Buchstäblich auf Gedeih und Verderb ist die heimische Konjunktur derzeit von den Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie abhängig. "Der Schlüssel für eine Erholung liegt außerhalb der Wirtschaft", betonte Wifo-Chef Christoph Badelt dazu am Freitag bei der Präsentation der Frühjahrsprognose.

"Bevor die Pandemie nicht im Zaum gehalten ist, kann es keinen Aufschwung geben." Insofern liege die weitere Entwicklung der Wirtschaft derzeit in den Händen der Gesundheitspolitik, und die müsse "testen und impfen". Das Testen und Impfen könne "gar nicht so teuer sein, dass es nicht billiger ist als eine Verlängerung der Wirtschaftskrise", gab Badelt zu bedenken.

Ein vierwöchiger Lockdown mit einer neuerlichen Schließung des Handels und körpernaher Dienstleistungen im April, der auch Öffnungen in Gastronomie und Tourismus verzögern würde, könnte das Wachstum im heurigen Jahr jedenfalls stark abbremsen – aus Sicht des Wifo auf 1,5 Prozent. Sollten die coronabedingten Einschränkungen im Laufe des Frühjahrs hingegen vollständig aufgehoben werden, wäre von einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) um 2,3 Prozent auszugehen.

Diesmal haben die Wifo-Konjunkturexperten gleich zwei Szenarien errechnet, wobei der Unterschied beim BIP bezogen aufs Gesamtjahr drei Milliarden Euro ausmacht. Wie Badelt anmerkte, sei dies "ein ausgewachsener Elefantenbulle" und "nicht nur ein Baby-Elefant".

Mehr Zuversicht beim IHS

Das Institut für Höhere Studien (IHS), das seine neue Konjunkturprognose in einer gemeinsam mit dem Wifo abgehaltenen Online-Pressekonferenz vorstellte, ist etwas optimistischer als das Wifo. Für 2021 rechnet es mit einem BIP-Plus von 2,6 Prozent. Ein zusätzlicher vierwöchiger Lockdown im Frühjahr würde diesen Prognosewert freilich ebenfalls kräftig nach unten drücken – und zwar auf 2,0 Prozent. Denn jede weitere Woche Lockdown würde das Bruttoinlandsprodukt um 0,1 bis 0,2 Prozent oder 400 bis 800 Millionen Euro schmälern. "Der Elefant wächst jede Woche weiter, je nachdem, wie gut man ihn füttert", sagte der beim IHS für die Prognose zuständige Ökonom Michael Reiter im Scherz.

Für 2022 prognostiziert das Wifo im Öffnungs- und im Lockdown-Szenario ein BIP-Plus von 4,3 respektive 4,7 Prozent. Das IHS geht in der Grundannahme von einem Wachstum von 4,3 Prozent aus.

Mit Besorgnis blickt Badelt unterdessen auf den Arbeitsmarkt: "Da wird die Covid-19-Krise noch länger sichtbar sein." In seinem Öffnungsszenario rechnet das Wifo für 2021 und 2022 mit einer Arbeitslosenrate von 9,2 und 8,4 Prozent, während im Lockdown-Szenario mit 9,3 und 8,5 Prozentetwas höhere Werte zu befürchten wären. Das IHS geht trotz insgesamt rückläufiger Tendenz von ebenso hohen Zahlen aus. "Mehr als 400.000 Arbeitslose und eine wachsende Zahl bei den Langzeitarbeitslosen – das schafft soziale und wirtschaftliche Probleme", so Badelt. Deshalb müsse die Politik ein Maßnahmenpaket mit klarer Priorität für Qualifizierung und die Vermeidung von Arbeitsplatzverlusten schnüren und hier auch die Unternehmen einbinden.

"Brauchen Kurzarbeit länger"

Zudem meinte Badelt mit Blick in Richtung Regierung, dass man die Kurzarbeit länger brauchen werde. Sie sollte aber stärker nach Branchen differenziert sein und danach, wo es mehr Schließungen oder stärkere Umsatzrückgänge gebe. Als Beispiele führte der Wifo-Chef den Städte- und Kongresstourismus.

Das Maastricht-Defizit des Gesamtstaates sieht das Wifo in seinem Lockdown-Szenario im laufenden Jahr nur leicht auf 7,7 Prozent des BIP sinken und 2022 auf 4,0 Prozent (nach 8,9 Prozent Minus 2020). Im Öffnungs-Szenario erwartet es einen negativen Saldo von 7,1 beziehungsweise 3,7 Prozent. "Um eine Konsolidierung des öffentlichen Haushalts werden wir nach der Pandemie nicht herumkommen", unterstrich Badelt. Das IHS schätzt die Budgetdefizit-Quote für 2021 und 2022 auf 6,6 respektive 3,5 Prozent. Für das Corona-Jahr 2020 hat es vor dem Hintergrund der milliardenschweren Staatshilfen minus 10,4 Prozent errechnet.

Nach einem Einbruch um 6,6 Prozent dürfte die Wirtschaft im Euroraum heuer um 3,9 Prozent wachsen, 2022 dann um 4,3 Prozent, so das Wifo. Für Deutschland, Österreichs wichtigsten Handelspartner, erwartet es ein BIP-Plus von 2,8 und 3,4 für 2021 und 2022, und für die USA eines von 6,0 und 3,0 Prozent. (kle)