Die Temperaturen steigen, die Sonne schmilzt das Eis, die Parkbänke füllen sich. Wer mit Freunden bei Minusgraden bibbernd spazieren ging, lässt sich jetzt erst recht nicht mehr aufhalten. Und auch weniger Wetterfeste erinnern sich, das da ja mal was war. In grauer Vorzeit. Damals vor Corona. Als wir unsere Frühlingsgefühle nicht zurückhalten mussten, als wir uns in den Schanigärten gemeinsam die Sonne auf den Bauch schienen ließen. Wie schön war das, wie schön wäre das auch jetzt.

Der Drang der Bevölkerung sickerte auch in die Bundesregierung durch. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) ließ am Freitag mit einer Wortmeldung aufhorchen, wonach er sich eine Öffnung der Gaststätten vorstellen könnte. Auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) stimmte mit ein. Noch im März könnte die Gastronomie geöffnet werden, ging er einen Schritt weiter. Mit einer "sehr präzisen Bewertung" der Covid-19-Situation in Österreich soll der künftige Umgang mit dem Virus definiert werden, sagt Anschober. Der 1. März sei "der Tag, an dem entschieden wird." Bis dann sollen die Branchenvertreter ihre Modelle für ein sicheres Öffnen vorlegen.

Die Wirtschaftskammer pocht schon länger auf Öffnungsschritte in der Gastronomie. Ähnlich wie derzeit beim Frisör, sollen Gäste einen negativen Corona-Test vorweisen, der nicht älter als zwei Tage ist. Für spontane Gäste kann sich die Kammer aber auch Wohnzimmertests vorstellen.

20 Quadratmeter pro Gast, wie im Handel, seien aber nicht machbar, da würde sich ein Betrieb in kleineren Lokalen nicht rechnen. Vorstellbar wäre ein Gäste-Limit pro Tisch. Außerdem wäre die Öffnung der Betriebe ein Schlüssel dazu, die Testungen der Bevölkerung konstant hochzuhalten. Infizierte könnten schneller zu identifiziert werden, Ansteckungsketten könnten so unterbrochen werden.

"Wir können diese Regeln genauso einhalten wie körpernahe Dienstleister und auch unsere Mitarbeiter regelmäßig testen. Wir haben die Registrierungspflicht gemeistert und werden auch die Test-Kontrollen schaffen", erklärt der Wiener Gastronomie-Obmann Peter Dobcak. Und Kammer-Präsident Harald Mahrer bestätigt: "Unsere Branchen haben ihre Sicherheitskonzepte klar auf den Tisch gelegt. Alle Branchen bekennen sich zu Eintritttests."

Hotels geben Öffnung bis Ostern nicht auf

Neben der Gastronomie hoffen auch die Hotels auf eine baldige Öffnung. Auch hier wäre eine sichere Teststrategie möglich, versichert man vonseiten der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV). Dass eine sichere Öffnung prinzipiell möglich sei, zeigt der vergangene Sommer, heißt es. FFP2-Masken, viele verschiedene Testmöglichkeiten würden ein Aufsperren sogar noch sicherer machen. In größeren Hotels kann sich die ÖHV die Errichtung von Teststraßen vorstellen, für Gäste, Mitarbeiter, aber auch für die Anrainer.

Die Hotelleriesprecherin in der Wirtschaftskammer, Susanne Kraus-Winkler, sagte, sie gebe Ostern noch nicht auf. Man wolle einen Vertrauensvorschuss, um zu beweisen, dass die Hygienekonzepte funktionieren. Im Ö1-Mittagsjournal sagte sie: "Das Einzige, was wir an Zugeständnis bekommen haben ist, dass man sich auf jeden Fall jetzt die Entwicklung der Zahlen bis 1. März nochmal ansehen wird und dass man einen Prozess starten möchte." Man hätte aber gerne gehört, "wir dürfen am Soundsovielten öffnen", sagte Kraus-Winkler. "Nichtsdestotrotz wie üblich scheibchenweise warten wir jetzt wieder circa zehn Tage."

Über das Wetter zu sprechen, ist meist ein Zeichen von inhaltlosen, uninspirierten Gesprächen, aus denen man nur schwer rausfindet. In Zeiten wie diesen, ist aber alles erlaubt, was Trost spendet: Am Samstag geht es im Großteil Österreichs überwiegend sonnig durch den Tag mit ein paar dünnen Wolkenfeldern, sagt der Wetterbericht. Das sind ja auch mal gute Nachrichten.