Als erste Auskunftsperson ist am Mittwoch im U-Ausschuss ein ehemaliger Aufsichtsrat der Commerzialbank befragt worden. Der Mann gab dabei an, dass der Aufsichtsrat von Ex-Bankchef Martin Pucher getäuscht worden sei. Verdachtsmomente habe es in all den Jahren keine gegeben. Im Gegenteil, bei der Gründung der Bank sei man vom Gedanken beseelt gewesen, "etwas Gutes für die Sparer" machen zu wollen.

"Im Nachhinein fühle ich mich eher ausgenützt. Ich bin schwerst geschädigt, gesundheitlich und wirtschaftlich", erklärte der ehemalige Aufsichtsrat gleich zu Beginn. So seien all seine Konten und die seiner Familie seit mehr als einem halben Jahr blockiert.

Als früherer Gemeindebeamter habe er keine Vorbildung für die Tätigkeit als Aufsichtsrat gehabt. Vor ein paar Jahren habe die Bank jedoch Schulungen der KPMG angeboten, die er auch absolviert habe. Die Aufgabe als Aufsichtsrat habe er nicht als Ehrenamt, sondern aufgrund des Zeitaufwands als Belastung empfunden, denn für die Sitzungen des Aufsichtsrats habe er sich immer einen Tag Urlaub nehmen müssen. "Die Sitzungen waren endlose Monologe des Vorsitzenden", beschrieb der ehemalige Aufsichtsrat.

Bilanzen wurden im Beisein der Bankprüfer gelesen, aber: "Eine Bilanz zu lesen, und das wird jeder andere wissen, ist nicht so einfach, wie man glaubt. Dieser Umstand führte zu dem Dilemma, vor dem wir jetzt stehen." Auf die Frage, ob er die Bilanzprüfung jemand anderem zugetraut hätte, meinte er: "Ich bezweifle es." Für die Bilanzprüfung habe man aber dem Wirtschaftsprüfer TPA vertraut.

"Er hat's mit den Politikern nicht besonders gehabt"

Auf die Frage von ÖVP-Klubchef Markus Ulram, ob die Gründung der Bank ohne Unterstützung der Politik möglich gewesen wäre, meinte der ehemalige Aufsichtsrat: "Möglich vielleicht, aber nicht in den raschen Schritten." Später ging es noch einmal um die Politik, dazu erklärte die Auskunftsperson: "Politik war dem Martin Pucher auch keine Angelegenheit. Er hat's mit den Politikern nicht besonders gehabt." Im Aufsichtsrat habe die Politik "in keinster Weise eine Rolle gespielt".

Verdachtsgründe habe es für ihn nicht gegeben: "Hinweise gab es null." Sobald im Aufsichtsrat eine Frage gestellt wurde, habe Pucher, "galant in seiner Ausdrucksweise", jede Kritik "ausradiert": "Er hat auch alles für uns glaubwürdig dargelegt." Über die Schließung habe er aus dem Radio am 15. Juli erfahren: "Ich glaube nicht, dass irgendjemand so betroffen war wie der Aufsichtsrat. Wir haben die Köpfe geschüttelt", darüber, dass man so getäuscht worden sei.

Auch er selbst habe den Innenrevisor gefragt, ob ihm nicht aufgefallen sei, dass Geld aus der Bank hinaus und hinein getragen wurde: "Das war so geschickt gemacht", dies hätten nur die Vorstände gewusst. Die Revision habe das Land über gehabt, aber bei den Hauptversammlungen sei kein Landesvertreter dabei gewesen: "Das haben wir sehr wohl bemängelt." Geschenke in Form von Goldplättchen habe es gegeben, bestätigte der ehemalige Aufsichtsrat. Er kenne aber keine Listen darüber. Zum 60. Geburtstag habe er selbst auch ein Goldplättchen bekommen.

Die Aufsichtsratsmitglieder hätten wiederholt bekrittelt, dass leere Aufsichtsratsposten nicht nachbesetzt werden. Auch sei Pucher gegen den Vorschlag, Frauen in das Gremium zu setzen gewesen: "Na das hat er überhaupt abgeschmettert." Der ehemalige Aufsichtsrat kritisierte außerdem, nicht über die Anzeige des Whistleblowers 2015 informiert gewesen zu sein: "Ich wage die Behauptung, dass der Aufsichtsrat geschlossen zurückgetreten wäre." Die Auskunftsperson räumte ein, dass die Commerzialbank sehr gute Konditionen bot. Die Prüfer hätten gesagt, dass dies auf die schlanke Personalstruktur zurückzuführen sei.

Zwei VIP-Karten für Spiele des SV Mattersburg

Mit dem Fußball sei er zeit seines Lebens verbunden, so der Ex-Aufsichtsrat, der auch Obmann-Stellvertreter des SV Loipersbach ist. Er erklärte, dass die Commerzialbank einer der Sponsoren des Vereins war. Für Vereine in Orten mit einer Bankfiliale habe es gestaffelt nach der Leistungsebene Sponsorgelder der Bank gegeben. Dies war auch in Loipersbach so: "Nicht zu vergleichen mit Mattersburg." Angesprochen von der ÖVP auf den "kometenhaften Aufstieg" des ASV Draßburg, meinte die Auskunftsperson: "Das kann ich nicht bewerten, nur neidvoll betrachten." Auf Fußballplätzen schaue er sich immer die Werbetafeln an und in Draßburg seien ihm jene von Admiral aufgefallen, diese seien aber auch anderswo montiert.

Der Ex-Aufsichtsrat bekam zwei VIP-Karten für Spiele des SV Mattersburg. Diese konnte er aber mangels Erfolgs "nicht einmal verschenken. Das Interesse war derart gering. Loser sind nicht so begehrt", stellte er fest. Ob er die Karten von der Bank oder dem Sportverein bekam, daran konnte sich der Mann nicht mehr erinnern.

Bilanzen von Ex-Bankchef Pucher vorgetragen

Mittwochnachmittag wurde im Untersuchungsausschuss ein weiterer früher Aufsichtsrat der Commerzialbank befragt. Der ältere Herr, ein gelernter Maurer, konnte allerdings wenig beitragen. Die Bilanzen habe er nicht selbst gelesen, diese seien von Ex-Bankchef Martin Pucher vorgetragen worden.

Auch die zweite Auskunftsperson des Tages, gab an, zum 70er ein Goldplättchen bekommen zu haben. Nachdem er damals Geld gebraucht habe, habe er das Geschenk gleich verkauft. An den Erlös erinnerte sich der Ex-Aufsichtsrat nicht. Malversationen im Bankgeschäft fielen ihm nicht auf. Mit Pucher sei er "gut" gewesen, da er in der selben Ortschaft lebt. "Kurz und bündig, ich bin sehr enttäuscht."

Die Befragung des Mannes endete schneller als erwartet. Als dritte Auskunftsperson sollte am Mittwoch ab 15.15 Uhr der burgenländische Ex-Landesrat Christian Illedits (SPÖ) befragt werden. (apa)