Wien. Den Hintergrund aus einem Bild oder Video zu entfernen, ist oft ein Riesenaufwand für Grafiker, Fotografen oder Designer. Ein Wiener Start-up hat dafür zwei automatische Bildbearbeitungshilfen entwickelt, wobei Künstliche Intelligenz (KI) die bisher so aufwendige Arbeit quasi im Handumdrehen erledigt. Nun wurde dieses Wiener Unternehmen namens Kaleido AI von der australischen Firma Canva gekauft. Über den genauen Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, es soll aber einer der größten Verkaufserfolge der österreichischen Start-up-Szene sein.

Aber was macht die Idee der beiden Gründer Benjamin Grössing und David Fankhauser, hinter denen ein Team von 25 KI-Experten steht, so wertvoll? Zunächst wären da einmal die eindrucksvollen Nutzungszahlen: Laut Unternehmensangaben haben allein im Jahr 2020 mehr als 100 Millionen Menschen in mehr als 180 Ländern die beiden Tools remove.bg für Fotos und unscreen.com für Videos verwendet. Damit hat "die Technologie von Kaleido dazu beigetragen, mehr als eine Milliarde Fotos und Videos zu erstellen", heißt es.

Auch angesichts des anhaltenden Meme-Booms, bei dem kurze Bild- und Videoinhalte, meist humoristischer Natur, via Internet und Soziale Medien verbreitet werden, brauchen mittlerweile nicht nur Profis, sondern immer öfter auch Gelegenheitstäter solche Tools für die Bildbearbeitung. Umso interessanter wird es da naturgemäß, wenn etwas auf den Markt kommt, das für jeden leicht zu bedienen ist. Das hat sich nun für Kaleido AI ausgezahlt.

Organisches Wachstum
statt externer Investoren

Dabei ist das Wiener Start-up einen ungewöhnlichen Weg gegangen und hat statt auf externe Investoren auf organisches Wachstum mit Konzentration auf die hauseigene Produktentwicklung gesetzt. "Dieser Ansatz hat es uns ermöglicht, uns radikal an unseren Nutzern und ihren Bedürfnissen auszurichten und nicht an den Investoren, die sich Sorgen um das Endergebnis machen", erklärt das Unternehmen auf seiner Website.

Der Verkauf an Canva hat sich dann offenbar mit einer gewissen Logik ergeben. In dem australischen Unternehmen erkannten die Wiener wohl eine Art Seelenverwandtschaft in Bezug auf die Mission, "komplexe Dinge einfach zu gestalten", und die Vorgehensweise, bei der man "überlappende Roadmaps" identifizierte. Mehr als 40 Millionen Menschen weltweit arbeiten jeden Monat mit Canva, pro Sekunde werden mehr als 100 Designs von Postern über Videos und Infografiken bis hin zu Präsentationen erstellt.

Auch nach dem Verkauf an Canva will Kaleido AI seine Tools den Nutzern weiterhin wie gewohnt zur Verfügung stellen. Durch die Zusammenarbeit mit Canva erhofft man sich aber für die Zukunft eine Beschleunigung in Sachen Innovation und Weiterentwicklung.