Noch stützen viele Staaten ihre von der Viruskrise gebeutelte Wirtschaft mit Finanzhilfen, aber ein Ende dieser Geldflüsse im Laufe dieses Jahres ist inzwischen absehbar. Die Raiffeisen Bank International (RBI) rechnet deshalb für 2021 mit einer höheren Belastung durch notleidende Kredite. Ihr Risiko-Chef Hannes Mösenbacher erwartet, dass deren Anteil am gesamten Kreditbestand leicht steigen wird. Im Corona-Jahr 2020 lag der Anteil bei 1,9 Prozent.

Die RBI, die ihren Konzernsitz in Wien hat und insgesamt rund 45.000 Beschäftigte zählt, ist nicht nur in Österreich, sondern vor allem auch in Osteuropa aktiv, wo sie als eine der größten Kreditgeberinnen gilt. Alles in allem betreut sie nach eigenen Angaben 17,2 Millionen Kunden in rund 1.900 Geschäftsstellen.

Für mögliche Kreditausfälle hat die Bank im vergangenen Jahr 630 Millionen Euro an Vorsorgen gebildet, wobei Kredite im Volumen von 288 Millionen Euro tatsächlich ausgefallen sind. "In Summe bin ich zuversichtlich, auch wenn die durch die Pandemie verursachten Einschränkungen klarerweise einen Zuwachs unserer Risikokosten mit sich gebracht haben", sagte RBI-Konzernchef Johann Strobl am Mittwoch bei der Präsentation der Jahresbilanz 2020. Da die Risikokosten in den Jahren davor sehr niedrig waren, sei dies "gut verkraftbar".

"Geringes Kreditwachstum" in erster Hälfte 2021

Zumindest für das laufende erste Halbjahr geht Strobl mit Blick auf dienoch anhaltende Pandemie von einem lediglich "geringen Kreditwachstum" aus. Erst in der zweiten Jahreshälfte sollte es dann geschäftlich besser laufen. Konjunkturell dürfte es heuer nach der Rezession im Vorjahr jedenfalls wieder aufwärtsgehen. Für jene Märkte, in denen die Bank tätig ist (insgesamt sind es 14), rechnet Strobl mit einem Wirtschaftswachstum von drei bis fünf Prozent.

Sorgen bereitet indes der polnische Markt. Dort ist die RBI noch immer mit einer Vielzahl von Klagen rund um Schweizer-Franken-Kredite konfrontiert. Da der Zloty nach der Weltfinanzkrise 2008/09 gegenüber dem Franken wertmäßig massiv verfiel, hat die Schuldenlast bei den Kreditnehmern erheblich zugenommen.

"Das Thema wird uns noch einige Zeit beschäftigen und auch finanziell belasten", kündigte Strobl an. Das aktuelle Franken-Kreditportfolio bezifferte er mit rund zwei Milliarden Euro. Im schlimmsten Fall droht der RBI ein Schaden von 800 Millionen Euro. Dies wäre aber nur dann der Fall, wenn alle betroffenen Kunden zu Gericht gingen und alle Gerichtsurteile zu dem Ergebnis kämen, dass die Kunden unfair behandelt worden seien und das gesamte Wechselkursrisiko von der Bank zu tragen wäre. Doch davon geht Strobl nicht aus.

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Für 2020 will die RBI eine Dividende von 48 Cent je Aktie zahlen, nachdem Corona ihren Nettogewinn um 34,5 Prozent auf 804 Millionen Euro geschmälert hat. Die sogenannte Cost-Income-Ratio (Kosten im Verhältnis zum Ertrag) lag zuletzt bei 56,8 Prozent, sie soll mittelfristig auf 55 Prozent verbessert werden. (kle)