Die Wiener Börse ist am Montag mit schweren Kursverlusten in den Handelstag gestartet. Für Unsicherheit am Markt sorgte eine in Großbritannien neu entdeckte und hoch ansteckende Variante des Coronavirus. In den ersten Handelsminuten rutschte der österreichische Leitindex ATX um knapp fünf Prozent ab. Dann dämmte er seine Verluste jedoch ein und lag zuletzt noch 2,64 Prozent im Minus bei 2.642,45 Punkten.

Die europäischen Leitbörsen standen im Eröffnungshandel ebenfalls unter Druck. Der Euro-Stoxx-50 und der deutsche Leitindex DAX gaben jeweils um rund zwei Prozent nach. Der FTSE-100 in London hielt sich etwas besser und lag zuletzt 1,2 Prozent im Minus. Die vergleichsweise geringeren Abschläge könnten auf den Devisenmarkt zurückzuführen sein. Das britische Pfund wertete in der Früh ab, was die Exportaussichten britischer Unternehmen verbessert.

Die Niederlande, Belgien, Italien, Deutschland oder Österreich haben bereits Landeverbote für Flüge aus Großbritannien verhängt oder angekündigt. Es wird auch an EU-weiten Maßnahmen gearbeitet. Die Mutation ist laut britischen Behörden bis zu 70 Prozent ansteckender als die bisher bekannte Form und weitet sich vor allem in London und Südostengland rasant aus.

Bei den Einzelwerten in Wien gehörten die konjunktursensiblen Bankaktien Raiffeisen (minus 3,12 Prozent), Erste (minus 3,05 Prozent) und Bawag (minus 2,77 Prozent) zu den größten Verlierern. Auch die Ölaktien OMV (minus 3,81 Prozent) und SBO (minus 2,63 Prozent) fanden sich am unteren Ende der Kurstafel wieder. Schwer unter Druck standen auch die Do&Co-Aktien mit einem Minus von 4,8 Prozent. Der Caterer macht einen Großteil seiner Umsatz in der Luftfahrtbranche.

Kurse von Airline- und Reiseaktien stark belastet

Mit der Entdeckung der neuen Virusvariante sind am Montag auch starke Kursverluste im Luftfahrt- und Reisesektor einher gegangen. Der europäische Reisesektor büßte im frühen Handel 4 Prozent ein und war damit einer der schwächsten aller 19 Stoxx-600-Sektoren. Auch die Papiere der Zulieferer wie MTU Aero Engines oder Rolls Royce sackten um 4,5 beziehungsweise mehr als 10 Prozent ab.

Am deutschen Aktienmarkt verloren Lufthansa 6,6 Prozent und Fraport 7,3 Prozent. Airbus-Aktien verbilligten sich um 4,9 Prozent. Die Anteilscheine der britisch-spanischen Airline-Holding IAG brachen sogar um 17 Prozent ein. In Madrid verloren die Aktien des IT-Dienstleisters für die Tourismusbranche Amadeus IT 3,5 Prozent.

Die neuen Reiserestriktionen seien "keine guten Nachrichten für die Fluggesellschaften und zeigen die Risiken auf, mit denen diese weiterhin behaftet sind", schrieb Analyst Daniel Roeska vom Investmenthaus Bernstein. Allerdings könnten sich weitere Kursverluste in den kommenden Tagen für Schnäppchenkäufe lohnen angesichts mittelfristig wieder besserer Aussichten für die Luftfahrtbranche.

Ölpreise ebenfalls auf Talfahrt

Auch der Ölmarkt reagierte am Montag - ähnlich wie die Finanzmärkte - geschockt auf die Nachrichten über eine mutierte Version des Coronavirus. Die Ölpreise fielen am Montagvormittag deutlich. Gegen 11.00 Uhr kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent mit 49,77 Dollar 4,8 Prozent weniger als zuletzt am Freitag vergangener Woche. Auch Rohöl der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) verbilligte sich um ebenso satte 4,8 Prozent auf 46,75 Dollar.

Am Freitag hatten die Ölpreise noch den höchsten Stand seit März erreicht. Mit den neuerlichen Virus-Sorgen erleidet die Erholungsrally am Ölmarkt einen herben Dämpfer. (apa/dpa-AFX)