Läuft alles nach Plan, könnte es noch heuer einen Impfstoff aus Österreich geben. Das französisch-österreichische Unternehmen Valneva hat in Wien seinen zentralen Forschungs- und Entwicklungsstandort für seinen Impfstoffkandidaten. "Eine erste Zulassung könnte im vierten Quartal 2021 erfolgen", sagt eine Valneva-Sprecherin.

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Derzeit werden Kapazitäten für die Produktion von über 200 Millionen Impfstoff-Dosen aufgebaut. Der Hauptwirkstoff wird in Livingston (Schottland) produziert. Anschließend kommt der Impfstoff ins schwedische Solna, wo er abgefüllt wird. In Wien, wo Valneva mehr als 200 Mitarbeiter beschäftigt, wird die Qualität geprüft und das Endprodukt getestet.

Komplexe Produktion

Um die klinische Entwicklung zu beschleunigen, finanziert die britische Regierung den Standort in Schottland. "In Livingston entstehen 100 neue Arbeitsplätze für Wissenschafter und Techniker", sagt die Sprecherin. Im Rahmen einer Vereinbarung erhält die britische Regierung 100 Millionen Dosen mit der Option auf weitere 90 Millionen Dosen bis 2025. Gesamtwert: 1,4 Milliarden Euro. Auch die österreichische Regierung hat angekündigt, 1,2 Millionen Dosen von Valneva zu erwerben.

Wie das Beispiel Valneva zeigt, ist die Impfstoffproduktion komplex. Die Produktion verteilt sich über mehrere Standorte in verschiedenen Ländern. Große Pharmakonzerne arbeiten mit kleineren Unternehmen und spezialisierten Zulieferern zusammen, um große Mengen an Impfstoff herstellen zu können. Und dennoch läuft die Verteilung teilweise schleppend, Liefermengen wurden nicht eingehalten. Hersteller wie AstraZeneca standen in der Kritik. "Das starke Hochfahren der Produktion von Covid-19-Impfstoffen war eine ungeahnte Herausforderung", entgegnet Alexander Herzog, Generalsekretär des Verbands der pharmazeutischen Industrie Österreich.

Hersteller müssen neue Maschinen anschaffen, Werke umgebaut werden, um zusätzliche Kapazitäten zu schaffen. Und es wird mehr zusammengearbeitet - was in der Branche nicht üblich ist. "Es war bisher undenkbar, dass ein Mitbewerber sein Werk für einen Konkurrenten öffnet", sagt Herzog. Sanofi bietet sein Werk in Frankfurt Biontech/Pfizer an, Glaxosmithkline will für Curevac produzieren. "Die Industrie ist anpassungsfähig", sag Herzog.



Auch aus Österreich gibt es bereits ein Kooperationsangebot. Sandoz Österreich, eine Tochter des Novartis-Konzerns, will am Standort Kundl in Tirol mRNA-Impfstoffe herstellen. Für welches Unternehmen, hat Sandoz noch nicht bekanntgegeben. "Es laufen Gespräche", sagt eine Sprecherin. Fest steht, dass es eine Pharmafirma mit Sitz in Europa sein soll, deren Impfstoff noch nicht zugelassen ist.

Sandoz beschäftigt in Kundl 4500 Mitarbeiter. Da dort Präparate für die Zell- und Gentherapie hergestellt werden, gibt es großes Know-how im Umgang mit mRNA. Sandoz prüft außerdem, ob neben dem Standort Kundl noch weitere Standorte für eine Kooperation geeignet sind.

Unverzichtbar bei den mRNA-Impfstoffen sind Mini-Fettkügelchen (Lipide). Sie schützen und stabilisieren die mRNA. Hersteller dieser Lipide sind derzeit gefragt wie nie. Einer davon ist das Unternehmen Polymun Scientific in Klosterneuburg. Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde Polymun, weil es für Biontech die mRNA "einpackt" bzw. formuliert. Polymun arbeitet auch für Curevac, Arcturus Therapeutics aus den USA und das Imperial College in London. Die Nachfrage sei groß. "Im letzten Jahr ist das Interesse an unseren Dienstleistungen tatsächlich stark gestiegen", sagt Polymun-Geschäftsführer Dietmar Katinger. In Klosterneuburg sind 95 Mitarbeiter beschäftigt. Wie viel Polymun für die Auftraggeber produziert, kann Katinger nicht nennen. Die Daten unterliegen Vertraulichkeitsvereinbarungen.

Start-up mit Potenzial

Eine 30-minütige Autofahrt von Polymun entfernt hat Cebina seinen Sitz. Das kleine Biotech-Start-up arbeitet sowohl an einem Vakzin als auch an einem Medikament gegen Covid-19. Kooperationspartner ist das Nationale Labor für Virologie der Universität Pécs in Ungarn. "Das Vakzin befindet sich noch in der Konzeptphase, da noch Daten ausständig sind", sagt Eszter Nagy, CEO von Cebina. Sie rechnet 2022 mit einer Zulassung des Impfstoffs. Besonderheit: Das Vakzin soll nicht nur gegen das Sars-CoV-2-Virus wirken, sondern auch gegen andere Viren aus der Coronafamilie.