Insignia - wer? Das haben sich sicher einige gedacht, als vor einer Woche der Fußballklub Austria Wien seinen Retter in der Not präsentierte. Insignia erklärte sich bereit, den "Veilchen" finanziell aus der Patsche zu helfen und deren Bundesliga-Lizenz zu sichern.

Und das lässt man sich ordentlich etwas kosten: Der jüngste Geschäftsbericht der Austria wies immerhin Verbindlichkeiten von 78 Millionen Euro aus. Allein in der Saison 2019/20 schrieben die Favoritner ein Minus von 18,8 Millionen Euro. Insignia will sich allerdings erstaunlicherweise nicht an der FK Austria Wien AG selbst beteiligen, sondern nur an einer gemeinsamen Vermarktungsgesellschaft.

Vom Geschäft mit dem Luxus

Aber woher kommen die Millionen, die da so großzügig in die Wiener Austria gesteckt werden? Das Unternehmen Insignia bezeichnet sich selbst als "Luxusberatungsdienst" und definiert auf seiner Website sein Ziel darin, "globaler Marktführer im Bereich Lifestyle-Management und Finanzdienstleistungen für sehr vermögende Privatpersonen" zu werden.

Derart vermögende Klienten werden übrigens im Bankbereich mit dem Kürzel UHNWI (Ultra High Net Worth Individuals) bezeichnet. Es handelt sich dabei um Privatpersonen mit einem Nettovermögen ab 30 Millionen Dollar. Und genau mit diesem exklusiven Zirkel betreibt Insignia sein Business, das weit über die üblichen, mit Kreditkarten verbundenen Leistungen hinausgeht und für das man nur auf Empfehlung Kunde werden kann.

Tatsächlich ist Insignia nicht ein Unternehmen, sondern eine Gruppe von Firmen, die Kreditkarten für ultrareiche Kunden, anbietet - samt dazu passendem "Lifestyle Management", also Reisen und Shopping im Luxussegment, sowie Unterstützung eines ständig verfügbaren persönlichen Assistententeams. Unternehmensstandorte sind Valletta auf der Insel Malta, Dubai und Bratislava. Büros unterhält man auch in London, Moskau und New York.

Exklusive Kartenspielereien

Besitzer der Gruppe ist Michael Surguladze, ein Georgier, der Mitte der 1990er sieben Jahre lang in Russland die alleinige Vertretung von American Express führte. Schon damals spezialisierte man sich auf vermögende, reisefreudige Osteuropäer als Kunden. In den Folgejahren wurde das Geschäft mit ultrareichen Reisenden verfeinert und sukzessive weltweit ausgeweitet.

Ab 2001 startete Insignia mit Hilfe von Bankenpartnern international im Luxus-Kreditkarten-Segment durch, um maßgeschneiderte Karten anbieten zu können, von der Elite Card über die Royal Card bis zur Glamour Card.

2011 schließlich gründete man in Malta die Insignia Cards Limited, einen Zahlungsdienstleister, der 2012 die Lizenz der maltesischen Finanzbehörde erwarb. Damit hatte Insignia die volle Kontrolle über die Kartendienstleistungen und konnte ohne Bankpartner sein Kartengeschäft weiterentwickeln. Um das Premium-Betreuungsangebot für die quasi unbegrenzte Wunscherfüllung von Ultrareichen umzusetzen wurden Insignia Lifestyle Management Europe in der Slowakei sowie die Insignia IGS Management Services in Dubai gegründet. In der Slowakei stehen europäische Luxusansprüche im Zentrum der Geschäftstätigkeit, in Dubai hat man sich auf jene des arabischen Raumes spezialisiert. Äußerer Ausdruck des schier unbegrenzten Luxus, der hier garantiert wird, ist die Jewellery Card, eine Super-Premium Kreditkarte verziert mit 14-Karat-Gold und Edelsteinen.

Zudem eruierte Insignia schon vor Jahren das hohe Interesse seiner Klientel an Sportevents, speziell an europäischem Fußball. So war man übrigens bereits Sponsor des maltesischen Fußballvereins Valletta FC, ist dort aber laut eigenen Angaben wieder ausgestiegen. Nun hat man sich eben in Wien engagiert.

Premium in der Pandemie

Und wie läuft das Insignia-Geschäft in Corona-Zeiten? Auf Anfrage der "Wiener Zeitung" hieß es von Marketingchefin Youlia Nagaytseva, dass man zwar wie alle anderen im Reisesegment von der Krise getroffen worden sei. Aufgrund der "extrem loyalen Kunden" sei das Kartengeschäft jedoch stabil geblieben. "Unsere persönlichen Assistenten haben in der Pandemie viel Hilfe geleistet, Familienmitglieder in letzter Minute evakuiert, bevor Grenzen geschlossen wurden", erzählt sie. Hochzeiten mitten "in der Hitze einer globalen Krise" zu organisieren, ist für die Insignia-Assistenten kein Problem. Da wird schon einmal eine ganze Hochzeitsgesellschaft in coronafreie Gebiete geflogen, damit der Traum wahr wird.

Und wie geht es in Österreich weiter? Nicht nur, dass es die Wiener Austria natürlich mindestens bis in die Champions League schaffen soll. Laut Nagaytseva denke man "in naher Zukunft" über ein Büro in Österreich nach. Aber es gebe noch so viele andere "aufregende Projekte", mehr könne sie noch nicht sagen.