"Es war uns klar, dass das erste Quartal schlecht wird", räumt Austrian-Airlines-Chef Alexis von Hoensbroech am Donnerstag ein. Es gehe bergauf, aber langsamer als gedacht. Hohe Planungsunsicherheit wegen nach wie vor starker Reiserestriktionen weltweit prägen das Geschäft der Fluglinien derzeit.

Die AUA ist da, wenig überraschend, keine Ausnahme. Sie hat im ersten Quartal 2021 einen Verlust von mehr als 100 Millionen Euro eingeflogen. 308.000 Passagiere wurden bis Ende März befördert, ein Rückgang von 84 Prozent zum Vorjahresquartal, als - trotz bereits grassierender Pandemie - immerhin noch 1,9 Millionen Fluggäste befördert wurden. "Wir haben derzeit ein Viertel der Flüge im Vergleich zum Vorjahr", veranschaulicht der AUA-CEO.

Tiefrote Zahlen

61 Millionen Euro Umsatz verzeichnete die Fluglinie in den ersten drei Monaten 2021. In nur einem Monat macht der Umsatz in "normalen" Zeiten 200 Millionen Euro aus, so von Hoensbroech.

Auf "tiefrote" 106 Millionen Euro beläuft sich zudem der operative Verlust der AUA im ersten Quartal 2021. Im Vergleichsquartal 2020 lag er bei 136 Millionen Euro, damit ist er um 30 Millionen Euro niedriger geworden. Von Hoensbroech erklärt das damit, dass man im Vorjahr gar nicht so schnell Kosten sparen hätte können, wie die Umsätze wegbrachen. Aber: "Mittlerweile sind wir echt geübt darin", gibt er sich pragmatisch.

Alle AUA-Mitarbeiter sind aktuell in Kurzarbeit, Technik-Aufwendungen wurden auf das Minimum reduziert. Nur etwa die Hälfte der Flugzeug-Flotte ist aktiv, sie wurde zudem verkleinert. Auch bei der Verwaltung habe man eingespart, zentralisiert, auf Wien fokussiert und das Headquarter gar halbiert, so der Airline-Chef. Damit sei man schlagkräftiger als vor der Krise aufgestellt und sehe sich auch für die womöglich bald wieder aufflammende Preisschlacht mit den Billigfliegern gut gerüstet.

Was Personaleinsparungen betrifft, gibt sich von Hoensbroch offen: Den Abbau um noch einmal hunderte Jobs, wie bereits im März angekündigt, werde man durchführen müssen. Allerdings verzeichnet die AUA derzeit erhöhte natürliche Abgänge, womit etwa die Hälfte der Personalreduktion über die Fluktuation bestritten werden könnte. Dennoch werde eine Verlängerung der Kurzarbeit bis Anfang 2022 notwendig sein, da sich der Markt langsamer erholt als ursprünglich gedacht und eingeplant.

Staatshilfe sollte ausreichen

Auf Nachfrage der "Wiener Zeitung", ob die mit Staatshilfe gerettete Airline weitere Gelder benötigen wird, zeigt sich Alexis von Hoensbroech erstaunlich optimistisch: "Trotz schlechtem Ergebnis sind unsere Kassen gut gefüllt. Kurzarbeit und Steuerstundungen entlasten uns in Sachen Liquidität. Wenn der Sommer eine gute Auslastung bringt, werden wir über die Runden kommen."

Für die Hochsaison Juli/August plant die AUA 100 Destinationen anzufliegen, vor allem Urlaubsziele in Europa. Seit drei Wochen laufen die Buchungen gut, haben sich verdoppelt, wenn auch von sehr niedrigem Niveau.

Der AUA-Chef empfiehlt, bald zu buchen, da der heurige Sommer von knappen Flugkapazitäten bei allen Airlines und damit womöglich auch steigenden Preisen geprägt sein werde. Vor allem der Pilotenmangel bremse kurzfristige Kapazitätsanpassungen aus, insbesondere bei den Billigfliegern, schätzt er. Denn diese hätten mangels Kurzarbeit ihre Piloten großteils kündigen müssen.

Lufthansa-Konzern kämpft

Auch im Lufthansa-Konzern, zu dem neben der AUA auch noch Swiss, Brussels Airlines und der Ferienflieger Eurowings gehören, sehen die Zahlen schlecht aus. Von Jänner bis März 2021 schrieb der Konzern unter dem Strich einen Verlust von einer Milliarde Euro, bei einem Umsatzeinbruch um 60 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal auf 2,56 Milliarden Euro. In den zurückliegenden zwölf Monaten wurden weltweit rund 24.000 Vollzeitstellen abgebaut. In Deutschland reduzierten sich diese, meist durch Fluktuation, um 8.000 auf 52.200, außerhalb Deutschlands um 16.000.

Was die strategische Ausrichtung der AUA innerhalb des Konzerns betreffe, gebe es keine exklusiven Marktsegmente, betont von Hoensbroech. Natürliche Schwerpunkte der Austrian Airlines bleiben Österreich sowie Südost- und Osteuropa, wo man Nummer 1 sei.