Für das von der Schließung bedrohte MAN-Werk in Steyr wird es eng, obwohl heftig dagegen angetrommelt wird. ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian und Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer pochten am Freitag auf die Sozialpartnerschaft und auf die "große Verantwortung", die der MAN-Konzern gegenüber der Region, den Arbeitnehmern und deren Familien habe.

"Wieder an einen Tisch kommen"

Das Belegschaftsvotum könne "nicht das Aus für Steyr bedeuten, das ein wichtiger Baustein am Automotiv-Standort Österreich ist", appellierten sie an alle Beteiligten, "rasch konstruktive Gespräche zu führen und in sozialpartnerschaftlicher Manier wieder an einen Tisch zu kommen". Sie wiesen darauf hin, dass eine Schließung des Werks 8.000 Arbeitsplätze in der Region kosten und eine Milliarde weniger BIP verursachen könne.

"Die Belegschaft, die in Steyr zur Verfügung steht, ist eine hoch qualifizierte, hoch engagierte und für viele Investoren attraktiv", so der Präsident der Arbeiterkammer Oberösterreich, Johann Kalliauer. Ganz anders sieht man das bei VW in Deutschland. Der MAN-Konzerns ist Teil des Autoimperiums.

Nachdem zwei Drittel der Mitarbeiter in Steyr gegen das Übernahmeangebot des Investors Siegfried Wolf gestimmt haben, müsse man die Schließungspläne für das Werk wieder aufnehmen, "weil wir außer diesem Angebot des Investors Wolf keine Alternativen vorliegen haben, die es lohnt weiterzuverhandeln", so VW-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch am Freitag.

Eine Übernahme durch den früheren Magna-Chef Wolf hätte die von der Konzernzentrale in München geplante Schließung des Standorts in Oberösterreich verhindert, wäre aber mit massiven Einschnitten in den Personalstand und die Gehälter verbunden gewesen. Das war auch der Grund für das abschlägige Votum der Belegschaft. Pötsch, der auch Präsident der Deutschen Handelskammer (DHK) ist, äußerte sich am Rande einer Videokonferenz der DHK in Österreich zu dem Thema.

Ökonom Felbermayr: "Politik kann hier nicht helfen"

"Da muss man sich fragen, ob die Mitarbeiter von MAN die gesamtwirtschaftliche Sicht eingenommen haben", ergänzte der designierte Wifo-Chef und derzeit noch Präsident des Instituts für Weltwirtschaft in Kiel (IfW), Gabriel Felbermayr. "Ich sehe auch nicht, wie die Politik hier helfen kann", bedauerte Felbermayr. Was die Politik tun könne, sei zu fragen, was sie nun für den Standort generell tun könne, was die Gründe für den Rückzug der MAN seien. "Jetzt zu sagen, 'die Politik hat den goldenen Schlüssel' - das ist nicht der Fall", redete der Ökonom Klartext. "Hier von der Politik zu erwarten, sie könnte das mit dem Zauberstab lösen, ist abwegig."

Für die Region sei das Werk der MAN in Steyr "natürlich sehr wichtig". "Da hängen nicht nur Tausende Arbeitsplätze, sondern inklusive der Zulieferstruktur rundherum eine Wirtschaftsleistung von einer Milliarde Euro dran", so Felbermayr, der selbst aus der Region Steyr-Land stammt.

Nach dem abschlägigen Votum der mehr als 2.300 Mitarbeiter starken MAN-Belegschaft zu dem Übernahmeangebot Wolfs und der Schließungsankündigung aus München forderte die Politik am Donnerstag den deutschen MAN-Konzern auf, nicht alle Türen zuzuschlagen und für Gespräche offen zu bleiben. Die deutsche MAN-Zentrale hat für Steyr bereits die Standortgarantie bis 2030 aufgekündigt und sieht als einzige Alternative die Schließung des Werks bis 2023.

Laut Kalliauer ist das Votum der MAN-Belegschaft gegen das Übernahme-Angebot von Siegfried Wolf "ein klares Signal, dass man so nicht mit einer Belegschaft umgehen kann". Das "Drohungsszenario" der Schließungsankündigung aus München sei "unverantwortlich" und "aktienrechtlich äußerst bedenklich".

Die Belegschaft sei unter enormen Zeitdruck gesetzt worden, und die Konzeption des Investors habe offensichtlich für viele nicht genügend Sicherheit geboten, "ganz abgesehen von den massiven Einschnitten, die in dieser Form natürlich viele irritiert haben", beurteilte er die Entscheidung der Belegschaft bei einem Pressetermin am Freitag. Kalliauer zeigte sich allerdings zuversichtlich, dass man nach der ersten Aufregung nun an den Verhandlungstisch zurückkehren und nach einer Lösung suchen werde.

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch kritisierte die Bundesregierung bzw. die ÖVP: "Wo ist der Kanzler? Wo ist die selbst ernannte Wirtschaftspartei ÖVP?", so Deutsch, der Bundeskanzler Sebastian Kurz "hemmungslose Untätigkeit" in Sachen MAN-Standort vorwirft und bei ihm, Wirtschaftsministerien Margarete Schramböck und Arbeitsminister Martin Kocher (alle ÖVP) Gleichgültigkeit von "unfassbarem Ausmaß" angesichts der drohenden "wirtschaftlichen und sozialen Katastrophe" in Steyr ortet.

Der neue Betriebsratsvorsitzende Helmut Emler sagte nach der Urabstimmung, das Konzept von Wolf sei zwar "schlüssig, die Einschnitte wären aber zu gravierend gewesen". Dass MAN das Werk nun schließen wolle,sei für die Belegschaftsvertretung noch nicht gegessen. Offen ist, ob noch Chancen für das Projekt des "Green Mobility"-Konsortiums rund um den Industriellen Karl Egger (KeKelit) bestehen. (apa)