Am heutigen Donnerstag tritt die angekündigte Öffnungskommission zusammen, um Öffnungsschritte für Gastronomie, Tourismus, Kultur und Sport im Mai zu diskutieren. Neben dem Bundeskanzleramt und dem Vizekanzleramt werden das Gesundheitsministerium, das Tourismusministerium und das Bildungsministerium sowie das Kulturstaatssekretariat die Vertreter der Bundesregierung stellen. Auch der aktuelle Vorsitz der Landeshauptleutekonferenz, der steirische Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer (ÖVP), der Präsident des Städtebunds, Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) und der Präsident des Gemeindebundes Alfred Riedl sind Teil der Kommission, der auch Vertreter von Wirtschaft und Arbeitnehmern angehören. Vertreter der Veranstaltungswirtschaft und Messebranche wiesen im Vorfeld auf die Notwendigkeit eines "pragmatischen und belastbaren Plans" hin.

Outdoor vor Indoor

Im ersten Schritt sollen beim Auftakt um 16 Uhr erst einmal Leitlinien festgelegt werden, hieß es vonseiten des Kanzleramts zur APA. So soll das Prinzip "Outdoor vor Indoor" weiterverfolgt werden. Auf Basis der Leitlinien sollen in weiterer Folge die Details zu den einzelnen Themenblöcken (Testkonzepte, Grüner Pass, Zeitleiste der Öffnungen) mit den jeweiligen Experten und Branchenvertretern erarbeitet werden. In vielen Bereichen lägen bereits konkrete Vorschläge der betroffenen Branchen zu Konzepten vor, berichtete das Kanzleramt. Diese würden allesamt in die Arbeit der Kommission einfließen. Konkrete Öffnungstermine sollen am Donnerstag aber noch nicht kommuniziert oder festgelegt werden.

Der Sitzung der Öffnungskommission folgen tags darauf, am Freitag, weitere Gespräche der Regierung, der Länder und der Oppositionsparteien mit Experten und Expertinnen zum Infektionsgeschehen. Ob danach weitere konkrete Schritte - also mögliche Lockerungen oder auch Verschärfungen - kommuniziert werden, ist aber noch unsicher.

Veranstalter fordern Stabilität

Messe-, Sport- und Kulturveranstalter wiesen nicht nur auf ihre "unumstrittene gesellschaftspolitische Bedeutung", sondern auch auf die von ihnen erzielte Wertschöpfung von 18,17 Milliarden Euro hin. Allein auf die Veranstaltungswirtschaft würden 9 Milliarden Euro entfallen. Nur im Kultursektor seien rund 150.000 Menschen beschäftigt, "die großteils zwischen Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit zum Nichtstun verdammt sind". Hervorgestrichen wird, dass bei der Planung der Öffnungsschritte nicht nur wirtschaftliche Faktoren zu beachten seien: "Es geht um nicht weniger als die mentale Gesundheit aller", heißt es in der Aussendung.

Christoph Klingler von CTS Eventim Austria verweist auf die sehr lange Vorlaufzeit der Veranstaltungswirtschaft und fordert "verlässliche Planungssicherheit". Die Erweiterung des Schutzschirms müsse daher ein wesentlicher Bestandteil des Öffnungsplans sein, "weil das wirtschaftliche Risiko des Aufsperrens anders nicht zu stemmen ist". Auch Ewald Tatar (Barracuda Music) nennt den Veranstalter-Schutzschirm "eine enorm wichtige Maßnahme, um die durch die Pandemie wohl am meisten bedrohte Branche zu unterstützen". Die Rahmenbedingungen für große Akteure im Festival-Bereich seien im Gegensatz zu vielen anderen europäischen Ländern aktuell finanziell nicht ausreichend. Er gehe davon aus, dass sich Österreich an den niederländischen Bedingungen orientieren und die Obergrenze anheben werde. "Das wäre ein unglaublich wichtiger Schritt, um einer Branche zu helfen, die neun Milliarden Euro Wertschöpfung leistet und die treibende Kraft im stark leidenden Städtetourismus ist", so Tatar.

Auch Veranstalter Georg Hoanzl fand eindringliche Worte. Wirtschaftliche Rahmenbedingungen seien nun "entscheidend, damit die Kultur- und Veranstaltungswirtschaft nicht mehr an der staatlichen Hilfsspritze hängen muss und wieder in die wirtschaftliche Selbstständigkeit zurückkehrt". Das fortwährende Auf- und Zusperren sei bis zur Einführung der Impfung durchaus berechtigt gewesen, "ist jetzt aber nicht mehr der Weisheit letzter Schluss". Die Veranstaltungswirtschaft brauche jetzt neben dem Impfstoff "auch eine gute Dosis Stabilität, um mit der notwendigen Sorgfalt und unter Einhaltung aller sinnvollen Vorgaben wieder kulturelle Freiräume zu schaffen", so Hoanzl. Dem Appell schlossen sich unter anderen auch Harry Jenner (Frequency Festival) und Manuel Reifenauer (Electric Love) sowie Messe-Veranstalter wie Reed Exhibitions an. (apa)