Am heimischen Immobilien-Investmentmarkt hat die Coronakrise 2020 deutliche Spuren hinterlassen. Mit 3,2 Milliarden Euro Volumen lag der Wert um rund 15 Prozent unter dem 5-Jahres-Schnitt und um etwa 40 Prozent hinter dem besonders guten Ergebnis von 2019. Laut Otto Immobilien kam der Markt für Hotel- und Handelsimmobilien fast völlig zum Erliegen, während der Wohnsektor der Gewinner der Krise war und erstmals die transaktionsstärkste Asset-Klasse stellte.

Rund 40 Prozent der Investments betrafen im Vorjahr Wohnimmobilien, deren Transaktionsvolumen um 50 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro kletterte. Büroimmobilien stellten 31 Prozent, allerdings halbierte sich der Umfang hier beinahe um rund 1 Milliarde Euro auf über 1 Milliarde Euro, erklärte Otto Immobilien am Montag.

In Wien, dem wichtigsten Büromarkt in Österreich, lag die Vermietungsleistung im vierten Quartal mit rund 50.300 m2 um 43 Prozent unter dem Vorquartal, aber um 34 Prozent über dem vierten Quartal 2019, erklärte das Vienna Research Forum (VRF). Im Gesamtjahr 2020 lag das Volumen an solchen modernen Büroflächen, die ab 1990 errichtet oder generalsaniert wurden, in Wien bei 181.344 m2. "Das Schlussquartal stellte mehr als ein Viertel des Gesamtvolumens im Vorjahr und war damit überdurchschnittlich stark", hieß es zur APA. Den Gesamtbestand an modernen Büroflächen in Wien beziffert VRF mit aktuell 5,995 Millionen m2.

Hohe Nachfrage nach Logistik-Zentren

Laut Otto Immobilien folgten im Vorjahr in Österreich nach Wohnen und Büros die Sektoren Industrie und Logistik mit rund 13 Prozent Anteil bzw. 450 Mio. Euro Volumen - die den Experten zufolge ebenfalls zu den Gewinnern der Krise zählten, weil der Flächenbedarf der CityLogistik wegen des stark gewachsenen Internethandels und der Paketlogistiker-Expansion zulegte.

Handelsimmobilien machten rund 8 Prozent aus, jedoch kam der Bereich im zweiten Halbjahr fast ganz zum Erliegen. Zwar seien im ersten Halbjahr noch Deals abgeschlossen worden, doch seien die Investoren wegen der schweren Umsatzausfälle des stationären Einzelhandels sehr zurückhaltend geworden. Im Hotelbereich sackten die Transaktionen um rund 80 Prozent auf 170 Millionen Euro ab; für Investoren sei noch nicht absehbar, welche Hotelbetreiber und -mieter die Krise ohne substanzielle Schäden überstehen.

Die Renditen seien 2020 in fast allen Marktsegmenten im Vergleich zu 2019 gesunken. Einen starken Abwärtstrend sieht man bei Otto Immobilien vor allem bei Büro, Wohn- und Logistikimmobilien. Die Spitzenrenditen der Asset-Klassen seien historisch niedrig, was vor allem am sehr hohen Veranlagungsdruck der institutionellen Investoren und den niedrigen Zinsen am Kapitalmarkt liege. (apa)