Die Pharmaindustrie spricht sich, wenig überraschend, gegen eine Lockerung des Patentschutzes aus. "Es ist nicht der Patentschutz, der uns bei den Produktionskapazitäten Grenzen setzt, sondern es sind vielmehr der kurzfristige, sehr hohe Bedarf an geschultem Personal, an der notwendigen Infrastruktur und an technischem Know-how", erklärt Alexander Herzog, Generalsekretär der Pharmig, eines Interessensverbandes der Pharmaunternehmen.

Damit die Produktionsmengen laufend erhöht werden, würden die Impfstoff-Produzenten bereits intensiv zusammenarbeiten. "Dazu gehört auch die freiwillige Überlassung von Lizenzen, was ja im Grunde genau dem entspricht, was die Patentschutz-Gegner fordern. Das passiert ja bereits, und zwar auf freiwilliger Basis", so Herzog. Dass Impfstoffe gegen COVID-19 nach kurzer Zeit überhaupt verfügbar sind, sei unter anderem darauf zurück zu führen, dass in deren Entwicklung auf bereits vorhandenen Forschungserkenntnissen aufgebaut werden konnte.

Anreiz für Forscherinnen und Forscher

"Die hätte es nicht oder nicht in dem Ausmaß gegeben, hätten die Forscherinnen und Forscher nicht auch einen Anreiz, ihre Erkenntnisse und Errungenschaften eine gewisse Zeit vor Nachahmung zu schützen. Der Patentschutz ist und bleibt eine wichtige Säule jedweder Forschungsaktivität", mahnt Herzog.

Im Februar hatte Claudia Wild vom Austrian Institute for Health Technology Assessment (AIHTA) in einem von "Diskurs - das Wissenschaftsnetz" veranstaltetem Online-Pressegespräch kritisiert, dass die öffentliche Hand den Großteil der Covid-19 Impfstoff Forschung gezahlt habe, um die Seren dann teuer zu kaufen und zu warten, bis die Privatfirmen genug davon liefern können. Sie sprach sich in diesem Zusammenhang für eine Lockerung des Patentschutzes aus. (apa)