In Österreichs Produktionsstätten wird trotz Pandemie gearbeitet. Vorstandsmeetings finden, zumindest zwischen den Lockdowns, statt. Kritische Infrastruktur braucht menschliche Teams, um sie am Laufen zu halten. Damit all dies trotz Infektionsgefahr halbwegs funktioniert, müssen viele Unternehmen ihre Mitarbeiter mehr oder weniger regelmäßig testen lassen.

Dies sollte dann aber schnell und zuverlässig erfolgen, und so ist eine völlig neue Dienstleistung entstanden, die es in dieser Form naturgemäß erst seit 2020 gibt. Angeboten wird sie von eigens gegründeten oder bereits im medizinischen Bereich tätigen Unternehmen, die sich als Schnittstelle zwischen Unternehmen und Ärzten verstehen. Sie haben sich auf das Service mit Corona-Testungen spezialisiert.

Bedarf "aufgepoppt"

Eine dieser Firmen ist Trinicum Diagnostics, eigentlich ein Zentrum für integrative Medizin und Schmerztherapie. Angesichts der Corona-Pandemie wurde das Angebot aber erweitert.

"Wir machen seit März/April 2020 auch Corona-Tests. Damals ist die Frage, wo man professionell seine Mitarbeiter testen lassen kann, bei den Unternehmen plötzlich aufgepoppt. Wir haben uns daraufhin zusätzliches Wissen angeeignet und Testkonzepte entwickelt", erläutert Dr. Günther Malek, medizinischer Leiter bei Trinicum Diagnostics in Wien im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Die Anforderungen hätten sich seither immer wieder verändert, auch die Technologien seien andere als zu Anfang. Nach wie vor aber benötigen viele Unternehmen regelmäßig professionelle Testungen, um auch in Pandemiezeiten ihren Betrieb aufrecht erhalten zu können.

Im vergangenen Sommer habe man noch viel "Feuerwehr spielen" müssen bei den Firmen, da es immer wieder Probleme mit Corona-Ausbrüchen gab. Jetzt habe es sich etwas beruhigt, viele Unternehmen organisieren für ihre Mitarbeiter nun beispielsweise einmal die Woche oder einmal im Monat Antigen-Schnelltests, erzählt Malek weiter.

Als Beispiel nennt er die Österreichischen Bundesbahnen, die ihr Personal in den Ausbildungsstätten, wo viele Lehrlinge tätig sein müssen, ebenso wie das systemkritische Personal regelmäßig durchtesten. "Dort haben wir schon sehr früh einen Auftrag bekommen, zunächst einen kleinen Einsatz für Tests bei den Fahrdienstleitern. Mittlerweile machen wir laufend tausende Tests für die ÖBB in ganz Ost-Österreich, dafür gab es auch eine Ausschreibung."

Logistik ist entscheidend

Ob Schnelltests, PCR- oder Antikörpertests, Trinicum macht gegenwärtig alle möglichen Tests für Unternehmen, am eigenen Standort oder bei den Firmen selbst, in Kantinen, Werkshallen oder Versammlungsräumen. Sogar mit einem speziell adaptierten Reisebus rücken die Tester bei Bedarf aus, um vor Ort arbeiten zu können. 100 Mitarbeiter die Stunde, das gehe sich problemlos aus, so Malek.

Gerade hat Trinicum gemeinsam mit der Privatklinik Kastanienhof und der Unterstützung des Roten Kreuzes 33 Teststraßen für das Land Steiermark aufgebaut, wo 10.000 Personen am Tag getestet werden können. Alles ist möglich, mit entsprechender Planung, betont der Trinicum-Chef. Durch eine Zusammenarbeit mit verschiedenen Labors habe man sich frühzeitig Kapazitäten gesichert, die – bei entsprechender Organisation vorab – auch verlässlich zur Verfügung stehen. Planung und Logistik seien entscheidend, betont Malek. Um Unternehmen dabei zu unterstützen, Cluster zu verhindern, Corona-Fälle im Kernteam zu vermeiden oder auch Ansteckungen von Kunden vorzubeugen, mache sein Team bei Bedarf auch Beratung und Coaching für die Firmen. Wichtig ist es Malek diesbezüglich zu betonten, dass all das dennoch nur eine relative Sicherheit bieten kann.

