Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) möchte gerne Impfstoffe wie das russische Vakzin Sputnik V rasch zulassen und dann hierzulande produzieren. Doch so einfach geht das nicht. Bis zur Produktion würden aber sicher Monate, wenn nicht Jahre vergehen, zitierte das ORF-Radio Ö1 im "Morgenjournal" am Mittwoch die Präsidentin des österreichischen Verbands der Impfstoffhersteller, Renee Gallo-Daniel. Der Gedanke sei gut, die Verwirklichung vertrackt.

"Eine Impfstoffproduktion zu errichten, ist etwas sehr, sehr komplexes und dauert normalerweise mehrere Jahre, im Minimum sicher ein Jahr", so Gallo-Daniel. "Und wenn man eine bestehende Produktionsstätte umrüsten will, ist es auch etwas, was sicher einige Monate dauert, weil es müssen ja die Technologien angepasst werden und es bedarf ja auch aller behördlichen Genehmigungen."

"Eine Impfstoffproduktion zu errichten, ist etwas sehr, sehr komplexes und dauert normalerweise mehrere Jahre, im Minimum sicher ein Jahr", soagt Renee Gallo-Daniel, die Präsidentin des österreichischen Verbands der Impfstoffhersteller. - © APA / Pfizer
"Eine Impfstoffproduktion zu errichten, ist etwas sehr, sehr komplexes und dauert normalerweise mehrere Jahre, im Minimum sicher ein Jahr", soagt Renee Gallo-Daniel, die Präsidentin des österreichischen Verbands der Impfstoffhersteller. - © APA / Pfizer

Laut "Morgenjournal" gibt es überhaupt nur zwei Firmen in Österreich, die dazu in der Lage wären: Pfizer mit seinem Werk in Orth an der Donau in Niederösterreich und Novartis/Sandoz in Kundl in Tirol. Novartis unterstützt bereits die Herstellung des Pfizer/BioNTech-Impfstoffs - allerdings in der Schweiz. Weitere Gespräche über andere Orte seien erst am Anfang, hieß es im Radiobericht.



Produktion hochkomplex und aufwändig

Pfizer in Orth an der Donau ist derzeit auch schon mit der Produktion von zwei Impfstoffen - gegen Zecken und Meningokokken - ausgelastet. "Die derzeitigen Ressourcen würden es uns nicht ermöglichen, hier zusätzliche Impfstoffe in Orth an der Donau zu produzieren", so Martin Dallinger von der Pfizer Corporation Austria. Mittel- oder langfristig sei es aber vorstellbar, das Werk in Orth an der Donau zu erweitern, so Dallinger laut Ö1.

Die Produktion von Impfstoffen sei hochkomplex und aufwändig, sagt dem Bericht zufolge auch Alexander Herzog, Generalsekretär des Verbands der pharmazeutischen Industrie in Österreich (Pharmig). Er findet die Idee von Kanzler Kurz, Corona-Impfstoff in Österreich herzustellen, zwar grundsätzlich gut. Der Branchenvertreter geht aber auch davon aus, dass der Engpass beim Impfstoff ohnedies bald beseitigt sein wird: "Das heißt konkret, dass wir hinter Ostern oder im Mai uns sehr intensiv Gedanken darüber machen müssen, wie wir die Bevölkerung motivieren, sich impfen zu lassen, weil dann werden die Impfangebote schon sehr, sehr zahlreich zur Verfügung stehen." Im Mai gebe es eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass das Impfangebot die Nachfrage übersteigen könnte, so Herzog.

Kurz hatte am vergangenen Wochenende gegenüber der deutschen Zeitung "Welt am Sonntag" angekündigt, nach einer Zulassung des russischen und auch chinesischen Impfstoffs "würde Österreich ganz bestimmt versuchen, Produktionskapazitäten bei geeigneten einheimischen Unternehmen für russische oder chinesische Impfstoffe zur Verfügung zu stellen". "Genauso wie für Hersteller anderer Länder", fügte er hinzu. "Es geht doch darum, schnell möglichst viel sicheren Impfstoff zu bekommen - egal, von wem er entwickelt worden ist", betonte Kurz. Zuvor hatte er sich in einer Stellungnahme gegenüber der APA dafür ausgesprochen, dass die Europäische Arzneimittelagentur EMA auch die Zulassung von Impfstoffen aus Russland und China prüfen solle. Diesbezüglich dürfe es "keine geopolitischen Tabus" geben. (apa)