Was vor Jahren als Spielerei für Nerds begonnen hat, hat sich inzwischen zu einem Milliardengeschäft ausgewachsen: Am vergangenen Samstag hat der Kurs der Kryptowährung Bitcoin erstmals die Marke von 60.000 Dollar (50.335,57 Euro) geknackt.

Aber nicht nur frühe Bitcoin-Besitzer können sich nun über den Kryptowährungshype und steigende Kurse freuen. Auch die digitalen Händler schneiden beim Kauf und Verkauf der diversen digitalen Währungen mit.

So holte sich das Wiener Unternehmen Bitpanda ein Investment von 170 Millionen Euro, womit die Kryptowährungs-Firma aktuell eine Bewertung von über einer Milliarde Euro erreicht, berichtet die "Financial Times" und "standard.at" am Dienstag.

Zur Erklärung: Ein Unicorn, also ein Einhorn, bezeichnet ein Startup-Unternehmen mit einer Marktbewertung, vor einem Börsengang oder einem Exit, von mehr als einer Milliarde US-Dollar.

Angeführt werde die Investmentrunde von Valar Ventures rund um den deutsch-amerikanischen Tech-Milliardär Peter Thiel, mit dabei ist auch DST Global. Die Finanzierung wurde vergangene Woche unterzeichnet und befindet sich im Genehmigungsprozess der Finanzmarktaufsicht.

Auch Edelmetalle wie Gold und Silber werden gehandelt

"Privatanleger werden bald Zugang zu einer noch größeren Auswahl an digitalen Assets haben und wir wollen unser Angebot in weitere neue Märkte bringen", sagte Bitpanda-Geschäftsführer Eric Demuth zum "Standard".

Neben Krypto-Assets können über die Plattform seit 2019 auch Edelmetalle wie Gold und Silber gehandelt werden. Mitte Februar bekam Bitpanda dann die Konzession als Wertpapierhändler. Ab April soll es möglich sein, in Teilaktien und ETFs zu investieren.

Bitpanda wurde 2014 von Eric Demuth, Paul Klanschek und Christian Trummer gegründet. Aktuell beschäftigt das Unternehmen mehr als 350 Menschen aus 50 Nationen. Kürzlich weiteten sie ihre Geschäfte nach Frankreich, Spanien und in die Türkei, Italien und Polen aus. In Berlin, London, Paris, Madrid und auch Barcelona sollen neue Zweigstellen eröffnet und mit dem frischen Geld weitere neue Märkte erschlossen werden, heißt es in dem Bericht.

Demuth, 34 und Klanschek, gerade einmal 31 Jahre alt, sind mit dem Investment nun jeweils mehr als 300 Millionen US-Dollar wert – zumindest auf dem Papier. Sie besitzen die Mehrheit der Unternehmensanteile.

Geschäft ging in der Krise in die Höhe

Händler, wie Bitpanda verdienen ihr Geld mit den Gebühren, die sie für jede Transaktion über ihre Plattform verlangen. Bei dem Wiener Startup sind das durchaus handelsübliche 1,49 Prozent. Die CEOs gaben gegenüber der "Financial Times" an, dass der Großteil ihrer Einnahmen sich durch die Gebühren finanziere.

Mit genauen Zahlen hält sich Bitpanda zurück, doch wurde laut der US-Zeitung preisgegeben, dass das vergangene Jahr für den Kryptohändler alles andere als eine Krisenzeit war.

So habe man heuer mit Mitte Februar bereits so viel Gewinn erwirtschaftet, wie im gesamten Jahr 2020. Ihr Handelsvolumen wäre aktuell zehn Mal so hoch, als im März des vergangenen Jahres. Die Bitpanda-Chefs halten die Höhe ihrer Gebühren für gerechtfertigt und üblich für die Branche. Sie räumten aber zugleich ein, dass mit dem nächsten Jahr mit niedrigeren Gebühren am Kryptomarkt zu rechnen sei.

Kritiker sehen diese Entwicklungen am Kryptowährungshandelmarkt als Blasenphänomen. Sobald der Kurs der digitalen Währungen wieder sinkt, wird auch die Nachfrage und die Transaktionen rapide abnehmen. Mit weiteren "Unicorns" in dem Bereich sei zu rechnen – allerdings ein ebenso schnelles Abtauchen. (ast)