Die teilstaatliche Österreichische Post AG musste mit einem Ergebnisminus von 20 Prozent im Coronajahr 2020 deutlich Federn lassen, blickt aber voller Zuversicht in die Zukunft. In zwei bis drei Jahren werde das Paketgeschäft mehr Umsatz abliefern als der Briefsektor, bis 2030 soll die Post ein drei Milliarden Euro schweres Unternehmen sein. Mit den anfänglich vielkritisierten Projekten shöpping und Bank99 zeigte sich Postchef Georg Pölzl heute sehr zufrieden.

Wobei es noch viel zu tun gibt. So brauche es bei der Bank99 die drei- bis vierfache Kundenzahl der derzeit rund 70.000 Kunden um den Break Even zu erreichen. In rund drei Jahren soll es soweit sein, im Vorjahr fielen Anlaufkosten von 39 Mio. Euro an. Als Appetithappen kündigte Pölzl bei der Jahrespressekonferenz Fondsprodukte für die Sparer an, Details wollte er noch keine verraten. Ein besonderes Angebot für die Privatkunden der ING Diba, die diesen Geschäftszweig einstellt, werde es nicht geben.

Bei shöpping vermeldete Pölzl heute rund 1.600 Händler, die meisten davon sehr kleine Unternehmen. Der Umsatz habe sich im Vorjahr auf 44 Millionen Euro verdreifacht. Sehr gut entwickle sich auch die Paket-Tochter Aras Kargo in der Türkei, die rund 6.000 Mitarbeiter hätten im Vergleich zu 2019 um 37 Prozent mehr Pakete zugestellt.

Dickes Lob gab es für die Mitarbeiter der Post. Sie erhalten für das Vorjahr eine Coronaprämie von bis zu 700 Euro, dazu gibt es noch eine Ergebnisprämie von 500 Euro. Und auch die Aktionäre dürfen sich freuen, die Dividende für 2020 soll 1,60 Euro je Aktie betragen. Die Ausschüttung entspreche 75 Prozent des Nettoergebnisses. Jubeln darf darüber auch der Staat, der an dem ehemaligen Monopolisten 53 Prozent hält.

Der US-Onlinegigant Amazon ist laut Pölzl im Paketgeschäft der wichtigste Mitbewerber und Kunde der Post. Derzeit hält Amazon am Paketmarkt bei einem Marktanteil von rund fünf Prozent, dies werde wohl mehr werden. Über den Gesamtmarkt betrachtet würden 90 Prozent aller Retouren über die Post abgewickelt.

"Niemand wurde ausspioniert"

Im andauernden Rechtsstreit mit der Republik um eine angebliche Datenschutzverletzung durch die Post gab sich Pölzl heute weiterhin siegessicher, derzeit seien dafür 20 Milionen Euro rückgestellt. Zum Hintergrund: 2019 hat die Post im Datenskandal um die Speicherung von möglichen Parteiaffinitäten von Millionen Post-Kunden und dem Verkauf dieser Daten an wahlwerbende Parteien eine Verwaltungsstrafe von 18 Millionen Euro von der Datenschutzbehörde erhalten - und dagegen den Rechtsweg beschritten. "Niemand wurde ausspioniert", betonte heute Pölzl einmal mehr.

Zu den Geschäftszahlen 2020 der Post AG: Das Nettoergebnis gab um 20 Prozent auf 115,3 Millionen Euro nach, das Betriebsergebnis (Ebit) um ebenfalls 20 Prozent auf 160,6 Millionen Euro.

Lichtblick war das Paketgeschäft mit einem Zuwachs von 44 Prozent auf 913,6 Millionen Euro Umsatz. Das Briefgeschäft hingegen gab um 7,4 Prozent auf 1,22 Milliarden Euro nach, das Filialgeschäft reduzierte sich um 20 Prozent auf 64,7 Millionen Euro. Der Umsatz kletterte insgesamt um 8,3 Prozent auf 2,19 Milliarden Euro, bereinigt um die türkische Pakettochter Aras Kargo waren es plus 3,3 Prozent.

Der Personalaufwand belief sich auf 1,04 Milliarden Euro, ein Anstieg von 6,6 Prozent bzw. 64,7 Millionen Euro. 22.966 Vollzeitkräfte standen 2020 auf der Gehaltsliste.

Für 2021 wird ein Umsatzanstieg von acht bis zehn Prozent und eine Ergebnisverbesserung um zehn Prozent angepeilt. Bis Ende 2022 soll die Sortierkapazität in Österreich um weitere 30 Prozent ausgebaut werden. (apa)