Am Tag vor oder besser noch am Tag der Anreise zum Coronatest. Nach 48 Stunden Hotelaufenthalt erneut ein Test. FFP2-Masken tragen, wo es notwendig ist, Abstand halten. Ist das dem Gast zuzumuten? Auf jeden Fall, wenn es nach den Vertretern der Hotellerie geht. Vielmehr gebe es keine Alternative, den Lockdown schrittweise zu beenden, natürlich nur mit begleitenden Maßnahmen. Auch Gastronomie, Kinos und Theater scharren ungeduldig in den Startlöchern.

Wer endlich wieder auswärts essen oder ins Kino gehen will, oder ein paar Tage verreisen, ist auch bereit, sich testen zu lassen und sich an Hygienemaßnahmen zu halten, so der Tenor beim "Öffnungsgipfel" der Wirtschaftskammer Österreich. "Wir wollen, wir müssen, wir können aufsperren", sagt der Geschäftsführer des Hotels Sacher, Matthias Winkler. Es sei an der Zeit, "dass uns die Bundesregierung sagt, wir vertrauen euch, ihr dürft aufsperren." Die Menschen seien des Lockdowns überdrüssig und sehnten sich nach "einem Stückchen Freiheit", so WKO-Chef Harald Mahrer.

Schützenhilfe bekommt die Wirtschaft von Public-Health-Experten Hans-Peter Hutter. Es betonte zwar in seinem Statement, es gebe keine 100-prozentige Sicherheit vor der Ansteckung mit Covid-19, und die dritte Welle sei eigentlich schon da. Man dürfe aber die negativen Auswirkungen des Lockdowns nicht außer acht lassen. Pandemiemüdigkeit mache sich breit, die Bereitschaft, die Coronamaßnahmen mitzutragen sinke. Hutter: "Die Menschen machen nicht mehr mit." Er befürwortet daher eine Öffnung mit praktikablen Präventionskonzepten für bestimmte Bereiche.

Hotellerie, Gastronomie, Kultur- und Freizeitbetriebe haben bereits im Vorjahr zwischen Lockdown 1 und 2 Konzepte eingesetzt, um das Ansteckungsrisiko zu minimieren. "Wir haben so viel dazugelernt", sagt Susanne Kraus-Winkler, Obfrau des Fachverbandes Hotellerie und Geschäftsführerin der Loisium Wine&Spa Hotels. Die Gäste hätten sich schon an so vieles gewöhnt, sie würden auch damit vertraut werden, dass sie einen negativen Corona-Test vorweisen müssen - oder eine Impfbestätigung. "Mit den Coronatests filtern wir Infizierte heraus, die keine Symptome haben", führte Mario Pulker, Obmann des Fachverbands Gastronomie in der WKO, aus und sieht die Branche daher in einer wichtigen Funktion.

"Wir wollen James Bond auf der großen Leinwand sehen"

Christian Dörfler, Obmann des Fachverband der Kino-, Kultur- und Vergnügungsbetriebe in der WKÖ: "Die österreichischen Kinos sind bereit, aufzusperren und jederzeit ein sicheres Erlebnis zu bieten." Die Branche brauche jetzt so schnell wie möglich eine Perspektive, "da wir nicht von heute auf morgen aufsperren können, sondern eine gewisse Vorlaufzeit haben." Eine besondere Herausforderung sei die Abhängigkeit von anderen Märkten: Es brauche weltweit eine gewisse Anzahl an offenen Kinos, damit die internationalen Verleiher überhaupt die Kinofilme freigeben.

Cineplex-Geschäftsführer Christof Papousek betonte: "Wir wollen uns James Bond auf der großen Leinwand anschauen und nicht auf einem 55-Zoll-Flachbildschirmschirm."

Franz Patay, Geschäftsführer der Vereinigten Bühnen Wien, pochte ebenfalls auf eine baldige konkrete Perspektive: "Es ist ja nicht so, dass man das Licht aufdreht und alles spielt." Es müssten schließlich auch wieder Spielpläne vorgelegt und Tickets verkauft werden.

Die wirtschaftliche Seite betonte Christian Kircher, Geschäftsführer der Bundestheater Holding. Neben der Vorlaufzeit brauche es auch ausreichend Besucher. "Vor 100 Leuten zu spielen, wäre in großen Häusern der wirtschaftliche Supergau." (ede)