Kommt sie oder kommt sie nicht? Und wenn ja, wie exekutiert man sie? Unter all den Fragen, die Skiliftbetreiber vor dem Saisonstart am Vormittag des Heiligen Abends beschäftigt haben, war eine der drängendsten fast bis zum letzten Moment offen: Genügt dem Gesetzgeber ein "normaler" Mund-Nasen-Schutz (MNS), und tut es etwa auch ein Schal im Gesicht? Oder brauchen die Skigäste tatsächlich auf allen Liften FFP2-Masken?

Erst seit Dienstagabend steht fest, dass dies nur "in geschlossenen Fahrbetriebsmitteln" der Fall ist, und zwar für Jugendliche und Erwachsene. Betroffen sind also hauptsächlich Gondeln - und offenbar auch alle Sessellifte mit einer Abdeckhaube, selbst wenn diese nicht geschlossen wird.

Dürfen Liftwarte Skifahrer ohne FFP2-Maske rausschmeißen?

Durch das Ausbleiben der Urlaubsgäste ist der Andrang am ersten Tag denkbar gering. - © Silvio Frankl
Durch das Ausbleiben der Urlaubsgäste ist der Andrang am ersten Tag denkbar gering. - © Silvio Frankl

Da die Verordnung erst in der Nacht gekommen war, musste am Mittwoch noch einiges geklärt werden. Etwa: Dürfen Liftwarte Skifahrer bloß auf die spezielle Maskenpflicht hinweisen oder sie bei Zuwiderhandeln auch rausschmeißen? Wer ist in der Verantwortung, wenn sich jemand nicht daran hält? Während die Alpinpolizei ihre Streifen verstärkt, betonen die Liftbetreiber zwar die Eigenverantwortung der Skigäste, geben sich aber auch überzeugt, dass es hier kaum Probleme geben wird. Rainer Roregger, Geschäftsführer mehrerer Skigebiete in Ober- und Niederösterreich, sagt mit Blick auf einen Testskitag im Oktober mit 500 Personen am Hochkar: "Die Leute halten sich an die Regeln. Wer kommt, weiß auch, worauf er sich einlässt."

Trotzdem hat sich die Branche bis zuletzt gegen eine flächendeckende FFP2-Maskenpflicht gewehrt. "Es wäre auch ein Wahnsinn gewesen", meint dazu ein Skilehrer, der es im Herbst auf dem Gletscher selbst ausprobiert hat: "Beim Fahren selbst kannst du die Maske vergessen. Die Skibrille läuft an, und du spuckst dir unweigerlich die Viskose voll, da hält das Ding keinen Skitag durch geschweige denn Viren auf." Die Alternative: Maske vor dem Lift aufsetzen, nach dem Aussteigen abnehmen und einstecken, runterfahren, wieder aufsetzen. "Ja genau, mach das einmal bei Minusgraden mit Helm - und ohne Handschuhe, weil mit kannst du vergessen beim Gummibandl. Abgesehen davon soll man sich doch nach dem Angreifen der Maske ordentlich die Hände desinfizieren - viel Spaß dabei oben auf dem Berg."

Die Leute halten sich an die Regeln. Wer kommt, weiß auch, worauf er sich einlässt.

Hochkar-Geschäftsführer Rainer Rohregger

Freilich kann man einwenden, ob man in Zeiten wie diesen Liftfahren überhaupt nötig ist. So wie die Liftbetreiber darauf verweisen, dass sie die Fenster ihrer Gondeln - im Unterschied etwa zu Bussen und Bahnen - öffnen und so komplett durchlüften können, halten andere diesen Vergleich generell für entbehrlich. Denn während viele mit den Öffis fahren müssen, ist das Skifahren für die allermeisten ein reines Privatvergnügen (das zudem Naturschützer kritisieren). Notiz am Rande: Ab 18. Jänner soll für alle, die sich nicht "freitesten" lassen, eine FFP2-Maskenflicht auch im Freien herrschen.

Skikurse nur für Einzelkinder oder Geschwister

Für die Skilehrer gibt es vorerst besondere Auflagen, erzählt Ines Buchgeher von der örtlichen Skischule in St. Corona: "Wir sind limitiert auf je zwei Haushalte." In der Praxis bedeutet das, dass ein Skilehrer nur je ein Kind oder Geschwister betreuen darf. Zwei Kinder aus verschiedenen Familien sind schon nicht mehr erlaubt. Und so wartet zwar eine Unzahl von Skilehrern auf ihren Einsatz, trotzdem wird nicht jeder einen bekommen. In St. Corona sind deshalb neben dem sechsbeinigen gleichnamigen Maskottchen (einer Ameise, die es schon vor der Pandemie gab) auch zahlreiche zweibeinige Ordner allgegenwärtig, die hier "Helping Hands" genannt werden - man will den Anschein rigider Kontrolle vermeiden. Ihre Aufgabe ist deshalb auch, im Kinderbereich entlang des "Zauberteppichs" Eltern, die ihren Sprösslinge das Skifahren selbst beibringen wollen, mit Tipps zu unterstützen.

