In den 1990er-Jahren verschwanden Mehrwegflaschen nach und nach aus den heimischen Supermärkten, nachdem es keine verpflichtenden Quoten mehr gab. Derzeit liegt der Anteil an wiederverwertbaren Flaschen bei 19 Prozent. Umweltministerin Lenore Gewessler will das wieder ändern. Im Begutachtungsentwurf zum neuen Abfallwirtschaftsgesetz ist ab 1. Jänner 2024 im Lebensmitteleinzelhandel bei Bier- und Biermischgetränken eine Mehrweg-Quote von 60 Prozent festgeschrieben. Bei Mineralwasser werden 20 Prozent eingefordert, bei Milch, Säften und anderen alkoholfreien Getränken zehn Prozent. Insgesamt soll dann jede vierte Flasche wiederbefüllbar sein.

Der Einzelhandel ist wenig begeistert. ."Wir sind für Mehrweg, aber gegen verpflichtende Quoten", sagt Christian Prauchner, Obmann des Lebensmittelhandels in der Wirtschaftskammer. Vielmehr müsse man die Verbraucher stärker auf das Mehrwegangebot aufmerksam machen. Das habe man etwa bei Milch und Milchprodukten gesehen, die es seit gut eineinhalb Jahren wieder in Mehrwegglas-Gebinden gibt und die bei den Kunden gut ankommen.

Umweltministerin Leonore Gewessler stellte am Mittwoch den Entwurf zum neuen Abfallwirtschaftsgesetz vor. - © APAweb /BARBARA GINDL
Umweltministerin Leonore Gewessler stellte am Mittwoch den Entwurf zum neuen Abfallwirtschaftsgesetz vor. - © APAweb /BARBARA GINDL

"Läden sollen nicht zu Müllsammelstellen werden"

Je stärker die Nachfrage nach Mehrweg sei, desto mehr würden Einzelhandel und Getränkeindustrie darauf reagieren, so Prauchner. Er betreibt selbst einen Eurospar und zwei Spar-Geschäfte.

Prauchner ist froh, dass das Thema Einweg-Pfand auf Dosen und Flaschen offenbar vom Tisch ist. "Die Lebensmittelläden sollen nicht zu Müllsammelstellen werden", betont er. Die Sammlung von Altpapier und Altglas funktioniere in Österreich auch ohne Quoten sehr gut, "warum soll uns das nicht bei anderen Materialien gelingen?" Er glaubt fest daran, dass die derzeitigen Recyclingtechnologien entwicklungsfähig sind und immer besser werden.

Ministerin Gewessler kündigte an, es werde noch heuer Pilotprojekte zur Umsetzung eines Pfandsystems für Einweggebinde geben. Es gebe noch viele Fragen zur praktischen Umsetzung.

Die Umweltschutzorganisation Global 2000 begrüßte den verbindlichen Ausbau des Mehrwegangebots, betonte aber, dass das Einwegpfand nicht auf der Strecke bleiben dürfe.

Rainer Will, Geschäftsführer des Handelsverbands, vermisst Informationen darüber, wie die betroffenen Lebensmittelhändler die erforderlichen Investitionskosten für Mehrweg-Automaten, Lagerräume und Umbauarbeiten ersetzt bekommen. "Ein großer Wurf ist das nicht", meint Neos-Klima- und Umweltsprecher Michael Bernhard. Die Novelle enthalte einige sinnvolle Maßnahmen. Es sei aber nicht nachvollziehbar, warum sie erst 2024 Jahren kommen soll.

In Österreich gibt es rund 450 Getränkeabfüller. Viele von ihnen produzieren schon Mehrwegflaschen. Vor Kurzem präsentierte Vöslauer – mit 40 Prozent Anteil Marktführer im Lebenseinzelmittelhandel – eine Pet-Mehrwegflasche, die 2022 in die Geschäfte kommen soll. Pet-Mehrweggebinde gab es bis in die 1990er Jahre, wegen mangelnder Nachfrage seien sie aber aus den Regalen verschwunden, so Vöslauer-Geschäftsführer Herbert Schlossnikl. Derzeit beträgt der Einweganteil bei Vöslauer 77 Prozent. Im Jahr 2019 hat Vöslauer rund 314 Millionen Liter Mineralwasser abgefüllt. Im Coronajahr 2020 waren es rund 271 Millionen Liter.

Aus für Wegwerfbesteck und Trinkhalme aus Plastik

Die Novelle zum Abfallwirtschaftsgesetz enthält weiters ein Verbot von Einwegplastikprodukten wie Wegwerfbesteck bereits ab Juli 2021. Und: "Unser Müll fährt in Zukunft Bahn", so Gewessler. Der Transport von Müll ab einem Gewicht von drei Tonnen werde schrittweise auf die Bahn verlagert. Der Import von "dreckigem Industriemüll" wird verboten.