Die Analysten der Commerzbank haben ihr Anlagevotum für die Aktien der heimischen Andritz von "Buy" auf "Hold" zurückgenommen. Zudem wurde nach den jüngsten Viertquartalszahlen des Anlagenbauers das Kursziel von Analyst Sebastian Growe von 38,00 auf 45,00 Euro nach oben revidiert. Die Abstufung wurde mit einem Mangel an Kurspotenzial auf das errechnete Kursziel begründet.

Die Ergebnisse für das abgelaufene Jahresviertel wurden bei den meisten Kennzahlen als überraschend positiv gewertet. Für das Geschäftsjahr 2021 erwartet die Commerzbank einen Gewinn je Aktie von 2,74 Euro, für 2022 liegt der Wert bei 3,02 Euro und für 2023 bei 3,27 Euro. Die Dividendenschätzung je Anteilsschein wird für 2021 mit 1,30 Euro beziffert, für 2022 mit 1,50 Euro und für 2023 mit 1,60 Euro.

Die Aktien von Andritz notierten am Donnerstagvormittag an der Wiener Börse um fünf Prozent schwächer bei 38,42 Euro. (Analysierendes Institut Commerzbank)

Konzern baute im Coronajahr mehr als 2.000 Mitarbeiter ab, davon 200 in Österreich

Der Anlagenbauer hat 2020 über 30 Fertigungslinien für die Produktion von Corona-Schutzmasken verkauft. Die italienische Tochter Diatec hat nach einer Anlage für Mund-Nasen-Schutz im Sommer eine Produktionslinie FFP2-Masken entwickelt. Im diesem Geschäftsbereich namens "Nonwoven" habe sich der Auftragseingang 2020 auf knapp 500 Mio. Euro fast verdoppelt, sagte Andritz-Chef Wolfgang Leitner am Mittwoch. Geschäftspotenzial sieht er auch im Recycling von Textilien.

Rund die Hälfte des Konzernumsatzes von 6,7 Mrd. Euro macht das steirische Industrieunternehmen aber weiter mit Papier- und Zellstoffwerken und den Großaufträgen in diesem Bereich. Weniger gut lief zuletzt das Geschäft mit Wasserkraftwerken sowie in der Kfz-Industrie, wo die Andritz-Tochter Schuler unter anderem Pressen für Karosseriebleche liefert. Leitner sieht Schuler inzwischen aber wieder wettbewerbsfähig aufgestellt, für die Produktion von Elektroautos liefert Schuler etwa Pressen für Batteriegehäuse und Elektrobleche.

Von der Pandemie in Mitleidenschaft gezogen wurde das Service-Geschäft. Kunden schoben Reparaturen und Wartungen auf, weil sie den Zugang zu ihren Fabriken einschränkten. Dazu seien Reiserestriktionen und Produktionseinschränkungen gekommen.

Andritz werde jedoch nicht versuchen, etwa für die Service-Mitarbeiter vorzeitig Impfstoff über andere Kanäle zu besorgen. "Wir werden uns nicht auf grauen Märkten bewegen und mehr zahlen", so Leitner. Sollte es in einzelnen Ländern offizielle Impfmöglichkeiten für Andritz-Mitarbeiter geben, werde dies geprüft. Man wäre auch bereit, die Kosten zu übernehmen.

Der Personalstand von Andritz reduzierte sich vergangenes Jahr um über 2.000 auf weltweit 27.232 Mitarbeiter Ende 2020. Den größten Stellenabbau gab es bei Hydro und Schuler. In Österreich sank der Mitarbeiterstand von 3.700 auf rund 3.500 Beschäftigte. Am Hauptsitz in Graz hatte Andritz Ende 2020 1.226 Mitarbeiter, 666 in Weiz, 627 in Wien, 486 in Gloggnitz, 286 in Raaba-Grambach, 188 in Linz und 19 in St. Pölten.

Trotz der Krise hat der Anlagenbauer den Umsatz auf dem Rekordniveau von 2019 halten können und sogar leicht um 0,4 Prozent gesteigert. Das Konzernergebnis wuchs um 66 Prozent auf 203,7 Mio. Euro. Den Aktionären schlug der Vorstand am Mittwoch bei Bekanntgabe des Ergebnisses eine Dividende von einem Euro je Aktie vor. 2019 bekamen die Aktionäre lediglich 50 Cent. In den Jahren 2016 bis 2018 hatte Andritz je rund eineinhalb Euro jährlich ausgeschüttet. Für heuer bleibt der Vorstand aber vorsichtig. Man gehe nur von einer leichten Erholung aus, so Leitner. Der Umsatz dürfte 2021 leicht schrumpfen, nachdem die Auftragsbücher des Industriekonzerns im ersten Pandemiejahr dünner wurden. (apa)