Lockdowns und Corona-Auflagen: Der heimische Handel hatte es 2020 nicht leicht. Die Umsätze gingen von Jänner bis November (Daten für Dezember liegen noch nicht vor) nominell insgesamt um 5,6 Prozent zurück. Aber, wie der Obmann der Bundessparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich, Rainer Trefelik, am Freitag vor Journalisten betonte: "Der Durchschnitt sagt gar nichts aus."

So konnte der Einzelhandel über das gesamte Jahr trotz dreier Lockdowns sein Umsatzniveau halten. Aber auch das muss differenziert betrachtet werden, denn die einzelnen Branchen schnitten unterschiedlich ab. Was auch nicht so sichtbar war: Der Großhandel, der stark von Hotellerie und Gastronomie abhängt, verlor 7,2 Prozent, der Kfz-Handel musste sogar einen Einbruch um 11,6 Prozent verschmerzen.

 Die Trennlinie im Einzelhandel verlief insbesondere zwischen dem Food- (plus 8,9 Prozent) und dem Non-Food-Bereich (minus 3,6 Prozent). So betrug der nominelle Umsatzrückgang in der Modebranche minus 23,7 Prozent, während der Lebensmittelhandel zulasten der Gastronomie um 8,9 Prozent zulegte.

"Gegessen und getrunken wurde zuhause", sagte Peter Voithofer vom Economica Institut für Wirtschaftsforschung. Aber nicht alle Vetriebsformen hätten gleich performt. Vor allem zu Beginn der Corona-Krise tätigten die Konsumenten ihre Einkäufe bei Vollsortimentern, was dem Fachlebensmittelhandel (u.a. Bäckerein, Fleischereien) Einbußen bescherte.

Wir erinnern uns: Die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Personen begann im März 2020 bedenklich zu steigen. Am 16. März gingen daher in weiten Bereichen des heimischen Handels die sprichwörtlichen Balken hinunter. Offenhalten durften nur mehr Geschäfte, die als notwenig für die Grundversorgung eingestuft wurden. Wenige Tage später wurde der Ladenschluss mit 19 Uhr festgelegt. Plexiglas-Trennwände wurden errichtet, und "Wagerl-Desinfizieren" wurde zum fixen Bestandteil des Einkaufsrituals.

Ab 6. April musste in Supermärkten, Drogerien und Apotheken ein Mund-Nasen-Schutz – vulgo "Maske" – getragen werden. Diese Verpflichtung fiel am 15. Juni wieder. Die Freude währte aber nicht lange, denn am 25. Juli wurde die Maskenpflicht wieder eingeführt.

Nach Ostern fuhr die Wirtschaft schrittweise wieder hoch. Zuerst durften Geschäfte mit weniger als 400 Quadratmetern Verkaufsfläche, aber auch größere Baumärkte, Gartencenter und Holzhandlungen wieder aufsperren. Für jeden Kunden mindestens 20 Quadratmeter lautete eine Vorgabe, und die Menschen stellten sich bei starkem Andrang auch brav vor den Geschäften an.

Die Möbelhändler, die erst zwei Wochen später dran waren, maulten über die Verzögerung, profitierten aber dann stark vom Trend zur Verschönerung der eigenen vier Wände, der durch Homeoffice und Homeschooling einsetzte. Sie schnitten mit einem Umsatzplus von 5,4 Prozent recht gut ab. Auch Baumärkte und Elektrohändler erzielten überdurchschnittliche Umsatzzuwächse von 5,4 Prozent.

Am 3. November kam Lockdown Nummer zwei, gefolgt von einem Öffnungsschritt am 9. Dezember - gerade rechtzeitig für das vorweihnachtliche Einkaufsspektakel in Einkaufsstraßen und Shopping-Tempeln. Stationäre Mode- und Schuhhändler blieben trotzdem auf ihrer Ware sitzen und konnten die Rückstände aus den Lockdowns nicht mehr aufholen. Ein Umsatzminus von 24,6 Prozent war die Folge. "Zwischen Möbel- und Bekleidungshandel ergibt sich eine Divergenz von 30 Prozentpunkten", so Voithofer.

Differenziert betrachtet werden muss der Sportartikelhandel, der zwar nur ein leichtes Umsatzminus von 1 Prozent verzeichnete, aber je nach Standort und Sortimentsschwerpunkt unterschiedlich abschnitt. In den Ballungszentren lief das Geschäft gut, in den touristischen Regionen gab es massive Einbrüche. Sportartikelhändler erzielen dort einen großen Teil des Umsatz mit dem Skiverleih, der mangels Touristen wegfiel. Hingegen freuten sich die Fahrradhändler über einen wahren E-Bike-Boom.

Online-Handel boomte während der Lockdowns

Bis auf Februar, April und November gingen die Einzelhandelsumsätze in allen Monaten des Vorjahres zurück. Den stärksten Einbruch gab es im April. Im Online-Handel war es umgekehrt. Im März, April, November und Dezember wurde vermehrt im Internet eingekauft, was über das gesamte Jahr ein Umsatzplus von 17,4 Prozent ergibt.

Der Handel sei auch 2021 sehr gefordert, sagt Rainer Trefelik. Eine große Insolvenzwelle sieht er aber nicht heranrollen. Die staatlichen Hilfen sollten ausreichen, um die Unternehmen nachhaltig abzusichern.