Die OMV wird ihre Klage gegen das Magazin "Dossier" zurückziehen. "Wir wollen mit unserer Klage nicht ein Medium in eine wirtschaftlich schwierige Situation bringen und haben deshalb im Vorstand beschlossen, dass wir die Klage zurückziehen werden", sagte OMV-Chef Rainer Seele am Donnerstag zur APA.

Die Klage gegen "Dossier" wegen der Berichterstattung des Magazins über den Erwerb des Chemiekonzerns Borealis durch die OMV sei damals gemeinsam im Vorstand gefasst worden, "nachdem man uns eine juristische Empfehlung gegeben hat", erklärte Seele. "Wir hatten mehrfach darauf hingewiesen, dass wir eine ausgewogene Berichterstattung wollen und dass wir eine andere Sichtweise haben, aber das wurde ignoriert."

Da man aber das Medium nicht wirtschaftlich gefährden wolle, werde die Klage nun zurückgezogen. "Wir schicken Dossier einen netten Brief", so Seele. "Wir sind für einen Dialog immer offen."

Vor allem der Vorwurf der Spionage hatte den OMV-Konzern in die Bredouille gebracht. Des weiteren enthüllte "Dossier", dass die OMV für Seeles Nutzung von Privatflugzeugen seit 2016 insgesamt 400.000 Euro gezahlt hat. Die Sponsorenvereinbarung mit dem Fußballclub Zenit St. Petersburg, dem angeblichen Lieblingsteam des russischen Präsidenten Wladimir Putin, habe 25 Millionen Euro gekostet. Aufsichtsratschef Berndt sagte der Nachrichtenagentur Reuters, Seeles und seine eigenen Reiseausgaben von 2017 bis 2019 würden untersucht. Das gelte auch für alle Sponsoringausgaben.

Die unabhängige Rechercheplattform "Dossier", um die es finanziell nicht allzu gut bestellt ist, hat vor kurzem eine Crowdfunding-Kampagne gestartet.

Gestiegener Ölpreis wirkte sich positiv aus

Im ersten Quartal dieses Jahres hat die OMV vom  gestiegenen Ölpreis profitiert und sein CCS Operatives Ergebnis vor Sondereffekten (bereinigt um Lagerhaltungseffekte) um 24 Prozent auf 870 Millionen Euro verbessert. Das operative Konzernergebnis stieg im Jahresabstand von 81 Millionen auf 1,16 Milliarden Euro. Das Periodenergebnis drehte von minus 68 Millionen auf 835 Millionen Euro in die Gewinnzone.

Die von der APA befragten Analysten hatten auf Grund des höheren Ölpreises und der Wiederaufnahme der Produktion in Libyen mit der deutlichen Ergebnisverbesserung gerechnet. Der Brent-Preis lag im ersten Quartal im Schnitt bei 61,12 Dollar pro Fass, nach 44,16 Dollar Ende 2020 und 50,10 Dollar Anfang 2020. Der CEGH-Erdgaspreis stieg im Schnitt auf 18,08 Euro pro MWh, nach 13,81 bzw. 10,64 Euro.

Der Anstieg des Konzernumsatzerlöses um 35 Prozent auf 6,429 Milliarden Euro ist vor allem auf den zusätzlichen Umsatz der vollkonsolidierten Borealis zurückzuführen. (apa/red)