Im MAN-Werk Steyr werden seit über 100 Jahren Fahrzeuge gefertigt. 2023 könnte damit Schluss sein, nachdem sich die Belegschaft gegen eine Übernahme von Investor Siegfried Wolf ausgesprochen hat.

Angesichts eines nun drohenden Verlustes von 2.300 Arbeitsplätzen wird in Österreich intensiv darüber diskutiert, ob der Staat in Steyr einspringen soll. Insgesamt wackeln in der Region bei einem Aus des Werks mehr als 8.000 Jobs, so eine Studie. Darüber hinaus droht der Entfall von gut einer Milliarde Euro an Wertschöpfung im Jahr.

Die Politik hat in den letzten Tagen diverse Ideen vorgebracht, wie das MAN-Werk in Steyr und damit auch die Tausenden Arbeitsplätze gerettet werden könnte. Nachdem die SPÖ am Samstag einen Staatseinstieg bei MAN aufs Tapet brachte, sprachen sich ÖVP und NEOS dagegen aus.

"Wenn es keiner will, kann es nicht der Staat machen"

Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" beleuchtet Michael Peneder, Industrieökonom beim Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo die grundsätzlichen Vor- und Nachteile einer Staatsbeteiligung. Er hat zu dieser Thematik im heurigen Jänner eine Studie veröffentlicht.

Prinzipiell befürwortet Peneder eine Staatsbeteiligung nur in Ausnahmefällen und dann auch nur in Form einer zeitlich begrenzten Minderheitsbeteiligung. "Bei MAN in Steyr sehe ich aber keinen Anlass für eine Staatsbeteiligung", meint er.

"Die Nagelprobe ist immer, ob private Investoren die Fortführung eines Betriebes für sinnvoll erachten", betont Peneder. "Wenn es keiner will, kann es nicht der Staat machen."

Ob ein Unternehmen ein zukunftsfähiges Konzept sowie Marktpotenzial habe und damit auch langfristige Beschäftigung für die Mitarbeiter ermögliche, das zu beurteilen, dafür sei die Politik "die falsche Instanz", so der Wifo-Ökonom. Kernaufgabe der Politik sei es allerdings, Kompromisse mit potenziellen Investoren zu finden, sich bei Verhandlungen zu engagieren und die Belegschaft mit den Investoren zusammenzubringen.

Ausnahmefälle, in denen sich ein staatliches Engagement sinnvoll sein könnte, sei beispielsweise, um kurzfristige Finanzierungslücken zu schließen, einzigartiges Know-how zu retten oder auch um eine Unternehmenszentrale im Land zu halten, erläutert er. Nur dann, und dann auch nur nach genauer Prüfung, könne der Staat einspringen.

Braucht es mehr Staat in Pandemiezeiten?

Ist eine Pandemie und damit womöglich eine größere Zurückhaltung potenzieller Investoren aber nicht doch eine Periode, die für mehr staatliches Engagement spricht?

"Es kann Unternehmen geben, die aufgrund der aktuellen Pandemie an Kapitalknappheit leiden", räumt Peneder ein. Die Austrian Airlines wären ein Beispiel für einen solchen Fall. Bei der heimischen Fluglinie sei die Pandemie Auslöser für das Kapitalproblem gewesen, analysiert der Ökonom. Zwar war es dort nicht zu einer staatlichen Beteiligung gekommen, weil man auf Förderungen und Garantien setzte. Möglich gewesen wäre eine solche jedoch.

Peneder führt weiter aus, dass insbesondere sogenannte "Netzwerkeffekte" entscheidend für staatliche Beteiligungen seien. Strahlt ein Unternehmen auf andere aus, etwa durch die Drehkreuzfunktion der AUA, die von strategischer Bedeutung für den Standort Österreich sei und sich auf Entscheidungen anderer Unternehmen für oder gegen ein Engagement im Land auswirke, sei ein staatliches Engagement eher gerechtfertigt. "Dieses Argument sehe ich bei MAN jedoch nicht."

E-Mobilität als Zukunftsinvestition

Wäre die geplante Umstellung auf Elektromobilität in Steyr nicht eine zukunftsweisende Strategie, die für eine Staatsbeteiligung am Unternehmen sprechen könnte?

Peneder empfiehlt, dennoch eher auf Förderungen statt auf Staatsbeteiligung zu setzten. Hierzu gebe es ein bewährtes Instrumentarium und mit dem EU-Aufbaufonds womöglich auch noch weitere Möglichkeiten. Voraussetzung bleibe jedoch, private Investoren für die Unternehmensführung zu finden.


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