Eigentlich wollten die Sozialpartner noch vor Weihnachten ihr Homeoffice-Paket vorstellen. Daraus wird nun doch nichts. Corona-bedingt arbeiten derzeit über 700.000 Menschen in Österreich gänzlich oder teilweise zu Hause. Das sind 19,6 Prozent aller Erwerbstätigen, wie Daten der Statistik Austria zeigen. Frauen und Männer haben sich seit dem zweiten Quartal angeglichen und verrichteten annähernd zu gleichen Teilen Telearbeit. Dennoch hat das Teleworking unterschiedliche Auswirkungen auf beide Geschlechter. Höchst umstritten ist außerdem, wie sich die Arbeit von zuhause auf die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern auswirkt.

Kinder sind Frauensache

Im Zuge des ersten Lockdowns im April und dem rasanten Anstieg der Telearbeit sahen die Forscher Titan Alon, Matthias Doepke, Jane Olmstead-Rumsey und Michèle Tertilt in ihrer Arbeit über die Effekte des Homeoffice auf den Gender-Pay-Gap eine Chance, die Einkommenskluft zwischen den Geschlechtern ein Stück weit zu schließen. Ihr Argument: Wenn beide Partner von zuhause arbeiten, würde der Haushalt und die Kinderbetreuung gleicher verteilt werden. Zudem könnten Frauen mehr Zeit mit Erwerbsarbeit verbringen, weil der Arbeitsweg wegfällt. All das würde neben der faireren Verteilung der Hausarbeit auch zu mehr Einkommensgleichheit führen.

Nun, ganz genau so ist es dann doch nicht gekommen. Eine Umfrage der Wirtschaftsuniversität Wien und der Arbeiterkammer (AK) kommt zum Schluss, dass vor allem Mütter im Homeoffice den Großteil der Hausarbeit und Betreuungspflicht geschultert haben. Demnach haben Mütter in einer Partnerschaft im Lockdown 14,5 Stunden pro Tag gearbeitet, 9,5 davon unbezahlt. Bei Vätern in einer Partnerschaft waren es im Schnitt 6,75 Stunden bezahlte Arbeit pro Tag und 7 Stunden unbezahlte, also Hausarbeit.

Dass auch im Homeoffice unter annähernd gleichen Bedingungen die Arbeit ungleich verteilt wird, haben Forscher der Universität Oxford 2017 erhoben. Sie haben den Gender-Pay-Gap bei Tagelöhnern auf Crowdworking-Plattformen untersucht. Das Ergebnis: Frauen verdienten dort um 18 Prozent weniger als Männer, obwohl der Plattform das Geschlecht der Dienstleister oft nicht bekannt war. Der Hauptgrund für den Unterschied waren Hausarbeit und Kinderbetreuung. Frauen wurden öfter bei der Arbeit unterbrochen und mussten mehr Aufgaben im Haushalt erledigen als männliche Crowdworker.

Teilzeit ist Frauensache

"Die Geschlechterrollen und gesellschaftlichen Normen spielen hier sicherlich eine wichtige Rolle", sagt Monika Köppl-Turyna, Direktorin des industrienahen Forschungsinstituts Eco Austria. Sie und ihr Team haben jüngst untersucht, wie Kinderbetreuung und der Gender-Pay-Gap zusammenhängen. Die Anzahl der Kinder, die ganztägig im Kindergarten betreut werden, ist seit 1972 annähernd gleich geblieben. Waren es 1972 österreichweit 100.000, sind es 2019 um nur 12.000 Kinder mehr.

Demnach ist der Ausbau der Kinderbetreuungsplätze auf Vormittags- und Teilzeitbetreuung zurückzuführen. Zwar ist die Anzahl der Frauen in Beschäftigung seit 1972 deutlich gestiegen, aber eben nicht der Anteil jener, die in Vollzeit arbeiten.

Die jüngsten Zahlen des Rechnungshofs zeigen: Während nur 32 aller Vollzeitbeschäftigten weiblich sind, sind es bei den Teilzeitbeschäftigten 83 Prozent. Demnach lag das mittlere Bruttojahreseinkommen aller unselbständig Erwerbstätigen im Jahr 2019 bei 29.458 Euro. Das der Frauen betrug im Mittel 22.808 Euro, jenes der Männer hingegen 35.841 Euro.

Um die Einkommensunterschiede zu verkleinern, braucht es laut Köppl-Turyna ein flächendeckendes Angebot an ganztägiger Kinderbetreuung, auch am Land. Das sei auch ohne zusätzliche Kosten mittels Kooperationen zwischen Gemeinden und zusätzlichen Anreizen über den Finanzausgleich möglich. In Ballungsräumen, wo die ganztägige Kinderbetreuung besser ausgebaut ist, ist der Gender-Pay-Gap zwar deutlich geringer als am Land. Aber auch dort sind die meisten Kindergärten am späteren Nachmittag leer.

Viele Frauen haben Hemmungen, das Kind ganztägig in Fremdbetreuung zu geben, was wiederum wohl auf geltende Geschlechterrollen und gesellschaftliche Normen zurückzuführen ist. Übrigens: Die Einkommensverluste von Müttern nach der Geburt ist bei homosexuellen Paaren deutlich geringer als bei heterosexuellen Familienmodellen.