"An der Schule meines Sohnes, wurden am Mittwoch PCR-Tests durchgeführt, bis Freitag haben wir auf das Ergebnis warten müssen und so konnten erst am Montag positive Fälle vom Rest der Kinder getrennt werden. So funktioniert es nicht, dann gehen solche Tests ins Leere", erzählt Malek.

Ziel müsse es bei Corona-Tests vielmehr stets sein, schnell Ergebnisse zu haben, um Betroffene umgehend in Quarantäne schicken zu können, damit sie möglichst niemanden anstecken. "Bei einem positiven Antigen-Test, schicken wir die Leute sofort in eine vorläufige Quarantäne." Bei Bedarf werde gleich ein PCR-Test durchgeführt, ansonsten seien dann die Behörden am Zug.

Eigens gegründetes Start-up

Natürlich gibt es in Sachen Testungen im Business-Bereich nicht nur einen Dienstleister. Seit Spätsommer 2020 ist das eigens gegründete Unternehmen "C19Testcenter.com" in Vösendorf ebenfalls in diesem Bereich tätig.

"Wir sind ein Zusammenschluss aus Ärzten und Unternehmern und wollten in der Pandemie medizinische Hilfe und effiziente Abläufe sowie Testungen vor Ort bei den Firmen anbieten", sagt Erik Petraschek von C19 Testcenter.

Besonders Wert werde darauf gelegt, die Stillstandszeiten in den Betrieben trotz der Tests möglichst kurz zu halten. Also Keine Wartezeiten, keine Staus und damit auch keine Ansteckungsgefahr zu verursachen.

Präzise, aber schnell

Aus dem Spannungsfeld, dass einerseits die Ärzte absolut präzise arbeiten wollen, andererseits die Unternehmen möglichst wenig Stillstand durch Tests und keine kompletten Ausfälle aufgrund von Corona-Fällen wollen, sei die Firma gegründet worden.

"Wir beraten bei Bedarf auch Unternehmen. Die Größeren sind durch die Hilfe ihrer Betriebsärzte jedoch ganz gut aufgestellt, und mittlerweile merkt man auch bei den Kleineren, dass sie viele Informationen über die Kammern bekommen", so Petraschek.

Inzwischen hat sich C19 Testcenter – in doch relativ kurzer Zeit – eine treue Stammkundschaft erarbeitet. "Unsere Kunden kommen in der Regel immer wieder, viele alle ein bis zwei Wochen", ist Petraschek stolz, dass das Service gut ankommt.

Insbesondere in letzter Zeit, als vielen Unternehmen doch klar wurde, dass sich die Situation trotz Impfungen wohl nicht so schnell entspannen würde, setzen sie auf längerfristige Lösungen. Und immerhin sei man ja auch "schneller als der Mitbewerb", betont er noch.

Und was passiert mit C19 Testcenter, wenn die Corona-Pandemie vorbei ist? "Die Ärzte bei uns haben ja noch einen Hauptberuf", meint Petraschek entspannt. Ist die Pandemie zu Ende, werde sich auch das Unternehmen wieder auflösen. Immerhin sei es ja ein nur zu diesem einen Zweck, den Covid-Testungen, gegründetes Start-up.

Bis dahin sind Corona-Tests aller Qualitätsklassen jedenfalls ein einträgliches Geschäftsmodell. Viele Unternehmen sind bereit, für ein gutes Service in Sachen Testungen auch entsprechend zu bezahlen. Immerhin würde ein kompletter Stillstand aufgrund eines Clusters in Produktion, Verwaltung oder Verkauf weit mehr kosten als regelmäßige Tests.