Trotz eines hohen Verlusts von 165,9 Mio. Euro im Vorjahr wegen pandemiebedingten Abwertungen will die auf Büro- und Einzelhandelsimmobilien spezialisierte Immofinanz AG nach einem dividendenlosen Jahr 2019 nun für 2020 wieder Geld an die Aktionäre zahlen. Geplant sind 0,55 Euro pro Aktie an Ausschüttung. Die Mieterlöse wuchsen im abgelaufenen Jahr leicht, die Cash-Größe FFO 1 blieb stabil.

3,5 Prozent Abwertung

Das Bewertungsergebnis aus Bestandsimmobilien drehte vor allem wegen negativer Effekte der Coronakrise von positiven 195,7 Mio. Euro auf -156,6 Mio. Euro ins Minus, teilte das börsennotierte Unternehmen Mittwochabend mit. Die Abwertung entspreche rund 3,5 Prozent des Buchwerts der Bestandsimmobilien per 31. Dezember - bei den Einzelhandelsimmos waren es 4,3 Prozent (oder -71,0 Mio. Euro) und bei den Bürogebäuden 3,2 Prozent (-89,1 Mio. Euro). Als Folge wurde aus den 352,1 Mio. Konzerngewinn von 2019 ein Verlust von 165,9 Mio. Euro.

Doch schon per Ende des ersten Quartals 2021 könne die positive Kursentwicklung der Aktien der s Immo, an der die Immofinanz Anteile hält, zu einer Aufwertung dieser Beteiligung um bis zu rund 96 Mio. Euro führen, heißt es.

Die Immofinanz, die mit 26,5 Prozent größter Einzeleigentümer der s Immo ist, bemüht sich wie berichtet um eine Mehrheitsübernahme der s Immo, doch liegt das avisierte Offert noch zwecks genauerer Prüfung bei der Übernahmekommission. Weil die s Immo 2,676.872 Stück eigene Aktien hält, bezieht sich das angekündigte Angebot auf den Erwerb aller übrigen Anteile, also 69,9 Prozent oder bis zu 51,432.587 Aktien. Umgekehrt ist die s Immo mit 13,4 Prozent an der Immofinanz beteiligt. Beide Unternehmen sind im Leitindex ATX enthalten. Die Immofinanz war an der Börse zuletzt 2,2 Mrd. Euro wert, die s Immo knapp 1,6 Mrd. Euro.

Mieterlöse wuchsen 2020

Die Mieterlöse der Immofinanz wuchsen im Jahresabstand um 3,1 Prozent auf 288,6 (279,9) Mio. Euro. Doch führte ein krisenbedingter Anstieg der Forderungsabschreibungen aus dem Asset Management zu deutlich höheren Immobilienaufwendungen, so das Unternehmen. Das operative Ergebnis sank um 4,0 Prozent auf 143,9 (149,9) Mio. Euro, das Ergebnis der Geschäftstätigkeit (EBIT) drehte auf -12,7 (345,6) Mio. Euro ins Minus. Die wichtige Cash-Generierungsgröße FFO 1 (vor Steuern, samt s-Immo-Dividende) sank entgegen den Analystenerwartungen nicht, sondern wuchs dank Einsparungen um 0,6 Prozent auf 126,1 (125,3) Mio. Euro. Je Aktie ist das ein FFO 1 von 1,13 (1,18) Euro. Die Netto-Loan-to-Value-Ratio konnte von 43,0 auf 37,8 Prozent gesenkt werden. Die starke Cash-Position habe sich unter Berücksichtigung einer ungenutzten Konzernkreditlinie auf 1,2 Mrd. Euro erhöht.

CEO Ronny Pecik wertet den fast gleich hohen Vermietungsgrad von 96 Prozent, die gute operative Ertragskraft und die Liquiditätsausstattung als "starke Basis" für das noch anhaltende Krisenumfeld und für die Erholungs- und Wachstumsphase danach. Insofern habe man das Jahr 2020 aus einer Position der Stärke abschließen können.

Das Immobilienportfolio der Immofinanz umfasste Ende Dezember 209 Objekte mit rund 5,0 Mrd. Euro Buchwert. Davon entfielen 64 Prozent auf den Büro- und 34 Prozent auf den Einzelhandelsbereich. Die Büroimmobilien waren zu 93,7 Prozent vermietet, die Retail-Objekte zu 98,1 Prozent. Die Bruttorendite wird mit 6,2 Prozent beziffert auf Basis der IFRS-Mieterlöse und mit 6,6 Prozent auf Basis der Mietvorschreibung. (apa)