Über Mindestabstände braucht man sich beim Tellerlift keine Gedanken zu machen. - © Erlebnisarena St. Corona am Wechsel
Über Mindestabstände braucht man sich beim Tellerlift keine Gedanken zu machen. - © Erlebnisarena St. Corona am Wechsel
Um die allerersten Grundlagen zu lernen, muss man übrigens gar nicht Wien verlassen: Auch die Skischule auf der Hohen Wand Wiese (14., Mauerbachstraße 172) bietet Anfängerkurse an, und zwar auf Kunststoffmatten. Spezielle Geräte messen während des gesamten Kurses den Sicherheitsabstand und piepsen sofort, wenn er unterschritten wird.

Auch wenn die Lockerung seitens des Gesundheitsministeriums hinsichtlich der FFP2-Masken in den Skigebieten mit einer gewissen Erleichterung aufgenommen wurde, so klingt doch in so gut wie allen Gesprächen, die man dieser Tage mit Liftbetreibern führt, eines durch: Ein zweites Ischgl will die Branche um jeden Preis vermeiden.

Wir haben heuer gegen den Trend zu Gondeln einen neuen Schlepplift gebaut. Der ist jetzt natürlich ein Vorteil.

Ines Buchgeher, St. Corona am Wechsel

Ischgl und Stuhleck warten noch zu

Der Ort, der in Österreich und Umgebung wider Willen zum Pars pro toto im Corona-Sprachgebrauch geworden ist, startet selbst übrigens mit dem grenzüberschreitenden Skibetrieb erst im Jänner. Der Grund ist die derzeit noch unklare Situation hinsichtlich unterschiedlicher Corona-Vorschriften in Österreich und der Schweiz. In Ischgl betont man: "Die Gesundheit der Gäste, Mitarbeiter und Einheimischen steht über allem, deshalb werden wir keine Schlupflöcher zulassen und bleiben bewusst geschlossen." Die Paznauner Wintersportorte See und Kappl sperren aber wie die meisten Skigebiete am 24. Dezember auf.

Auch das Stuhleck, eines der wichtigsten Skigebiete für die Wiener, wird am Samstag entgegen den ursprünglichen Plänen doch noch nicht den Liftbetrieb aufnehmen. Wann hier die Saison beginnen kann, ist derzeit noch nicht bekannt.

Online-Anmeldung, um Besucherzahlen zu kontrollieren

Hochkar-Geschäftsführer Rohregger erwartet zwar einen Ansturm direkt nach Weihnachten, aber: "Wir regeln die Kapazitäten über die Lifttickets. In Niederösterreich gibt es bei uns ausschließlich eine Online-Anmeldung." Für die Gäste wird das zwar eine Umstellung, aber er hält es für die beste Variante, um die Besuchezahlen zu kontrollieren. "Damit wissen wir schon am Vorabend, wie viele kommen werden." An der Piste selbst gibt es dann Pick-up-Kassen, an denen vom Auto aus via Handy binnen Sekunden die gekauften Tickets ausgedruckt werden. "Ein Berührungspunkt wird damit schon einmal ausgeschlossen", sagt Rohregger.

Kontaktloses Beziehen der Online-Tickets über den neuen Pick-up-Automaten am Hochkar. - © Hochkar Bergbahnen
Kontaktloses Beziehen der Online-Tickets über den neuen Pick-up-Automaten am Hochkar. - © Hochkar Bergbahnen

Der zweite kritische Punkt neben dem Kassen- ist der Liftanstellbereich, den nun Netze auflockern. "Damit ist der Seitenabstand gewahrt. Nach vorne und hinten hat man ja eh eine Skilänge Abstand." Apropos Lifte: Buchgeher erzählt, dass in St. Corona heuer gegen den Trend zu Skigondeln ein neuer Schlepplift gebaut wurde - eigentlich vor allem in Hinblick auf die zunehmende Zahl der Mountainbiker im Sommer, aber "in der Pandemie ist der jetzt natürlich auch im Winter ein Vorteil".

"Wirtschaftlich ist das nicht, was wir da heuer tun"

Gestartet wird mit niedrigeren Kontingenten, "weit unter 50 Prozent im Vergleich zu sonst", sagt Rohregger. "Für die Skigäste wird das natürlich dann auch sehr angenehm." Andernorts erübrigt sich die Frage nach der Auflockerung wohl vor allem im Westen durch den Lockdown von selbst. So rechnet Peter Marko, Geschäftsführer der Vorarlberger Silvretta-Montafon-Bergbahnen, vor: "Normalerweise haben wir 52 Prozent deutsche, 19 Prozent Schweizer und 5 bis 6 Prozent Benelux-Gäste." Da die größtenteils nun wegfallen, dürften die Kapazitäten im Regelfall höchstens zu einem Viertel ausgeschöpft werden. Markos Fazit: "Wirtschaftlich ist das nicht, was wir da heuer tun."

Von der Pandemie profitiert haben bisher die Hersteller von Tourenski. Atomic etwa meldet leergekaufte Lager. Die Bundesforste appellieren angesichts der schier explodierenden Zahl der Tourengeher, Rücksicht auf die Natur zu nehmen: Denn Tiere könnten aufgeschreckt und Jungpflanzen durch die scharfen Skikanten verletzen werden.