Wirtschaftsmotor, steigende Einkommen, die erste Generation, die sich ein kleines Vermögen aufbaute, die nicht mehr von den Grauen des Weltkriegs traumatisiert war. Wer zwischen 1960 und 1969 in Österreich auf die Welt kam, hatte ein gutes und friedliches Leben vor sich. Abbas Wohlfühl-Pop aus dem Radio, Franz Klammer auf der Piste und Peter Alexander als Entertainer.

Eine starke Generation, die mit Power die Zweite Republik vorantrieb, die aber auch eine Gruppe überschattete, die auf der Strecke blieb. Denn diese Generation steht zwar für Beschäftigungsrekorde, sie führt aber auch die Statistiken bei den Langzeitarbeitslosen an.

Langzeitarbeitslos in der Wirtschaftskrise und heute

Während der Wirtschaftskrise im Jahr 2009 waren 34.346 Menschen langzeitarbeitslos. 30,8 Prozent von ihnen kamen in den Sechziger-Jahren auf die Welt. Die damals 40 bis 49-Jährigen bildeten damit die größte Gruppe.

Heute sind 146.761 Menschen langzeitarbeitslos. Die größte Gruppe bilden mit 33,3 Prozent erneut die Jahrgänge aus den Sechziger-Jahren. Mittlerweile sind sie 50 bis 59 Jahre alt. Warum ist diese Generation so stark betroffen?


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1963 erblickten 134.809 Kinder die Welt, so viel nie zuvor und seither nie wieder in der Zweiten Republik. Auf den Plätzen folgen die Jahrgänge 1964, 1962, 1961 und 1965. Das macht sie zur stärksten Altersgruppe in Österreich. Den Babyboom von damals spürt man noch heute. 17 Prozent (Statistik Austria) der heutigen Bevölkerung wurde in den Sechziger-Jahren geboren.

Die hohe Anzahl der Langzeitarbeitslosen lässt sich also aus der Statistik ableiten: je mehr Menschen einer Generation, desto mehr Menschen von ihnen haben keinen Job. Doch so einfach ist es nicht. Die statistische Erklärung ist das eine, den Menschen hinter den Zahlen hilft das aber wenig.

Diese Generation erlebte Globalisierung, technischen Fortschritt, den Fall des Eisernen Vorhangs, sagt Helmut Hofer, Arbeitsmarktforscher vom Institut für Höhere Studien (IHS). "Davon haben die gut Ausgebildeten dieser Generation profitiert", sagt er. "Die schlecht Ausgebildeten wurden jedoch zu den Verlierern." Einfache Tätigkeiten wurden von Maschinen übernommen. "Rein körperliche Stärke reichte plötzlich nicht mehr am Arbeitsmarkt", erklärt Hofer. Zudem kamen viele Arbeitskräfte aus Osteuropa, die für weniger Lohn den Job übernahmen.

Rein körperliche Stärke war am Arbeitsmarkt nicht mehr gefragt

Weiters wurde die formale Qualifikation nachfolgender Generationen immer besser. "Es gab mehr Uni-Abschlüsse und mehr Maturanten." Die Menschen wurden mehrsprachiger und digitaler. "Die Anforderungen am Arbeitsmarkt wurden höher, damit tut sich diese Generation aber schwer", erklärt Hofer.

Nach den Jahren des Wirtschaftsaufschwungs waren die Sechziger-Jahrgänge die erste Generation, die wieder Arbeitslosigkeit erlebt hat. "Viele von ihnen waren ihr Leben lang nur in einem Job, den es auf einmal nicht mehr gab." Und Menschen, die lange im selben Job sind, und dann arbeitslos werden, haben es schwerer einen neuen Job zu finden. Die Spirale dreht sich weiter nach unten. Einmal in der Langzeitarbeitslosigkeit angekommen, ist es schwer, von dort wieder herauszufinden.

Zuletzt kündigte die Regierung ein Programm für Langzeitarbeitslose an. Bis Ende kommenden Jahres sollen 50.000 Personen über die Aktion "Sprungbrett" wieder in Beschäftigung kommen, verspricht Arbeitsminister Martin Kocher. Wie konkret die Maßnahmen aussehen werden, ist jedoch unbekannt. "Das wird gerade ausgearbeitet", heißt es aus dem Büro des Ministers. Hoffnung gibt es vor allem für jene, die während der Corona-Krise in die Langzeitarbeitslosigkeit gerieten. "Da sind wir zuversichtlich, dass diese Gruppe wieder auf den Arbeitsmarkt zurückfindet", heißt es. Für jene, die bereits vorher schon arbeitslos waren, werde es jedoch schwierig.

"Man hat jahrelang übersehen, dass in dieser starken Generation auch viele Schwache sind", sagt Ökonom Helmut Mahringer, vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung (Wifo). Obwohl sie in der Wirtschaftskrise die am meisten von Langzeitarbeitslosigkeit betroffene Gruppe war, wurde der Schwerpunkt auf arbeitslose Jugendliche gelegt. "Es war absehbar, dass sie älter werden und dann noch immer langzeitarbeitslos sind", sagt der Ökonom.

Der Kündigungsschutz für Ältere macht ihre Situation noch auswegloser, sagt Mahringer. Denn als schwer kündbare ältere Menschen sind sie für Betriebe unattraktiv.