Die heimische Mobilfunk-Landschaft ist von drei großen Netzen geprägt: A1, Magenta und Hutchison/3. Platzhirsch A1 hält etwa 40 Prozent Marktanteil, Magenta liegt bei 25 und Hutchison bei etwa 23 Prozent. Es gibt jedoch auch sogenannte MVNOs, virtuelle Netzbetreiber, die sich in den, von den drei Großen betriebenen, Netzen quasi als Untermieter betätigen. 16 an der Zahl sind hierzulande aktiv. Die bekanntesten von ihnen sind Hot (Hofer) im Magenta-Netz und Spusu bei Hutchison/3. Alle MVNOs zusammen bestreiten etwa 12 Prozent Marktanteil.

Anlässlich des Mergers von Hutchison/3 und Orange, im Jahr 2012, hatte die EU einst die MVNO-Nutzung im Netz von 3 vorgeschrieben, um den Wettbewerb in Österreich zu sichern. Für die Konsumenten zahlte sich dies definitiv aus, erläutert Telekom-Regulator Klaus Steinmaurer im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". War es nach den Zusammenschlüssen der großen Netzbetreiber noch zu Preissteigerungen in allen Segmenten von bis zu 20 Prozent gekommen, so sanken die Preise, laut Beobachtungen der Bundeswettbewerbshörde BWB und des Rundfunk und Telekom Regulators RTR, etwa ein Jahr nach Markteintritt der MVNO wieder. Zudem wirkte sich der verstärkte Wettbewerb auf die Innovation bei Diensten und auf die Netzqualität aus, so die Wettbewerbshüter.

"So ein Zufall!"

2022 läuft die MVNO-Verpflichtung für 3 nun jedoch aus. Außerdem melden die MVNOs derzeit verstärkt, dass sie Probleme hätten, ihre Verträge für die nächste Mobilfunkgeneration 5G auszuverhandeln. Und zuletzt haben zwei von drei Netzbetreibern (A1 und Drei) ihre Preise erhöht.

Fehlender Verhandlungswille und zeitgleich Preissteigerungen - da schrillen bei den Wettbewerbshütern naturgemäß die Alarmglocken. "So ein Zufall!", kommentiert Telekom Regulator Steinmaurer. "Ich sage nur: Wehret den Anfängen!"

RTR und BWB nehmen die Entwicklung sehr ernst, heißt es am Donnerstag vor Journalisten. Man werde das Marktgeschehen beobachten, der Wettbewerb müsse sichergestellt bleiben. "Eine Marktbeherrschungsvermutung liegt bei 30 Prozent vor. Bei einer Beschwerde kann wegen Missbrauchs einer marktbeherrschenden Stellung nach §5KartG eine Prüfung vorgenommen werden", erläutert die BWB mögliche Rechtsschritte im Fall des Falles.

Runder Tisch geplant

Nun stehen also Vorwürfe im Raum, Verträge hängen in der Luft und die 5G-Netze sind im Aufbau, die Zeit drängt. Daher haben die Wettbewerbshüter einen Runden Tisch einberufen, bei dem die drei großen Netzbetreiber, die 16 MVNOs sowie Bundeswettbewerbsbehörde und Telekom Regulator sich zusammensetzen. "Anfang bis Mitte März soll dieses Treffen stattfinden", meint Steinmaurer. Und womöglich stellt sich dann doch alles als Missverständnis heraus? "Wir wollen die Punkte vorlegen, die Unternehmen sollen Stellung beziehen, und es wäre schön, wenn das alles nur eine Paranoia unsererseits war", meint der Telekom Regulator da trocken.

Das Modell der MVNO-Nutzung hätte sich in Österreich bewährt, andere Länder hätten es nie einführen können, denn eine europäische Verpflichtung bestehe ja nicht, erläutert er. Mit Folgen für Wettbewerb und Netzausbau, wie Steinmaurer betont. Er weist auf diesbezügliche Probleme in Deutschland hin. Länder, wo MVNOs aktiv sind, sind neben Österreich übrigens auch Belgien und die Niederlande.

Das Argument der großen Netzbetreiber, sie hätten für die 5G-Lizenzen viel Geld ausgeben müssen, für die Erweiterung ihrer Netze seien weitere immense Investitionen nötig, daher könne man keine MVNOs mehr mitnehmen, lässt er nicht gelten. "Hot trägt zum Ergebnis von Magenta einen ganz beträchtlichen Anteil bei, geschätzte 20 bis 30 Prozent seines EBIT, das ist schon eine ordentliche Summe", bringt es der Telekom Regulator auf den Punkt. Die kleinen Untermieter zahlen sich also für die Netzbetreiber offensichtlich aus.

Breitband ohne 5G am Limit

Natürlich sei nicht zu erwarten, dass sich die kleinen Untermieter mit 5G-Business-Services in den Preiskampf stürzen, schränkt Steinmaurer dann ein. Aber allein die Breitbandnutzung, die derzeit angesichts von Homeoffice und Distance Learning boomt, hätte ohne Zugang zur nächsten Mobilfunk-Generation für MVNOs für die Zukunft ein Limit. Und das würde sich wiederum auf die Endkunden-Preise auswirken.