Vor einer Woche hat der Stahltechnologiekonzern Voestalpine bekanntgegeben, dass er nun wieder alle fünf Hochöfen in Betrieb hat. Zuvor hat das Traditionsunternehmen aufgrund guter Nachfrage im Geschäftsfeld Langstahl beschlossen, den zweiten Hochofen an seinem steirischen Standort Leoben-Donawitz hochzufahren (dort gibt es insgesamt zwei Hochöfen, während es am Linzer Stammsitz drei sind).

In der täglichen, infolge von Corona stark angeschwollenen Meldungsflut ist diese Nachricht zwar untergegangen. Sie zeigt aber, dass es in der heimischen Industrie nach dem tiefen Fall im Frühjahr 2020 trotz anhaltender Virus-Pandemie weiter aufwärtsgeht. Schließlich beliefert die Voestalpine eine Reihe industrieller Kundenbranchen mit ihren Produkten.

Wieder auf Wachstumskurs, dem europäischen Trend folgend, sieht Stefan Bruckbauer, Chefökonom der Unicredit Bank Austria, Österreichs Industrie seit mittlerweile sieben Monaten. Bruckbauer verweist dabei auf den von seinem Haus monatlich erstellten "Einkaufsmanager-Index", einen Konjunkturindikator für die Industrie, der auch jetzt im Jänner über der 50-Punkte-Schwelle liegt, ab der Wachstum angezeigt wird.

Im ersten Monat des neuen Jahres ist dieser Index trotz der Lockdown-Verschärfungen sogar auf 54,2 Punkte gestiegen - und damit auf den höchsten Wert seit mehr als zwei Jahren. Detail am Rande: Vor Corona - vor allem 2019 - hatte die Industrie unter einer Rezession gelitten.

Erstmals seit Ausbruch der Krise neue Jobs geschaffen

"Der positive Jahresauftakt der heimischen Industrie zeigt sich in einer erneut verbesserten Auftragslage und weiteren Zuwächsen in der Produktion", erklärt Bruckbauer weiter. Besonders erfreulich: "Erstmals seit Beginn der Pandemie sind neue Jobs entstanden."

Womit die Betriebe jedoch weiterhin zu kämpfen haben, sind Störungen in der Lieferkette. Die Verfügbarkeit mancher Rohstoffe und Vorprodukte sei unter anderem durch Engpässe bei Schiffscontainern beeinträchtigt, so Bruckbauer. Deshalb hätten sich die Lieferzeiten von Zulieferern erneut verlängert. All dies hat im Jänner laut Bruckbauer "zu noch stärkeren Kostenanstiegen und Ertragseinbußen" als im Vormonat geführt - ein Wermutstropfen.


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Nach wie vor profitieren konnte die heimische Industrie zuletzt von der Belebung des internationalen Handels. "Das Tempo des Auftragswachstums hat zu Jahresbeginn zwar etwas nachgelassen, war aber dank der positiven Exportentwicklung aufgrund einer stärkeren Nachfrage aus dem asiatischen Raum und den USA dennoch sehr kräftig", weiß Bank-Austria-Ökonom Walter Pudschedl zu berichten.

Industrieproduktion sollte heuer um 4,3 Prozent steigen

Auch wenn die Konjunkturerholung in Asien und den USA die österreichische Industrie derzeit stützt: "Die aktuellen Lockdowns in weiten Teilen der Welt werden sich am Ende des Tages auch in der Industrieproduktion bemerkbar machen", meint Bruckbauer. Auch die Störungen in den Lieferketten könnten sich in der Folge auf die Produktion auswirken. Bruckbauer spricht von einer "recht holprigen Entwicklung", die sich hier abzeichne.

Trotzdem rechnet er mit Blick auf die Industrieproduktion für heuer unter dem Strich mit einem Plus von 4,3 Prozent - nach einem geschätzten Minus von 7,9 Prozent im Corona-Jahr 2020. Zum Vergleich: Der Industrie von Österreichs wichtigstem Handelspartner - Deutschland - traut deren Bundesverband, der BDI, ein Produktionswachstum von 3,5 Prozent im laufenden Jahr zu.

Den erwarteten industriellen Aufschwung sollten jedenfalls die Corona-Impfstoffe ermöglichen. "Durch das Ausrollen werden wir wieder zu unseren Kunden können, und das beflügelt die Exporte", betonte der Chef der Industriellenvereinigung, Georg Knill, vor wenigen Wochen.

Hält Bruckbauer eine Abschwächung der Industriekonjunktur in Österreich durch die verlängerten Lockdowns kurzfristig zwar für möglich, sind die Betriebe, was die mittelfristigen Aussichten betrifft, zuletzt aber erneut optimistischer geworden. "Die Aussicht auf eine Normalisierung des Wirtschaftslebens hat sich durch den Beginn der Impfungen konkretisiert und die Produktionserwartungen für die kommenden 12 Monate erhöht", sagt Bruckbauer. "Der Erwartungsindex ist auf 67 Punkte geklettert, den höchsten Wert seit drei Jahren."

Die gesamte hiesige Industrie hat einen Anteil von knapp einem Fünftel am österreichischen Bruttoinlandsprodukt. Vergleichsweise gut geht es derzeit laut Bruckbauer Branchen wie etwa Chemie/Pharma, Elektro/Elektronik und Nahrungsmittel, während die Metallwarenerzeugung, der bei Weitem größte Industriebereich im Land, und die Autozulieferindustrie, aber auch die Papier- und Druckwarenerzeugung noch leiden.