit abgetrennten Fingern oder bleibenden Sehschäden.

Feuerwerk soll nicht nur Krach machen

Die bei Pinto am häufigsten verkauften Artikel sind Verbundfeuerwerke, die besonders viele Effekte bieten. "Dann kommen Bodenfeuerwerke und Raketen, und danach erst die Knallartikel", erzählt Köchl. Nach wie vor gibt es "Schweizer Kracher", die als Knallsatz nur Schwarzpulver enthalten dürfen. Jene mit Blitzknallsatz dürfen schon seit 4. Juli 2013 nicht mehr verkauft werden. Seit 2016 sind auch Besitz und Verwendung strafbar. Köchl: "Heutzutage will jeder etwas sehen für sein Geld und nicht nur hören."

Das Pyrotechnikgesetz teilt Feuerwerkskörper in vier Kategorien ein. Artikel aus der ersten Kategorie (F1) dürfen ab zwölf Jahren verwendet werden, Artikel der Kategorie F2, in die auch Schweizer Kracher fallen, sind ab 16 Jahren erlaubt. Für die Kategorien F3 (ab 18 Jahren) und F4 (ab 18 Jahren) muss man Sach- bzw. Fachkenntnisse nachweisen. Innerhalb des Ortsgebiets sind Feuerwerkskörper ab der zweiten Kategorie verboten. Bürgermeister können aber Ausnahmen erlassen. Außerhalb des Ortsgebietes und nicht unmittelbar in der Nähe eines Waldes ist das Abbrennen von Feuerwerkskörpern der Kategorie F2 bis 22 Uhr erlaubt.

Mit der stets vor dem Jahreswechsel aufkommenden Stimmungsmache gegen die Feuerwerksindustrie hat sich Köchl schon abgefunden. Der Kritik an der Umweltbelastung hält er eine aktuelle Studie entgegen, die der Verband der pyrotechnischen Industrie in Deutschland in Auftrag gegeben hat und die vom Deutschen Umweltbundesamt bereits anerkannt wurde. Auf Österreich umgelegt würden hierzulande alle Feuerwerke - nicht nur die zu Silvester - 0,28 Prozent des Feinstaubs und 0,0001 Prozent Kohlenstoffdioxid (CO2) erzeugen.